“Und wehe, wenn er einmal nicht brünzelt”: Der Oscar von Bregenz ist der “Seebrünzler”

VN / 24.06.2026 • 15:19 Uhr
"Und wehe, wenn er einmal nicht brünzelt": Der Oscar von Bregenz ist der "Seebrünzler"
Ehemaliger Szenegastronom Mandi Strasser und Wirtin Andrea Kinz. VN/DJSOHM

Aus einer spöttischen Bezeichnung wurde in Bregenz eine besondere Auszeichnung, die täglich alle Blicke auf sich zieht.

BREGENZ Wer durch die Bregenzer Kirchstraße spaziert, kommt an ihm kaum vorbei: dem Seebrünzler. Die Bronzefigur ist längst eines der beliebtesten Fotomotive der Stadt geworden. Für viele Gäste gehört ein Bild mit dem kleinen Mann genauso zu Bregenz wie der Blick auf den Bodensee oder die Seebühne. Dabei begann alles mit einem Spitznamen, der ursprünglich gar nicht als Kompliment gedacht war.

"Und wehe, wenn er einmal nicht brünzelt": Der Oscar von Bregenz ist der "Seebrünzler"
Je nach Sonnenlicht wechselt der Seebrünzler aus Bronze seine Farbe. VN/DJSOHM

“Seebrünzler” ist ein ironischer Name für die Bregenzer”, erklärt Mandi Strasser. Verwendet wurde die Bezeichnung vor allem von Menschen aus anderen Teilen Vorarlbergs. “Eigentlich ist es nur der Neid”, sagt er schmunzelnd. Schließlich verfügen die Bregenzer als einzige Vorarlberger Stadt direkt über einen Zugang zum See.

Ein Oskar für die Bregenzer

Den Einheimischen habe die Bezeichnung jedoch nie wehgetan. Im Gegenteil. “Uns Bregenzern hat das immer gepasst. Das war einfach ein Kosename”, erinnert sich Strasser.

"Und wehe, wenn er einmal nicht brünzelt": Der Oscar von Bregenz ist der "Seebrünzler"
Jede geführte Touristengruppe bleibt beim “Seebrünzler” stehen. Die Anekdoten sind dabei sehr unterschiedlich. VN/DJSOHM

Heute kennt man den Seebrünzler weit über die Stadtgrenzen hinaus. Fremdenführer erzählen Gästen aus aller Welt seine Geschichte und präsentieren die Figur als eine Art “Oskar für die Bregenzer”.

Vom umstrittenen Kunstwerk zum Wahrzeichen

Die Idee für die Figur stammt vom Architekten Peter Konzett und von Helmut Bruckner. Ihr Ziel war es, etwas zu schaffen, das die Bregenzer Identität sichtbar macht. Auch Gastronomin Andrea Kinz war gleich mit von der Partie und konnte sich schnell begeistern.

"Und wehe, wenn er einmal nicht brünzelt": Der Oscar von Bregenz ist der "Seebrünzler"
Die Familie Kinz hat dem “Seebrünzler” einen Quadratmeter Grundstück mitten in der Stadt zur Verfügung gestellt. VN/DJSOHM

“Peter Konzett wollte etwas schaffen, das typisch für Bregenz ist”, erzählt Andrea Kinz. Sein ursprünglicher Wunsch war es, die Figur direkt in den Seeanlagen aufzustellen. Dort hätte der Seebrünzler seinem Namen alle Ehre machen können. Für die ungewöhnliche Figur fand sich zunächst kein öffentlicher Standort. Schließlich stellte sich heraus, dass der Platz vor der Weinstube in der Kirchstraße Privatgrund war. Dort durfte der Seebrünzler schließlich aufgestellt werden.

Ehre, wem Ehre gebührt

Dass die Figur einmal ihr Eigentum werden würde, überraschte Andrea Kinz selbst. “Ich habe mich damals gar nicht mit dem Seebrünzler beschäftigt”, erzählt sie lachend. “Und dann habe ich gesagt: Wenn man über 50 ist, bekommt man kein Kind mehr, maximal einen Seebrünzler.” Heute kann sie über diese Geschichte schmunzeln. Denn aus dem einst umstrittenen Kunstwerk ist längst ein Wahrzeichen geworden.

"Und wehe, wenn er einmal nicht brünzelt": Der Oscar von Bregenz ist der "Seebrünzler"
Die Tafel der ausgezeichneten Personen wird immer länger. VN/DJSOHM

Gäste lieben den Seebrünzler

“Die Menschen lieben ihn”, sagt Andrea Kinz. Ihrer Einschätzung nach zählt der Seebrünzler inzwischen zu den wichtigsten Fotomotiven der Stadt. Die aus Bronze gegossene Figur verändert durch Wind und Wetter ständig ihr Erscheinungsbild. Mal wirkt sie grünlich, dann wieder bronzebraun. “Er ist ein alter Herr und darf verwittern”, sagt Kinz.

Gegossen wurde die Figur von der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck. Mit den Jahren entwickelte sie sich zu einem festen Bestandteil des Stadtbildes – und zu einem Symbol für Bregenz.

Auszeichnung für Mann und Frau

Seit 2016 wird der Seebrünzler nicht nur als Statue verehrt. Damals entstand die Idee, jährlich einen Mann und eine Frau als Ehrenseebrünzler auszuzeichnen.

Die Geehrten erhalten eine kleine Ausfertigung der bekannten Statue. Voraussetzung ist, dass sie sich über viele Jahre hinweg um Bregenz verdient gemacht haben. “Sie sollten etwas für die Allgemeinheit geleistet haben”, erklärt Strasser.

Unter den Geehrten finden sich bekannte Persönlichkeiten aus Kultur, Gesellschaft und Ehrenamt. Besonders in Erinnerung geblieben ist die Verleihung an den Musiker und Journalisten Tschako. Auch Mundartdichter Walter Gasser zählt zu den Ehrenseebrünzlern. Er widmete der Figur zahlreiche Gedichte und bezeichnete sie immer wieder als das eigentliche Wahrzeichen von Bregenz. Tschako und Walter Gasser sind leider beide schon verstorben.

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