Es geht um menschliche Tugenden

Tim Mittelberger lenkt in zweiter Generation die Geschicke des Unternehmens.
Wie lange sind Sie Personalleiter und welche Aufgaben fallen Ihnen zu?
Mittelberger Ich bin seit 2020 Geschäftsführer. Meine Rolle in Bezug auf Personal hat sich in den letzten sechs Jahren dramatisch verändert. Früher war mein Ansatz: „Jeder hat bei uns einen Platz.“ Heute sage ich: Jeder und jede, die sich im Team einbringen und wesentlich zum Erfolg des Unternehmens beitragen, haben bei uns ihren Platz. Das klingt härter, ist aber ehrlicher — und letztlich fairer gegenüber all jenen, die jeden Tag ihr Bestes geben.
Wie hat sich die Situation am Arbeitsmarkt verändert? Wie sieht sie aktuell aus?
Mittelberger Kapazitätsprobleme sind nichts Neues — wir haben immer zu viel Arbeit und zu wenig Leute. Jetzt wird es am Markt dünner, die Aufträge kommen nicht mehr von allein. Trotzdem plagt uns der Fachkräftemangel. Ich hatte früher gedacht, diese beiden Extreme schließen sich aus — tun sie aber nicht. Der Punkt ist: Was uns fehlt, sind nicht Aufträge generell, sondern Aufträge, bei denen wir auch schwächere Kräfte sinnvoll einsetzen können. Wir legen den Fokus darauf, die Fachkräfte selbst auszubilden.
Was erwarten Sie von Ihrer Belegschaft? Was sollten zukünftige Mitarbeiter mitbringen?
Mittelberger Reine fachliche Kompetenzen reichen nicht mehr. Gerade jetzt, wo KI in nahezu allen Bereichen auf dem Vormarsch ist, geht es viel mehr um menschliche Tugenden. Wir wollen Menschen im Team, die Spaß daran haben, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Menschen, die empathisch sind und ein wenig Hausverstand haben. Und Menschen, die motiviert sind und bereit, das zu machen, was das Unternehmen und das Team brauchen, nicht nur das, was sie gerne machen würden.
Wie stark lassen Sie sich von Ihrem Bauchgefühl leiten, wenn Sie einen neuen Mitarbeiter an Bord holen?
Mittelberger Ich habe das am Anfang mit viel Bauchgefühl gemacht und dabei einige falsche, schmerzhafte und teure Entscheidungen getroffen. Dann bin ich alles strukturierter angegangen — mit der Erkenntnis, dass das auch nicht immer funktioniert. Heute ist es eine Mischung aus beidem.
Stichwort Employer Branding: Wie wichtig ist Weiterbildung im Wettbewerb als Arbeitgeber?
Mittelberger Mit unserer Dorfakademie haben wir bewusst fünf Säulen geschaffen, um unsere Mitarbeitenden zu befähigen: die Lehrlingsausbildung, die Jungmonteurausbildung, die Führungskräfteausbildung, ein monatlicher Stammtisch und individuelle Ausbildungen — intern wie extern.
Worin liegt Ihr Geheimnis optimaler Personalführung?
Mittelberger Klare Strukturen, klare Rahmenbedingungen — aber innerhalb dieser Strukturen viel Spielraum und Vertrauen. Und dazu eine ganze Menge an ehrlicher, klarer, direkter Kommunikation, damit alles auf dem Tisch ist und nichts totgeschwiegen wird. Die Schlüsseltugend ist wahrscheinlich Empathie — die Fähigkeit, sein Gegenüber zu verstehen. Wir haben im Moment einen richtig guten Team-Flow. Unsere Stammmannschaft ist schon sehr lange beständig und treu — und das schätzen und belohnen wir bewusst.
Wie reagieren Sie bei internen Problemen zwischenmenschlicher Art?
Mittelberger Alle Beteiligten an den Tisch. Nichts hintenrum. Ausdiskutieren. Bei zwischenmenschlichen Themen spiele ich den Ball auch oft zurück: Hast du das selbst angesprochen? Weiß dein Gegenüber Bescheid, was dich stört? Nicht jedes Problem muss meins werden. Die Leute sollen lernen, Dinge direkt miteinander zu klären. Und wenn das nicht reicht, bin ich da. CRO
ZUR PERSON
Tim Mittelberger
Funktion: Geschäftsführer Mittelberger GmbH
Ausbildung: Studium Wirtschaft und Management, MCI Innsbruck
Generation: zweiter Generation
Mitarbeitende: circa 100
Firmensitz: Götzis
Web; www.mittelberger.cc, https://dorfelektriker.at, https://conceptlicht.net, https://linkx.at https://stromport.com