Drei Wege, ein gemeinsames Ziel

Pflichtschulabschluss, sportlicher Teamgeist und neue Perspektiven durch den “Leuchtturm”.
Dornbirn Manchmal erzählt ein Zeugnis weit mehr als schulische Leistungen. Es erzählt von Mut, Durchhaltevermögen und Menschen, die an ihre Zukunft glauben. Für Suheyb Ahmed (19), Jabril Hassan (19) und Florian Mayr (17) war die feierliche Zeugnisvergabe im Leuchtturm der Dornbirner Jugendwerkstätten vergangene Woche deshalb weit mehr als ein Schulabschluss – sie war der sichtbare Lohn für ihren persönlichen Weg und der Beginn eines neuen Kapitels.
Nur wenige Wochen zuvor hatten die drei bereits bewiesen, was in ihnen steckt. Beim Dornbirner Stadtlauf sorgten sie für eine außergewöhnliche Geschichte. Durch ein Missverständnis glaubten sie nach drei von insgesamt sechs Runden, das Rennen sei bereits beendet. Mehr als 40 Sekunden warteten sie, bevor sie bemerkten, dass noch die Hälfte der Strecke vor ihnen lag. Statt aufzugeben, liefen sie weiter. Am Ende belegten sie dennoch die Plätze zwei, drei und vier und überquerten nur rund zehn Sekunden hinter dem Sieger die Ziellinie.

“Diese Geschichte steht sinnbildlich für ihren Weg im Leuchtturm: Rückschläge oder Umwege halten sie nicht auf. Entscheidend ist, dass sie weitergehen”, freute sich Ingo Schrank, der sie im Leuchtturm auf ihre Prüfungen vorbereitete und sie zum Stadtlauf motivieren konnte.
Drei Lebensgeschichten, die Mut machen
Suheyb Ahmed lebt erst seit zwei Jahren in Österreich. Zuvor wohnte er in Kenia, seine Wurzeln liegen in Somalia. Die deutsche Sprache eignete er sich mit großem Ehrgeiz in einem Sprachkurs an. Bescheiden sagt er heute: “Mein Deutsch ist noch nicht so gut – nur ein bisschen.” Vom Leuchtturm erfuhr er über Freunde. Dort fand er genau das, was er suchte: “Die Schule war super – vor allem die Lehrer und die Klassengemeinschaft.” Auch sportlich ist Bewegung seit vielen Jahren Teil seines Lebens. Seit zehn Jahren spielt er Fußball, heute bei einem Verein in Mäder. Das Laufen war deshalb eine Selbstverständlichkeit. Nach seinem Ferialjob bei Ölz möchte er seinen nächsten Traum verwirklichen: eine Lehre als Kfz-Techniker.

Auch Jabril Hassan stammt aus Somalia und lebt seit drei Jahren in Österreich. Sein Vorarlberger Dialekt sorgt immer wieder für Überraschung. Wie er ihn gelernt hat? Mit einem Lächeln erzählt er: “TikTok, Netflix und viele Vorarlberger Kollegen. Wenn man nur mit somalischen Freunden unterwegs ist, lernt man den Dialekt nicht.” Zum Leuchtturm kam er über die Jugendwerkstätten, wo ihm das Personalservice den Schulabschluss empfahl. Rückblickend fasst er seine Erfahrung einfach zusammen: “Die Lehrer und die Schüler – alle sind sehr kompetent und nett.” Nun sucht er einen Ferialjob und möchte anschließend – genau wie sein Freund Suheyb – eine Lehre als Automechaniker beginnen.
Florian Mayr bringt wiederum eine ganz andere Geschichte mit. Während der Corona-Pandemie verließ seine Familie das klassische Schulsystem und reiste gemeinsam durch Europa. Diese außergewöhnliche Zeit prägte ihn nachhaltig und bescherte ihm neben vielen Erfahrungen ausgezeichnete Englischkenntnisse. Den fehlenden Pflichtschulabschluss holte er nun im Leuchtturm nach. “Das war die perfekte Chance”, sagt der 17-Jährige. Seine Begeisterung fürs Laufen führte ihn ebenfalls zum Stadtlauf. Im Sommer arbeitet Florian beim Maschinenring. Sein großer Traum reicht jedoch noch höher: Er möchte Hubschrauberpilot werden – beim ÖAMTC, der Polizei oder der Rettung. Dass sie Herausforderungen meistern können, haben die drei längst bewiesen – in der Schule ebenso wie auf der Laufstrecke. cth