“Tränen brennen nicht, außer in der Einsamkeit”

Im Kunstraum Remise präsentiert Monika Grabuschnigg ihre Ausstellung “Tears don’t burn”.
Bludenz Zahlreiche Kunstfreunde feierten jüngst im Kunstraum Remise in Bludenz die Eröffnung der Ausstellung “Tears don’t burn” von Monika Grabuschnigg. Die Künstlerin, die in Feldkirch geboren wurde und heute in Berlin lebt, verbindet in den Skulpturen Keramik mit anderen Materialien. Wie der Verein allerArt Bludenz mitteilt, beschäftige sie sich in ihren jüngeren Werkserien vorrangig mit Alltagsobjekten; dazu zählten beispielsweise Kühlschränke, textile Decken oder Verpackungen, die ursprünglich Dinge enthalten, schützen oder aufbewahren. Ihre Werke sind international vertreten – öffentlich und privat.

Über die neuen Arbeiten von Monika Grabuschnigg sagt die Kunsthistorikerin Luisa Seipp: “Alles beginnt mit Gegenständen, die etwas halten: Eine Decke hält Wärme, ein Kühlschrank bewahrt Nahrung, eine Lederjacke behält die Form eines Körpers.” Die Skulpturen in der gegenwärtigen Exposition griffen auf solche Systeme des Aufbewahrens, der Fürsorge und des Schutzes zurück, meint der Kulturkritiker Karlheinz Pichler. Abgüsse von Minibar-Innenleben, verhärtete Bettdecken aus Keramik, Arzneimittelverpackungen, künstliche Tränen und Eierhalter wirkten zugleich entleert, entfremdet und schwebend zwischen Funktion und Erinnerung. Durch subtile Deplatzierungen erschienen vertraute häusliche Formen unheimlich.

In Werkserien habe Monika Grabuschnigg Kühlschranktüren abgeformt und diese zu Keramikreliefs gegossen. Bei genauer Betrachtung könnten in den Werken vermeintliche Spuren der letzten Nutzer des Kühlschrankes entdeckt werden. So seien etwa Fotografien von Nahrungsmitteln und Wohnräumen oder Aluminiumabgüsse von Blisterverpackungen und Schnittblumen in den Innenfächern verwahrt. Nach Ansicht Karlheinz Pichlers begreife die Kunstschaffende den Kühlschrank als demokratisches und alltägliches Objekt, welches zugleich zutiefst privat sei.

Im Städtle biete die Künstlerin auch Einblicke in die Werkserie “Confession”. Darin kombiniere sie Elemente eines Beichtstuhls mit einem zur Masche gebundenen Lastengurt oder einem Kühlschrankgummi und überführe diese in Aluminiumgüsse. Häusliche Motive würden da auf rituelle Strukturen treffen. In die kühlen, metallischen Skulpturen seien vertraute Formen aus dem Kühlschrankinneren eingelassen. Im Zuge der Titelfindung für ihre Ausstellung habe Monika Grabuschnigg das Zitat “Tränen brennen nicht, außer in der Einsamkeit” des Philosophen Emil Cioran aufgegriffen. Luisa Seipp stellt fest: “Anstatt Pessimismus zu illustrieren, übertragen die Werke Melancholie und Einsamkeit direkt auf Oberflächen und Objekte. Zwischen Intimität und Entfremdung offenbaren Monika Grabuschniggs Arbeiten die fragilen Systeme, durch die das gegenwärtige Leben so fortwährend aufrechterhalten wird.” SCO
Öffnungszeiten der Ausstellung (bis 23. Juli 2026) im Kunstraum Remise: Mittwoch bis Samstag, Sonntag und Feiertag von 15 bis 18 Uhr. www.allerart-bludenz.at/kunstraum-remise.



















