Wetter könnte den Wälder Alpsommer verkürzen

VN / 07.08.2026 • 13:02 Uhr
Tobias und Katharina Flatz mit Jakob, Rosa und Lia (v. l.) waren beim ersten Käsklatsch dabei und luden am 30. Juli noch einmal zur Verkostung ein – da hatten sie auch den ganz milden, erst zwei Monate gereiften Alpkäse dabei. PETER STRAUSS
Tobias und Katharina Flatz mit Jakob, Rosa und Lia (v. l.) waren beim ersten Käsklatsch dabei und luden am 30. Juli noch einmal zur Verkostung ein – da hatten sie auch den ganz milden, erst zwei Monate gereiften Alpkäse dabei. STP

Nach einer – im wahrsten Sinne des Wortes – „Durststrecke“ ist kaum Besserung in Sicht.

Alberschwende, Bezau Beim Käsklatsch-Auftakt in Alberschwende waren Regenschauer alles andere als willkommen – aber es gab auch Gäste, die sich sichtbar darüber freuten: etwa die Familie Flatz. Tobias und Katharina Flatz, die zum Auftakt des Käsesommers für das Thema Käse zuständig war, hatte sichtbar gute Laune, denn sie sehnte sich wie Hunderte von Älplerkolleginnen und -kollegen schon seit Wochen nach dem Ende der langen Hitze- und Trockenperiode. Die Schauer zum Käsklatsch-Auftakt waren jedoch nicht einmal der vielzitierte Tropfen auf den heißen Stein. “Leider viel zu wenig Regen – und viel zu spät …”, so der besorgte Alberschwender Älpler.

Ein kleines Älplerparadies

Den fünften Sommer bewirtschaftet die Familie die Alpe Schreibere im Gemeindegebiet von Bezau. Auf knapp 1400 Metern Seehöhe gelegen und eingebettet in ein idyllisches Hochtal zwischen Winterstaude im Norden, dem Hinteregger im Süden und den Felswänden unterhalb des Schreiber-Sattels im Osten erstreckt sich das Alpgebiet über eine Gesamtfläche von rund 80 Hektar. Alpwirtschaftlich nutzbar sind davon aber nur deutlich weniger als die Hälfte: etwa 30 Hektar “ernähren” 22 Kühe, ein Pferd sowie einige Esel und Schweine. Eine vergleichsweise kleine Alpe also – aber ein kleines Paradies inmitten einer Ansammlung zahlreicher Alpen auf dem Weg von der Bergstation Baumgartenhöhe nach Schönenbach. Hier kann man auf den Wanderrouten rund um die Winterstaude von Alpe zu Alpe wandern – mitten zwischen den Alpen Stongerhöhe, Lingenauere, Sammere oder Hinteregg lädt auch die Schreibere zu einem Stopp ein.

Ein kurzer Alpsommer droht

Anfang Juni wurde “aufgezogen”, erzählt Tobias Flatz, und so wie Älplerkolleginnen und -kollegen auf den meisten der mehr als 500 Vorarlberger Alpen und Vorsäßen sahen sich Tobias und Katharina Flatz bald mit Wasserknappheit und einer ungewöhnlich langen Hitzeperiode konfrontiert. Wenn sich das nicht bald und grundlegend ändere, so der Älpler, werde die Alpsaison heuer wohl früher als üblich enden. Dies deshalb, weil sich die Trockenheit negativ auf das Futterangebot auswirkt, und wenn die Alpe abgeweidet ist, müsse man eben früher “huo züoho”, befürchtete Flatz schon vor zwei Wochen.

Déjà vu am 30. Juli

Schon jetzt sei absehbar, dass die Milchleistung der Alpkühe wohl hinter der üblichen Menge zurückbleiben werde. Wie das am Ende des Alpsommers aussehe, müsse man noch abwarten, aber man müsse wohl davon ausgehen, dass der Alpsommer früher zu Ende gehen werde als üblich. An dieser Einschätzung hat sich in den folgenden zwei Wochen wenig geändert:

Beim Käsklatsch am 30. Juli war die Familie Flatz noch einmal dabei. Da konnte auch der Alpkäse von Anfang Juni verkostet werden. “Manche Käseliebhaber bevorzugen diesen ganz milden Käse und waren deshalb bei uns genau richtig”, lud der Alpsenner zur Verkostung – und zum Mitnehmen ein.

An seinen Sorgen und der Einschätzung über den weiteren Verlauf des Alpsommers haben bescheidene Niederschläge der jüngsten Zeit wenig geändert. “Das Wasserdefizit hat schon mit dem schneearmen Winter begonnen, die Schneeschmelze fiel dementsprechend weit unterdurchschnittlich aus, und damit blieb auch das Futterangebot bescheiden”, sah Tobias Flatz auch zwei Wochen später die Alpsaison 2026 skeptisch. Selbst wenn es in den kommenden Wochen noch ergiebig regnen sollte, könnte das Vegetationsdefizit der vergangenen Hitze- und Trockenheitswochen nicht mehr wettgemacht werden. Fazit: “Wir werden wohl die Saison früher als üblich beenden müssen.” STP