Hohenweiler Schützen feiern 170 Jahre

Mit Feldmesse um 9 Uhr und Frühschoppen lebt die Tradition des “Schützensonntags” weiter.
Hohenweiler Schützengilden zählen nicht nur in Vorarlberg zu den ältesten Vereinigungen vieler Kommunen. Gegründet wurden sie zur Verteidigung der Städte – in Feldkirch etwa wird diese militärische Vereinigung schon 1375 urkundlich erwähnt. Für Bregenz wird als Gründungsjahr 1498 genannt. Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese “Gilden” in überregionale Verbände eingegliedert und entwickelten sich in jüngster Zeit immer mehr zu zwei vernetzten Organisationen: Sportschützenvereinen und Traditionskompanien, von denen es in Vorarlberg aktuell zwölf gibt – eine davon ist die in Hohenweiler, die heuer ihren 170-jährigen Bestand feiert.

Hohenweilers bedeutsame Rolle
Die Hohenweiler Schützen haben in der Geschichte des Vorarlberger Schützenwesens immer wieder Marksteine gesetzt. So gelang es dem legendären “Schützendäta” Josef Greißing nach dem Zweiten Weltkrieg durch großes Verhandlungsgeschick mit der französischen Besatzung, die Erlaubnis zur Durchführung des ersten Schießwettkampfs nach 1945 zu bekommen. Dieses Schießen anno 1952 gilt als Neustart des Schießsports in Vorarlberg.

Greißing schrieb nicht nur mit diesem Wettkampf Geschichte, er sorgte viele Jahrzehnte für Schlagzeilen. 1907 wurde er Mitglied der Hohenweiler Schützengilde, gründete 1934 die Schützenkompanie, die er im Alter von 95 Jahren letztmalig kommandierte, und nahm mit 97 noch am Bundesschießen in Innsbruck teil.

1987 wurde er für 80 Jahre Mitgliedschaft geehrt und wünschte sich als Jubiläumsgeschenk ein großes Schießen, das zwei Jahre später auch ein großer Erfolg war. Wenige Wochen vor Vollendung seines 100. Lebensjahres ist der “Schützendäta” verstorben.

Markstein für Geschichtsbücher
Wenige Jahre später schrieb Hohenweiler wieder Schützen-Geschichte: Zum 140-Jahr-Jubiläum wurde – eineinhalb Jahre nach dem EU-Beitritt Österreichs – mit dem größten Schützenfest des Landes daran erinnert, dass das Westallgäu mit Lindenberg, Weiler usw. bis zu den Napoleonischen Kriegen zur Herrschaft Bregenz und damit zum Habsburgerreich gehörte und erst mit dem Vertrag von Brünn am 10. Dezember 1805 Bayern zugeschlagen wurde.
Unter den mehr als 50 Schützengilden und Traditionskompanien, die zum Fest kamen, waren auch viele aus den Allgäuer Gemeinden, die bis 1805 österreichisch waren. Auch eine Delegation aus Schweden war zum Fest angereist, um daran zu erinnern, dass hier zwischen Lindau und Bregenz 1646/47 am Ende des Dreißigjährigen Krieges die letzten schicksalhaften Kampfhandlungen stattfanden, die am 4. Jänner 1647 in der Einnahme von Bregenz gipfelten.
20 Jahre später – die Schützen veranstalteten zum 160-Jahr-Jubiläum gemeinsam mit dem Musikverein (125 Jahre) ein großes Doppelfest – marschierten die rund 500 Schützen der zwölf Kompanien wieder vollzählig auf.
“Schützensonntag” ist Tradition
Verglichen mit diesen außergewöhnlichen Festivitäten ist das 170-Jahr-Jubiläum eine kleine Familienfeier: Am Sonntag, 8.45 Uhr, versammeln sich Festgäste, Hohenweiler Schützen, Feuerwehr und Musikverein bei der Pfarrkirche und marschieren gemeinsam mit der Bürgerschützenkompanie Langen zum Sportplatz, wo die Feldmesse mit anschließendem Frühschoppen stattfindet.
Mit der Einladung der Schützen aus Langen will man dem “Schützensonntag” – traditionell zehn Tage nach Fronleichnam – mehr überörtliche Beachtung verschaffen, so die Hohenweiler Schützen, die diese Festveranstaltung auch als eine Möglichkeit sehen, sich ins dörfliche Geschehen einzubringen und sich bei Gemeinde und Bevölkerung zu bedanken. STP