Sein Herz bleibt in Bregenz

VN / 18.06.2026 • 16:45 Uhr
Hans Jaquemar, 94: Pfarrer, Religionslehrer, Seelsorger, Ökumene, Pensionist. HRJ
Hans Jaquemar, 94: Pfarrer, Religionslehrer, Seelsorger, Ökumene, Pensionist. Hrj

Hans Jaquemar bedankt sich mit Gottesdienst bei der Stadt, die 20 Jahre sein Zuhause war.

BREGENZ, NENDELN Bregenz hat Hans Jaquemar nie losgelassen. Als junger Pfarrer kam er 1961 in die Landeshauptstadt, 20 Jahre lang leitete er die evangelische Pfarrgemeinde. Heute ist er 94 Jahre alt und lebt in Liechtenstein. Regelmäßig kehrt er zurück nach Bregenz, trifft Freunde und besucht das Grab seiner Frau. Am kommenden Sonntag hält er den Gottesdienst in der Kirche am Ölrain.

Der evangelische Geistliche lebt in einem Einfamilienhaus oberhalb der Ortschaft Nendeln. HRJ
Der evangelische Geistliche lebt in einem Einfamilienhaus oberhalb der Ortschaft Nendeln. HRJ

Jaquemars Lebensweg schien vorgezeichnet. Seine Vorfahren waren Hugenotten – französische Protestanten –, die 1781 nach Wien gekommen waren. Bereits sein Urgroßvater und sein Großvater wirkten als evangelische Pfarrer. So lag es nahe, dass auch der 1932 geborene Hans Jaquemar, der mit fünf jüngeren Geschwistern in Wien aufwuchs, evangelische Theologie studierte.

Nach dem Studium absolvierte er seinen Präsenzdienst beim Bundesheer. “Nicht aus Begeisterung, sondern aus Protest”, erzählt er. “Theologen waren damals vom Militärdienst befreit.” Das war 1956, im Gründungsjahr des Bundesheeres. Jaquemar gehörte zu den ersten Rekruten der neuen österreichischen Armee.

Es folgten Lehrvikariat, Pfarramtsprüfung und Ordination – alles in Wien. Im Frühjahr 1959 wurde er nach Bregenz berufen. “Ich wurde herzlich aufgenommen und fühlte mich von Anfang an als Bregenzer”, erinnert er sich. Zwei Jahre lang war er Vikar, bevor er die Pfarrstelle übernahm.

Hans Jaquemar mit einem Foto von seiner verstorbenen Ehefrau Ursula. Sie fehlt ihm sehr. HRJ
Hans Jaquemar mit einem Foto von seiner verstorbenen Ehefrau Ursula. Sie fehlt ihm sehr. HRJ

Neben seiner Tätigkeit als Pfarrer unterrichtete er Religion an Gymnasien, Handelsakademie, Handelsschule, HTL und Berufsschule. “Durch das Unterrichten hatte ich viel Kontakt zu jungen Menschen und ihren Familien.” Viele dieser Beziehungen bestehen bis heute.

Rückblickend bezeichnet er sich als “evangelischen Pfarrer innerhalb der katholischen Kirche”. Zu seinen Weggefährten zählten die katholischen Geistlichen Anton Bereuter, Rudi Siegl und Elmar Simma. “Wir verstanden uns alle sehr gut”, sagt Jaquemar. “Wir treffen uns heute noch.”

Sein hohes Alter merkt man ihm nicht an. Hans Jaquemar ist körperlich und geistig erstaunlich fit. HRJ
Sein hohes Alter merkt man ihm nicht an. Hans Jaquemar ist körperlich und geistig erstaunlich fit. HRJ

Besonders am Herzen lag ihm die Ökumene. In Bregenz setzte er sich intensiv für die Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen ein. “Leider ist diese Entwicklung irgendwann ins Stocken geraten”, bedauert er.

1981 verabschiedete er sich aus Bregenz, übersiedelte nach Nendeln in Liechtenstein. Dort wirkte er als Pfarrer in Vaduz, unterrichtete am Liechtensteinischen Gymnasium und engagierte sich im Dekanatsarbeitskreis für Erwachsenenbildung.

Am 31. August 1997 trat Hans Jaquemar in den Ruhestand. Ganz losgelassen hat ihn sein Beruf jedoch nie. Noch heute übernimmt er Vertretungsdienste in Vaduz, Dornbirn und Bregenz. Höhere kirchliche Ämter strebte er nie an: “Ich wollte immer nur Pfarrer sein und als Seelsorger für die Menschen da sein. Das Schöne ist: Als Pfarrer habe ich Zeit, wenn mich jemand braucht.”

Auch, wenn sich Hans Jaquemar in seinem Liechtensteiner Domizil wohlfühlt, zieht es ihn immer wieder in seine Wahlheimatstadt Bregenz. HRJ
Auch wenn sich Hans Jaquemar in seinem Liechtensteiner Domizil wohlfühlt, zieht es ihn immer wieder in seine Wahlheimatstadt Bregenz.HRJ

An seine Zeit in Bregenz erinnert er sich “mit großer Freude. Besonders an die vielen persönlichen Beziehungen, die damals entstanden sind”. Mit dem Gottesdienst am Sonntag möchte er den Bregenzer/-innen Danke sagen.

Blickt der pensionierte Pfarrer und dreifache Vater auf sein langes Leben zurück, steht für ihn eines fest: “Ohne meine Frau Ursula hätte ich das alles nicht schaffen können.” Sie sei eine außergewöhnlich engagierte Frau gewesen, sozial wie menschlich. “Sie hat sich auch um Menschen gekümmert, die von anderen nicht akzeptiert wurden.”

Kennengelernt hatte er die aus Deutschland stammende Pharmazeutin und Psychotherapeutin beim Skifahren in Salzburg. 1959 heirateten die beiden. Seine Frau starb im November 2019 im Hospiz Bregenz. “Sie fehlt mir sehr”, sagt Jaquemar. “Aber sie ist immer präsent.”

ZUR PERSON

HANS JAQUEMAR

GEBOREN 5. September 1932 in Wien

WOHNORT Nendeln, Liechtenstein

BERUF Pfarrer, pensioniert

FAMILIE Witwer, 1 Tochter, 2 Söhne

HOBBY Leidenschaftlicher Alpinist – Sommer wie Winter

GOTTESDIENST Sonntag, 21. Juni, 10 Uhr, Evangelische Kirche Bregenz