Schützen-Jubiläum unter dem Fallschirmzelt

Hohenweiler feierte 170 Jahre in einer spektakulären und einladenden Open-Air-Location.
Hohenweiler 170 Jahre Bestand einer Schützengilde sind zwar kein rundes “Jahrhundertjubiläum”, aber trotzdem ein guter Grund, den Brauch des Schützensonntags etwas größer als üblich zu feiern, sagte sich die junge Vereinsspitze. Dieser Schützensonntag ist ein Highlight des Hohenweiler Schützenjahres und findet alljährlich zehn Tage nach Fronleichnam statt. Als gemütliches Treffen der Schützen mit der Ortsbevölkerung und Gästen aus nah und fern ist er gleichzeitig ein Dankeschön der Schützen für die stete Unterstützung.

Überraschung am Festplatz
Neben Hohenweiler Musik und Feuerwehr marschierten auch die Schützenkameraden aus Langen mit von der Pfarrkirche zum Festplatz beim Klubheim der Fußballer, die traditionell ihr Equipment für derartige Festivitäten zur Verfügung stellten. Mit einem gravierenden Unterschied: Schutz vor der strahlenden Sonne boten nicht mehr Dutzende kleine Werbe-Sonnenschirme von Mohren Bräu, Coca-Cola oder regionalen Firmen, sondern ein einziger riesiger Schirm – oliv und im kühlenden Wind seine Form unablässig wechselnd hing dieser innovative Sonnenschutz über den Festgästen. Aufgehängt an einem Mobilkran auf einem Lkw und festgemacht mit den Schirm-Schnüren.

Faszinierendes Ambiente
“Ein Lastenfallschirm, wie er in der Nato oder der deutschen Bundeswehr Standard ist, um im Kriegsfall Truppen an der Front rasch mit Nachschub – Munition, Gerätschaften usw. – zu versorgen oder – was aktuell viel wichtiger ist – bei Erdbeben, Überschwemmungskatastrophen udgl. den Rettungsmannschaften ins unwegsame Gelände Geräte, aber auch Lebensmittel und vor allem Wasser zu liefern”, erläutert Oberschützenmeister Peter Feurstein das innovative Ambiente, und Kompaniekommandant Stefan Achberger lüftet das Geheimnis, wie dieses “Fallschirmzelt” nach Hohenweiler kam: “Wir haben diesen Sonnenschutz bei einem befreundeten Verein in Maria Thann, gleich über der Grenze, gesehen, und die haben uns den Fallschirm ausgeliehen. Armin Summer stellte den Kranwagen – und da steht er, der ideale Sonnenschutz, der nicht an ein Zelt erinnert, sondern irgendwie an die Hochstammbäume, die dieses Fest jahrzehntelang beschattet haben.”

Schützen und Kirche
Eingeleitet wurde das 170-Jahr-Jubiläum mit einer Feldmesse, in der Pfarrer Peter Loretz daran erinnerte, dass Kirche und Schützen nicht nur am Fronleichnamstag in enger Beziehung stehen. Im Volksmund als “Üsa Herrgottsschützen” apostrophiert, begleiten sie die Fronleichnamsprozession, beschützen symbolisch den Priester mit der Monstranz und feuern zur Ehre Gottes Gewehrsalven und Böllerschüsse ab. In früheren Zeiten hatte dieser Schutzgedanke einen handfesten Hintergrund: So haben viele Pfarrer in den Napoleonischen Kriegen Bürger aufgefordert, zum Schutz der Kirchen bewaffnete Einheiten zu bilden.

Verstärkung willkommen
Mit offiziellen Festreden hielt man sich vornehm zurück, lediglich Oberschützenmeister Peter Feurstein nützte die Gelegenheit, um in seinen Ausführungen um neue Mitglieder zu werben: “Wir sind aktuell gut aufgestellt, haben den Luftdruckwaffen-Stand mit modernster Technik ausgestattet und sind stolz auf Verein und Kompanie, neue Mitglieder sind aber jederzeit willkommen.” Feurstein hat im Vorjahr Langzeit-Chef Franz Josef Berkmann (“Nach so vielen Jahren ist es an der Zeit, Jüngeren Platz zu machen”) abgelöst. Anlass für den kompletten Generationenwechsel war der viel zu frühe Tod von Kompanie-Hauptmann Riccy Fink 2024. Sein Amt übernahm im Vorjahr Stefan Achberger. STP





