Für andere da – aus Überzeugung

Ulla Kasiow engagiert sich in Rankweil ehrenamtlich und schenkt anderen Zeit und Lebensfreude.
Feldkirch Dank ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer kann Rankweil diesen Service an sieben Tagen pro Woche anbieten. Eine von ihnen ist Ulla Kasiow. Gemeinsam mit ihren Kollegen übernimmt sie den Fahrdienst an Wochenenden sowie an Sonn- und Feiertagen und sorgt so dafür, dass das Angebot durchgehend zur Verfügung steht. Ab Mitte Juli ist sie zudem die einzige Frau, die diesen körperlich fordernden Dienst ausübt.

Ulla Kasiow kam vor drei Jahren als Pensionistin aus Deutschland nach Vorarlberg und lebt heute in Sulz. „Ehrenamtliche Tätigkeiten, wie jene, die ich aktuell für die Marktgemeinde Rankweil ausüben kann, geben mir sehr viel“, sagt die sozial engagierte 66-Jährige. Bevor sie nach Vorarlberg zog, lebte sie in der Nähe von Aschaffenburg und arbeitete bis zu ihrem 63. Lebensjahr als Stickerin.

Schon ihr ganzes Leben lang setzt sie sich für andere Menschen ein. Dazu passt auch ihre Ausbildung zur Sanitäterin. In Deutschland engagierte sie sich beim Roten Kreuz und organisierte unter anderem Blutspendeaktionen. „Ich denke eher an andere als an mich selbst“, sagt sie. Drei Jahre lang betreute sie einen älteren Mann privat. Da sie seinen Alltag organisierte und ihn umfassend unterstützte, konnte er länger zu Hause leben. Gemeinsame Ausflüge schenkten ihm neue Lebensfreude. Eine Gegenleistung erwartete sie nie. „Ich bin halt so“, sagt sie. „Vielleicht liegt es auch daran, dass ich gerne Krankenschwester geworden wäre, in der Schule aber nicht fleißig genug war. Dadurch platzte dieser Traum.“
Nach Vorarlberg zog sie ihrer Tochter zuliebe. Diese absolvierte in Dornbirn eine Ausbildung als Stickerin, weil dort spezielle Maschinen und Softwareprogramme zur Verfügung stehen, die es in Deutschland nicht gibt. Als ihre Tochter Mutter wurde, zog Ulla Kasiow nach Sulz und unterstützt sie seither bei der Kinderbetreuung, damit diese eine Zusatzausbildung zur Elektrikerin absolvieren kann.
Auch die Seniorin Ilse Pittino freut sich über den Essensdienst. „Ulla habe ich gleich gemocht“, erzählt sie. Seit Kurzem engagiert sich Ulla Kasiow außerdem beim Sozialverein Zeitpolster. „Ich komme raus, lerne Menschen kennen und erlebe Schönes“, sagt sie. Das Ausliefern der Mittagsmenüs ist körperlich fordernd, da jede Essensbox rund sechs Kilogramm wiegt. Bei Zeitpolster begleitet sie Menschen bei Spaziergängen, erledigt Einkäufe oder bietet Seniorengymnastik an. Gleichzeitig sammelt sie Zeitguthaben, die sie im Alter gegen Betreuungsleistungen einlösen kann. Besonders schätzt sie den engen Kontakt zu den betreuten Menschen. Oft entstehen daraus enge Beziehungen und sogar Freundschaften. Das Beispiel von Ulla Kasiow zeigt, wie erfüllend ehrenamtliches Engagement im Ruhestand sein kann. GIS