“Für den guten Zweck verlasse ich gerne die Komfortzone” – Ziel: 34 Stunden Berglauf

VN / 02.07.2026 • 07:00 Uhr
"Für den guten Zweck verlasse ich gerne die Komfortzone" – Ziel: 34 Stunden Berglauf
Marketingexperte Markus Amann und Alexander Kowarc-Stangl im Medienhaus-Foyer. VN/DJSOHM

Ein Dornbirner trainiert seit Wochen Tag und Nacht fürs Everesting im Brandnertal. Hitze, Schlafmangel, Hunger gehören dazu.

Schwarzach Wenn am Samstag um fünf Uhr früh in Brand der Startschuss fällt, beginnt für Alex Kowarc-Stangl eine Herausforderung, die selbst erfahrene Bergsportler an ihre Grenzen bringt. Innerhalb von 34 Stunden will der gelernte Koch und Konditor in 25 Aufstiegen 13.450 Höhenmeter oder 88,25 Kilometer bergauf zurücklegen – deutlich mehr als die 8.848 Höhenmeter, die für ein klassisches Everesting erforderlich sind. Doch für den Dornbirner geht es dabei um weit mehr als eine sportliche Bestleistung. Mit seinem sogenannten Everesting-Lauf sammelt er Spenden für den Vorarlberger Verein “Ahna und Ähne”, der sich gegen Altersarmut und Einsamkeit engagiert.

Eine Herausforderung zwischen Sport und Mentaltraining

Rund 300 Teilnehmer stellen sich beim Everesting in Brand ihrer persönlichen Herausforderung. Gewertet wird nicht nach Geschwindigkeit, sondern danach, ob das individuell gesetzte Ziel erreicht wird. Kowarc-Stangl setzt sich dabei bewusst ein besonders ambitioniertes Ziel: Er möchte die gesamten 34 Stunden ohne Pause unterwegs sein.

"Für den guten Zweck verlasse ich gerne die Komfortzone" – Ziel: 34 Stunden Berglauf
Wenn Kowarc nicht durch den Wald rennt, sammelt er dort Kräuter. Privat

“Ich wollte schon lange einmal eine Spendenaktion machen”, erzählt der Ausdauersportler. Als er sich intensiver mit den Themen Altersarmut und Alterseinsamkeit beschäftigte, war für ihn schnell klar, wofür er laufen möchte. “Es geht darum, sichtbar zu machen, dass diese Menschen nicht irgendwo weit weg leben, sondern mitten unter uns. Wir alle sind gefordert, hinzuschauen.”

"Für den guten Zweck verlasse ich gerne die Komfortzone" – Ziel: 34 Stunden Berglauf
In der Ahna & Ähne Backstube in Bludenz ist immer viel los. Franziska Eckert

Trainiert hat der Familienvater in den vergangenen Monaten nahezu täglich. Zwischen Arbeit, Familie und Sport sammelte er rund 30.000 Höhenmeter. Sein Tagesablauf begann oft noch vor sechs Uhr morgens mit Frühstück für die Kinder, anschließend Arbeit und danach Training bis spät in den Abend. “Die größte Herausforderung war eigentlich die Regeneration”, sagt er.

"Für den guten Zweck verlasse ich gerne die Komfortzone" – Ziel: 34 Stunden Berglauf
Morgendliches Lauftraining für den Spendenlauf. Privat

Nahrung ausgerechnet, Motivation im Kopf

Während des Laufs muss der Körper permanent mit Energie versorgt werden. Rund 80 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde stehen auf dem Ernährungsplan – umgerechnet mehrere hundert Gramm Kartoffeln oder andere leicht verdauliche Lebensmittel. Doch Respekt hat Kowarc-Stangl weniger vor der körperlichen Belastung als vor den langen Nachtstunden. “Muskuläre Schmerzen kenne ich. Aber ich weiß nicht, wie mein Kopf nach 25 oder 30 Stunden reagieren wird.”

Sein Ziel beschreibt er bewusst in Etappen: Noch vor Mitternacht möchte er die Everest-Höhe erreichen. Danach will er die restliche Zeit nutzen, um gemeinsam mit den letzten Teilnehmern unterwegs zu sein und sie zu motivieren. “Niemand soll den Berg alleine hinaufgehen müssen.”

Spenden können alle

Die Spenden kommen dem Verein “Ahna und Ähne” zugute, der erst im vergangenen Jahr gegründet wurde und mittlerweile rund 100 Mitglieder zählt. Gründer Markus Amann betont die Wichtigkeit einer solchen Einrichtung für Menschen, die einsam sind.

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Bei Ahna & Ähne zählt die Gemeinschaft. Franziska Eckert

Besonders erfolgreich entwickelt sich das Generationencafé in Bludenz. Dort wird gemeinsam gebacken, gekocht und Zeit miteinander verbracht. Gerade der Sonntag sei für viele ältere Menschen ein schwieriger Tag, erzählt Amann. “Viele sind dann allein. Genau deshalb wollten unsere Seniorinnen und Senioren unbedingt auch sonntags öffnen.”

Mit den Spendengeldern soll nun ein zweiter Standort im Vorarlberger Unterland entstehen. Geeignete Räumlichkeiten zu finden sei allerdings schwierig. “Wir brauchen Platz für Begegnung und eine Backstube. Die Nachfrage wäre da, aber die Mieten sind oft kaum finanzierbar”, sagt Amann.

Für Kowarc-Stangl ist genau das der Grund, warum er seine Komfortzone verlässt. “Wenn jeder ein kleines Stück beiträgt und ein bisschen mehr auf andere achtet, können wir gemeinsam viel verändern.”

Spenden unter: www.ahna-aehne.at