Mit 93 Jahren organisiert Elgar Polzer immer noch die Festspielgottesdienste

Seit 74 Jahren sitzt Elgar Polzer an der Orgel von St. Gallus. Er sorgt dafür, dass im Sommer Klassik auf Gott trifft.
Bregenz Es ist Sonntagmorgen, 8.30 Uhr – während der Festspielzeit klingen in der Pfarrkirche St. Gallus bereits die ersten Takte einer Schubertmesse durch das Kirchenschiff. Elgar Polzer sitzt an der Orgel, sortiert sein Notenbuch, zieht sanft an einigen Registern und gibt sich seiner Musik hin. Der 93-Jährige hat in den 1980er-Jahren die Reihe “Kunst zum Gottesdienst” gegründet und organisiert diese bis heute.

Auf der Fluh wollte man uns nicht
Dabei war die Idee eine ganz andere. Polzer spielte während der Festspielzeit regelmäßig bei Gottesdiensten auf der Fluh mit. Gemeinsam mit Musikerinnen und Musikern der Wiener Symphoniker gestaltete er die Liturgie und brachte Festspielmusik auf den Berg. “Dann hat der damalige Pfarrer gemeint, wir sollten das in St. Gallus machen, hier braucht er uns nicht”, erinnert sich Polzer. Dort entstand schließlich der Name “Kunst zum Gottesdienst” – und damit eine Tradition, die bis heute Bestand hat.

Seither erklingen die Orchestermessen, Bläserensembles, Streichquartette oder Chöre in der St.-Gallus-Kirche. Musiker der Wiener Symphoniker stehen auch dieses Jahr ebenso auf dem Programm wie Vorarlberger Ensembles. “Damals hätte ich nie gedacht, dass wir über 40 Jahre bestehen.” sagt Polzer. Doch die Künstler kommen Jahr für Jahr freiwillig, und die Kirche ist jedes Jahr voll.

Musik als spirituelle Glaubensbasis
Dass Musik und Glaube für ihn untrennbar zusammengehören, prägt sein ganzes Leben. Elgar Polzer stammt aus einer katholischen Familie, war Ministrant und sang schon als Bub im Kirchenchor. Bereits mit sechs Jahren erhielt er Klavierunterricht bei seinem Vater, mit 14 wechselte er an die Orgel. “Mein Vater hat mir sehr viel beigebracht”, so Polzer. Es folgte eine fundierte Ausbildung bis zur Konzertreife, unter anderem bei Organisten in Bregenz und St. Gallen. Beruflich schlug er dennoch einen anderen Weg ein und arbeitete als Bankbeamter.

Die Orgel als Lebensmittelpunkt
Seit dem Tod seines Vaters im Jahr 1952 ist Polzer Organist der Pfarrkirche St. Gallus – inzwischen seit unglaublichen 74 Jahren. Für ihn war Musik nie bloße Unterhaltung. “Ich möchte den Menschen einen Gottesdienst gestalten, aus dem sie etwas für ihr persönliches Leben mitnehmen können”, sagt er. Noch wichtiger als prominente Namen sei ihm allerdings die Wirkung auf die Menschen. Die geistliche Musik könne den Glauben vertiefen und berühre Menschen oft weit über den Gottesdienst hinaus.

Familie ist alles, was zählt
Auch privat zieht sich die Musik wie ein roter Faden durch die Familie. Von seinen vier Kindern singt eine Tochter bis heute im Kirchenchor, ein Sohn ist leidenschaftlicher Pianist, ein anderer machte sich als Kulturmanager einen Namen und leitete unter anderem das Festival “Wien Modern” sowie später Konzertreihen in Berlin. Heute freut sich Polzer über fünf Enkelkinder, die regelmäßig zu Besuch kommen.

Obwohl er längst ein Alter erreicht hat, in dem viele ihr Lebenswerk abgeschlossen sehen, denkt Elgar Polzer noch nicht ans Aufhören. Die Organisation der Konzertreihe liegt weiterhin vollständig in seinen Händen. Gemeinsam mit der Pfarre kümmert er sich um Künstler, Finanzierung und Planung. Für die kommenden Jahre ist das Programm bereits vorbereitet. Nur eines beschäftigt ihn: einen geeigneten Nachfolger zu finden. “Ich hoffe, dass diese Einrichtung weitergeführt wird”, sagt er.

Wenn Polzer nicht gerade an der Orgel sitzt, verbringt er seine Zeit gerne im Garten oder bei Spaziergängen in der Natur. Das Geheimnis eines erfüllten Lebens? Darüber muss er nicht lange nachdenken. “Meine Frau und ich hatten immer dieselben Interessen. Sie war im Kirchenchor, ich an der Orgel. Das schweißt zusammen.”
Zur Person
Name: Elgar Odo Polzer
Jahrgang: 1933
Familienstand: Glücklich verheiratet mit Elisabeth
Kinder: 4 Kinder, 5 Enkelkinder
Hobby: Garten und Familie
Lebensmotto: Dankbar sein für alles, was ich bekommen habe.