„Das Produkt soll im Mittelpunkt stehen, nicht ich“: Johannes Borics Pläne für die Kristbergbahn

Mehr Angebote außerhalb der Hauptsaison, aber bewusst kein Massentourismus: Johannes Boric setzt auf eine behutsame Weiterentwicklung der Kristbergbahn.
Silbertal Seit November ist Johannes Boric Geschäftsführer der Kristbergbahn. Als Jürgen Zudrell, der ehemalige Geschäftsführer, ihn fragte, ob er den Posten übernehmen wolle, musste er nicht lange überlegen. Da er neben der Bahn wohnt, sei diese „Teil des täglichen Lebens“. In die Öffentlichkeit wollte er sich aber nie stellen. „Das Produkt soll im Mittelpunkt stehen, nicht ich“, sagt Boric.

Nebensaison stärken
Boric möchte verstärkt die Nebensaisonen bespielen, damit die Zahlen über das gesamte Jahr konstant bleiben. Deshalb hat die Kristbergbahn auch die Sommeröffnungszeiten vorverlegt und bereits Anfang Mai geöffnet. „Das wurde super angenommen“, sagt Boric. „Wir forcieren die Nebensaison und beleben sie.“ Auch, weil die Kristbergbahn die Besucherfrequenz braucht, um wirtschaftlich zu bleiben. Die Fahrgastzahl pro Gondel ist in den vergangenen fünf Jahren um ein Drittel eingebrochen.


Boric sieht einen Grund im Wegfall der Führungen von Adolf Zudrell durch die Bergknappenkapelle St. Agatha, die laut ihm legendär waren. 10.000 Besucher seien allein wegen der Führungen auf den Kristberg gefahren. Auch der Schneemangel im Winter werde zum Problem. „Wir konnten vergangenen Dezember mit dem Skibetrieb nicht beginnen“, sagt er. Erst Mitte Jänner konnte das Familienskigebiet mit seinen zwei Schleppliften öffnen. Den Verlust durch das entgangene Weihnachtsgeschäft hole man jedoch nicht mehr auf.

Bergknappenweihnacht als neues Aushängeschild
Mit der Bergknappenweihnacht will die Kristbergbahn Einbußen im Dezember abfedern. Vergangenes Jahr kamen an einem Tag 800 Besucher – eine „Spitzenzahl“, meint Boric. „Von drei Tagen waren zwei Tage die stärksten im ganzen Winter. Das sagt schon was aus.“ Doch der Kristberg stehe nicht für Massentourismus, betont Boric. Deshalb soll die Besucherzahl bei der Bergknappenweihnacht künftig auf 400 begrenzt werden. „Wenn die Leute bei der Talstation ums Eck stehen, ist das schon zu viel.“ 14 Chöre, zwei Volksmusikgruppen, eine große Krippe: Die Bergknappenweihnacht findet an jedem Adventwochenende statt. Ein beleuchteter Weg führt zur alten Säge, wo heuer die 15 Marktstände und die Bühne stehen werden.

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Der Partener wohnt direkt neben der Talstation der Kristbergbahn. Sein Schwiegervater Erich Ganahl war 45 Jahre lang Betriebsleiter. „Er war der Initiator der Bahn“, sagt Boric, der die Kristbergbahn „im Sinne der Gründerväter“ weiterentwickeln will. Die Bahn habe eine enorme Bedeutung für das Dorf. Dennoch müssten neue Impulse gesetzt werden, damit sie zukunftsfit bleibe. Schon jetzt müsse die Kristbergbahn sparen, da 2030 eine Generalrevision ansteht, die 500.000 Euro kosten wird, doch Boric betont: „Wir sind ein gesundes Wirtschaftsunternehmen. Die Bahn ist in einem Topzustand.“


Kristbergbahn nur Zweitjob
Der 63-Jährige ist gelernter Fernmeldemonteur, studierte später Verkaufsmanagement und Marketingstrategie. Bei Suchard arbeitete er in Marketing und Vertrieb, bei Rauch leitete er 15 Jahre das Europageschäft. Seit 2020 ist er selbstständig und berät große Marken im Lebensmittelbereich beim Verkauf ihrer Produkte über Amazon. „Mich haben immer neue Dinge interessiert“, sagt Boric, der sich als „digitaler Nomade“ versteht, da er seine Arbeit im Homeoffice ausüben kann.


Zwei Jobs unter einen Hut zu bringen, erfordert ein gutes Zeitmanagement. „Ich habe lange Tage.“ Am Tagesrand, von 5 bis 7 Uhr, und am Wochenende widmet er sich der Kristbergbahn. „Das geht wunderbar.“ In seiner Freizeit geht er gerne wandern und laufen, um den Kopf freizubekommen. „Mir macht die Arbeit total Spaß. Solange ich Nutzen stiften kann, freut es mich.“
