So war die Sonnwendfeier am Hohenweiler Krisabühl

Am Krisabühel konnten Wolken am Horizont kein Spielverderber sein.
Hohenweiler Brütende Hitze auch noch am Abend, trotzdem Riesenstimmung unter den vielen Sonnenschirmen auf dem Hohenweiler Krisabühel, wo das Team der Dörfler Funka Howilar alles für eine stimmungsvolle Sonnwendfeier vorbereitet hatte. Doch je näher die glutrote Scheibe der Sonne dem Horizont kam, umso mehr Sorgenfalten standen den Initiatoren der längst zur Tradition gewordenen Feier auf der Stirn, denn ausgerechnet jetzt und ausgerechnet am westlichen Horizont zog am sonst wolkenlosen Himmel eine Wolkenbank auf, die das erhoffte Spiel des Sonnenuntergangs vermasselte: so ging die Sonne nicht „klassisch“ unter, sondern wurde unspektakulär von Wolken aufgesogen. Und wann war jetzt tatsächlich Sonnenuntergang? War so nicht auszumachen und musste regelrecht geschätzt werden.

„Wahrscheinlich um 21.07 Uhr“
Die Sonne war schon einige Minuten nicht mehr zu sehen – hinter den Wolken verschwunden, aber „unsichtbar untergegangen“ war sie freilich noch nicht. Nach kurzer Beratung legten die Funker den Sonnenuntergang auf 21.07 Uhr fest und zündeten den kunstvoll aufgeschichteten Holzstapel.

Natürlich Krisaholz
Krisabühel, heute eine kahle Wiese ohne einen einzigen Baum, ja nicht einmal einen Strauch. Ältere Besucher der Sonnwendfeier konnten sich sehr wohl noch gut erinnern, dass hier viele Kirschbäume standen und statt des Sonnwendfeuers begann damals zum Sommeranfang die Kirschenernte.

Für das Sonnwendfeuer hatten die Funker vorsorglich genügend Brennholz vorbereitet, schließlich wollte man das Feuer angesichts der prächtigen Sommernacht noch länger brennen lassen. Die Location am Krisabühel ist denn auch zu verlockend und lädt dazu ein, einen speziellen Sommerabend ausgiebig zu feiern. Zu verfolgen, wie das Dorf zu Füßen des Hügels ganz langsam dunkel und dunkler wird, während oben noch die Sonne strahlt, schafft eine ganz besondere Atmosphäre.

Von den alten Griechen bis heute
Sonnwendfeuer abzubrennen ist ein uralter Brauch und hat seinen Ursprung in der griechischen Mythologie. Als heidnischer Brauch breitete sich dieses Ritual auf ganz Europa aus. Sonnwend feierten auch die Germanen bis ins Mittelalter, ehe die Kirche mit roher Gewalt versuchte, diese heidnischen Traditionen abzuschaffen. In unseren Breiten hat sich daraus der heidnische Brauch entwickelt, mit dem Feuer, dem irdischen Licht, zur Sommersonnenwende das göttliche Licht, die Sonne, zu feiern.

Bei den Kelten war dies nicht auf einen Tag beschränkt, sie feierten „Alban Hevin“ fast zwei Wochen lang. Auch die Germanen kannten bis ins Mittelalter den „Sunnwendfeuertanz“. Mit fortschreitender Christianisierung versuchte die Kirche mit brachialer Gewalt diese heidnischen Traditionen abzuschaffen. Erfolgreich waren diese Bemühungen nicht und speziell in skandinavischen Ländern blieb „Mittsommer“ ein wichtiger Feiertag. Dänen und Norweger organisieren Fackelumzüge, die Finnen ziehen aufs Land und feiern dort in ihren Hütten, auch in Estland und Lettland ist es ein wichtiger Feiertag – ganz zu schweigen von England, wo in Stonhenge Europas größte Sonnenwendfeier steigt.

In unseren Breiten wird der Brauch mehr und mehr wieder zahlreicher gepflegt. Nachdem man ihm nach 1945 eher zurückhaltend gegenüberstand, denn im Dritten Reich wurde Sonnwend ideologisch missbraucht und als angeblich altgermanisches Fest „wiederbelebt“. Inzwischen hat man sich von diesen ideologischen Irrungen gelöst und feiert unbelastet und fröhlich. STP



