Die Beschwerden reißen nicht ab: Leser berichten weiter von massiven Problemen bei der Postzustellung

Nach dem ausführlichen Bericht der Vorarlberger Nachrichten Ende Juli über zahlreiche vermisste Briefsendungen haben sich weitere Betroffene bei der Redaktion gemeldet.
VORARLBERG Fast täglich greift eine ältere Dornbirnerin zum Telefon. Nicht, weil sie einen Plausch sucht, sondern weil ihr Briefkasten wieder leer geblieben ist. Seit dem VN-Bericht über verschwundene Briefsendungen Ende Juli teilt sie ihren Unmut mit und möchte ihre Situation öffentlich machen. “Vielleicht ändert sich dann mal was”, betont sie mit ihrer dünnen Stimme, und dann legt sie wieder auf. Ähnlich geht es dem Harder Helmut Knauth. Er lebt im Bereich Inselgrund, Neubaugasse und Lochbachstraße und kämpft nach eigenen Angaben seit Jahren mit unzuverlässigen Zustellungen. Inzwischen bringen ihm sogar Nachbarn Briefe, die wochenlang unterwegs waren, und teilen ihren Unmut mit. “Für uns Pensionisten ist das wirklich sehr traurig und unzumutbar”, weiß Knauth. Der Schriftverkehr zwischen ihm und der österreichischen Post liegt den VN vor.

“Eine Zustellung innerhalb einer Woche ist mittlerweile die absolute Ausnahme”, sagt Knauth. Selbst in seiner beruflichen Tätigkeit in einer sozialen Einrichtung habe er erlebt, dass ein innerhalb von Hard aufgegebener Brief erst nach 14 Tagen zugestellt worden sei.

Die Post vertröstet anstatt zu handeln
Bereits im August 2025 wandte sich Knauth an die Generaldirektion der Österreichischen Post. Damals kritisierte er, dass tagelang überhaupt keine Briefpost zugestellt worden sei, obwohl die Post eine Zustellung innerhalb von zwei bis drei Werktagen in Aussicht stelle. Er warnte bereits damals vor möglichen finanziellen Folgen, sollten Fristen bei Rechnungen oder behördlichen Schreiben versäumt werden.
Die Antwort der Post fiel höflich aus. Man bedaure die Unregelmäßigkeiten, habe die Beschwerde an die zuständige Zustellbasis weitergeleitet und verwies auf mögliches erhöhtes Sendungsaufkommen oder personelle Engpässe. An der Situation habe sich jedoch bis heute kaum etwas geändert, sagt Knauth.

Briefen und Karten sind einfach persönlicher
Ähnliche Erfahrungen schildert auch die Lochauer Tierärztin Dr. Andrea Maria Rupp-Fink. Für sie sind es nicht nur verspätete Rechnungen oder Dokumente, sondern vor allem persönliche Briefe, die ihren Wert verlieren.
Sie verschickt bewusst handgeschriebene Geburtstagskarten oder Trauerkarten. Gleich mehrere Sendungen seien jedoch erst Wochen später oder überhaupt nicht angekommen. Eine Geburtstagskarte nach Bezau sei erst drei Wochen nach dem Geburtstag zugestellt worden. “Gerade persönliche Karten haben heute wieder einen besonderen Stellenwert. Man sucht sie sorgfältig aus und schreibt sie bewusst von Hand. Umso enttäuschender ist es, wenn sie ihr Ziel gar nicht oder viel zu spät erreichen.”

Auch in ihrer Tierarztpraxis seien die Folgen spürbar. Rechnungen würden deshalb mittlerweile bevorzugt per E-Mail verschickt. “Früher bekamen manche Kunden Mahnungen, obwohl sie die Rechnung nie erhalten hatten. Das war für beide Seiten unangenehm.”
Für die Tierärztin liegt die Ursache nicht bei den Zustellerinnen und Zustellern selbst. Vielmehr sieht sie organisatorische Probleme innerhalb des Unternehmens. “Der Fisch stinkt am Kopf”, sagt sie. “Ich glaube nicht, dass die Postler schuld sind. Das Problem liegt im Management.”
Ein Lob für Lochau
Immerhin gebe es auch positive Beispiele. Die Zustellung in Lochau funktioniere dank eines langjährigen Postzustellers zuverlässig. Das zeige, dass eine funktionierende Briefzustellung durchaus möglich sei.
Die zahlreichen Rückmeldungen an die Redaktion lassen jedoch vermuten, dass die Probleme in Teilen Vorarlbergs weiterhin bestehen. Viele Betroffene wünschen sich nun konkrete Verbesserungen – und vor allem Verlässlichkeit bei dieser unverzichtbaren Dienstleistung.