Veränderung beginnt im Dialog

Judith Lutz ist Gastgeberin für gute Gespräche – mit dem Ziel, Zukunftswege zu öffnen.
Bregenz Restaurantkritikerin wollte sie als Kind werden. Heute begleitet Judith Lutz Veränderungsprozesse. Ganz so weit auseinander liegt das gar nicht: In beiden Jobs geht es um Atmosphäre, gutes Zusammenspiel, überraschende Zutaten und die Frage, was Menschen wirklich begeistert. Judith gestaltet Räume, in denen Menschen nicht nur reden, sondern sich auch hören. Gemeinsam mit ihren Auftraggebern und oft in Gastgeberteams entwickelt sie passende Formate, bringt die richtigen Menschen zusammen und schafft Räume, in denen Entwicklung möglich wird. Wichtig ist ihr die Zusammenarbeit im Netzwerk. “Gute Lösungen entstehen nur gemeinsam”, ist sie sicher.
“Ich gebe nicht die ‚richtige‘ Lösung vor, sondern schaffe einen Rahmen, in dem gute Lösungen entstehen können.”
Judith Lutz, Prozessbegleiterin und Klimajournalistin
Innehalten bedeutete für die 37-Jährige nie Stillstand, sondern Neugier. Ihr Weg verlief nicht geradlinig. Nach der Matura hatte sie vor allem eines: keine Lust mehr aufs Lernen. Statt für den Hörsaal entschied sie sich für die Arbeit in einer Drogeriefiliale. Bereits nach fünf Monaten sollte sie als stellvertretende Filialleiterin eingesetzt werden. Das war für sie ein Moment der Erkenntnis: Da geht mehr. Die Lernlust war geweckt, sie begann in Innsbruck Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Zahlen und Theorie erwiesen sich für die empathische Bregenzerin als zu weit weg von dem, was sie wirklich interessierte: wie Gesellschaft funktioniert und warum und wie Menschen handeln. Also wechselte sie zur Soziologie. Auf den Bachelor folgte der Master in Wien.

Im September 2016 führte sie ein Verwaltungspraktikum zum Büro für Zukunftsfragen im Ländle. Sie blieb, wirkte an Bürgerbeteiligungsprozessen mit und verantwortete die Agenden rund um die Kommunikation der Abteilung. Nach sieben Jahren wurde der Wunsch stärker, neue Perspektiven zu entwickeln.
Im Rahmen einer Bildungskarenz absolvierte sie an der Fachhochschule Johanneum in Graz einen Lehrgang für Nachhaltigkeitskommunikation und Klimajournalismus. Für Judith wurde schnell klar: Zurück in alte Strukturen wollte sie nicht. Stattdessen entschied sie sich für einen neuen Weg – und startete 2024 in die Selbstständigkeit.

Seither widmet sich die 37-Jährige der Kunst, Gespräche und Gruppenprozesse so zu gestalten, dass Menschen sich einbringen und gemeinsam Zukunftsideen entwickeln können. In der Praxis bedeutet das: Sie hilft dabei, komplexe Situationen zu ordnen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und Gespräche so zu moderieren, dass tragfähige Ergebnisse entstehen können. Mit Gespür für Details und ideenreichem Methodenmix entwickelt sie Formate, die sich an den Bedürfnissen jener Menschen orientieren, die zusammenkommen. Struktur verbindet sie mit Offenheit: Es gibt einen klaren Plan, zugleich jedoch Raum für Spontanes. Ergebnis einer solchen Begleitung ist etwa die Programmierung der “Ghörigen Stube” im Vorarlberg Museum, die sich als barrierefreier Rückzugsort zum Lesen, Ausruhen oder für spontane Gespräche anbietet.
Gleichzeitig arbeitet Judith als Klimajournalistin. Ihr Blick gilt wissenschaftlichen Erkenntnissen ebenso wie den gesellschaftlichen Fragen dahinter: Wie verändert die Klimakrise das Zusammenleben, Entscheidungen und den Alltag – und was kann man daraus lernen?

Beide Rollen verbindet ihr Interesse nicht nur daran, was geschieht, sondern auch daran, wie Menschen damit leben und konstruktive Lösungen sowie Erfolgsgeschichten in die Welt tragen.
Und ihre Zukunft? “Die ist nicht in Stein gemeißelt”, sagt die Soziologin. Judith geht einen Schritt nach dem anderen, hält immer wieder inne, denkt nach und entscheidet neu. JH
ZUR PERSON
JUDITH LUTZ
GEBOREN 17. September 1988
WOHNORT Bregenz
FAMILIENSTAND in Partnerschaft
BERUF Prozessbegleiterin für Partizipations- und Veränderungsprozesse, Klimajournalistin
HOBBYS Zeit mit Hund Kalle in der Natur verbringen, Literatur, Konzertbesuche, Backen
KONTAKT: www.judithlutz.at