Dornbirner Familie klagt Nestlé: “Dieser Fall könnte Tür und Tor öffnen!”

VN / 07.08.2026 • 17:20 Uhr
Dornbirner Familie klagt Nestlé: "Dieser Fall könnte Tür und Tor öffnen!"
Die Staatsanwaltschaften von Innsbruck und Wien haben Ermittlungen im Fall von mutmaßlich verunreinigter Babynahrung aufgenommen. symbol/apa

Skandal um angeblich kontaminierte Babymilch: Staatsanwaltschaften ermitteln gegen Lebensmittelkonzerne Nestle und Danone. “Foodwatch Österreich” hebt in diesem Zusammenhang die Courage einer Vorarlberger Familie hervor.

Schwarzach Ende vergangenen Jahres litt ein Kleinkind eines Dornbirner Ehepaares wochenlang unter Erbrechen und Atemnot. Seine Eltern brachten die Symptome mit dem Verzehr von BEBA-Pre-Säuglingsnahrung durch das Kind in Zusammenhang und gaben ein mikrobiologisches Gutachten in Auftrag. Gleichzeitig leiteten sie den bundesweit ersten Zivilprozess gegen den Hersteller Nestlé ein. Sie klagen den Weltkonzern nach dem Produkthaftungsgesetz und verlangen Schmerzensgeld und Pflegeaufwand. Ihr Rechtsvertreter Daniel Janko (Anwaltskanzlei Häusle und Rützler) vertritt das Ehepaar im nun laufenden Zivilprozess am Landesgericht Wien (die VN berichteten exklusiv).

Stellungnahme von Nestle

Von den VN mit der Causa konfrontiert, lieferte Nestlé folgende schriftliche Stellungnahme ab: “Wir können bestätigen, dass ein Verfahren aktuell läuft. Wir bitten um Verständnis, dass wir Angelegenheiten, die Gegenstand eines laufenden Gerichtsverfahrens sind, nicht kommentieren.”

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Stillschweigend gehandelt

Hintergrund des offensichtlichen Lebensmittelskandals: Anfang 2026 war es international zu einem großen, vorsorglichen Rückruf von BEBA-Säuglingsnahrung durch den Hersteller Nestlé gekommen. Die Ursache dafür war eine potenzielle Kontaminierung mit Cereulid, einem Giftstoff des Bakteriums Bacillus cereus. Dem Weltkonzern wird nun angelastet, dass er die Produkte wohlwissend ob ihrer Gefährlichkeit stillschweigend aus den Regalen nahm, ohne im Vorfeld die Öffentlichkeit darüber informiert zu haben. Der Eklat betrifft neben Nestlé übrigens auch den Lebensmittelhersteller Danone.

Zunächst schlugen die Wogen in Frankreich hoch. Nun aber sind auch in Österreich Ermittlungen durch die Justiz gegen die Konzerne aufgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt im Fall Danone, jene in Wien gegen Nestlé.

Anzeige von “Foodwatch”

Die österreichische Justiz reagiert damit auf Anzeigen der Verbraucherschutzorganisation “Foodwatch”, deren Sprecher Markus Linkeseder gegenüber den VN bestätigte, dass sich seit Jahresbeginn österreichweit mehr als 200 Personen wegen entsprechender Verdachtsmomente aufgrund von Krankheitsfällen bei der Organisation meldeten. “90 von ihnen sind relevant, weil sie einen zeitlichen Zusammenhang zwischen der Verabreichung der potenziell kontaminierten Babymilch und dem Auftreten von Symptomen beobachten konnten.”

Dornbirner Familie klagt Nestlé: "Dieser Fall könnte Tür und Tor öffnen!"
Erwartet “spannende Erkenntnisse”: “Foodwatch”-Sprecher Markus Linkeseder

Der Fall der Vorarlberger Familie liegt Linkeseder ganz besonders am Herzen. Und das nicht nur, weil er erstmals zu einem zivilrechtlichen Verfahren führte, sondern vor allem auch deshalb, weil ein mikrobiologisches Gutachten in Auftrag gegeben wurde. “Dieser Fall dürfte spannende Erkenntnisse liefern. Er könnte sozusagen Tür und Tor öffnen!”, so der “Foodwatch”-Sprecher zu den VN. Damit meint er, dass das Ergebnis eine wichtige Vorarbeit für weitere Betroffene leisten könnte, die sich zu rechtlichen Schritten gegen den Lebensmittelkonzern veranlasst sehen.

“Ich möchte in diesem Zusammenhang auch den besonderen Mut der Vorarlberger Familie betonen. Denn unter anderem durch sie bekommt dieser Skandal endlich die Aufmerksamkeit, die sich all die Betroffenen verdienen”, so Linkeseder.