Bei Wind und Wetter: Die Herausforderungen für Festspiel-Tänzer

Sarah Feichtinger und Matthew Petty geben Einblicke in ihre außergewöhnliche Arbeit und die Schwierigkeiten auf der Seebühne.
Bregenz “Das Wetter ist vermutlich das Herausforderndste auf der Bregenzer Festspielbühne”, sagt Sarah Feichtinger (23). Sie und Matthew Petty (35) sind Tänzer bei der diesjährigen Oper “La traviata”. Für beide ist es das erste Mal, dass sie bei einer Produktion im Wasser im Einsatz sind, was ebenfalls besondere Anforderungen mit sich bringt.

Die etwas andere Bühne
Feichtinger und Petty haben ihren Auftritt im Wasser gleich im ersten Akt. Rund 20 Minuten tanzen sie dabei im Nassen, auch liegend und schwimmend. “Wobei es nicht wirklich ein Schwimmen ist, weil das Becken nur 30 Zentimeter tief ist”, erklärt der Engländer Petty.

Während bei manchen Produktionen der Bregenzer Festspiele der Bodensee selbst Teil des Bühnenbildes ist, wurde in diesem Jahr das Wasserbecken aus den beiden “Freischütz”-Spielzeiten beibehalten. Es enthält rund 400 Kubikmeter Seewasser und ist aufgrund der geringen Tiefe wärmer, als man denken mag.

Kalt ist den beiden Performern jedenfalls nie. “Vielleicht die ersten zwei Sekunden, wenn man trocken ins Wasser steigt, aber dann gar nicht mehr”, schildert Petty. Nicht einmal bei der Generalprobe im Juli, als der Wind Lampenschirme auf der Bühne umwarf und sich die Zuschauer nach jedem Akt noch stärker in warme Kleidung einmummten, empfanden sie es als kalt. “Beim Tanzen nimmt man das wegen der Bewegung und des Adrenalins nicht wahr”, führt Feichtinger aus. Die Temperatur ist für sie kein Thema, der Wind hingegen schon: Denn damit wird das Führen des Fächers deutlich schwieriger. Die Wienerin ist die einzige österreichische Tänzerin in der Produktion und außerdem die jüngste.

Zusätzliche Kraft kostet der Widerstand des Wassers, durch den jede Bewegung anstrengender wird. “Jeder, der einmal versucht hat, im Meer zu laufen, weiß, wie das ist”, veranschaulicht Feichtinger. Petty erwähnt auch die geneigte Bühne, die das Tanzen erschwert.
Ebenfalls herausfordernd war das Gewicht der Neoprenanzüge bei den Proben. Diese wurden jedoch nur getragen, weil es bei drei Stunden Probezeit im Wasser zu kalt hätte werden können. Gleichzeitig fanden die Proben immer nur morgens und abends statt, da sich die Bühne tagsüber zu stark erhitzt.

Bei den täglichen Aufführungen tragen die beiden Tänzer lediglich einen hautfarbenen Ganzkörperanzug aus Stoff unter dem Kostüm. “Der würde nicht gegen Kälte helfen, sondern ist eher dafür da, Dinge wie Tätowierungen zu verdecken”, erklärt Feichtinger.

Etwas Besonderes
Bei den Bregenzer Festspielen ist man auf jedes Wetter vorbereitet. Falls es tatsächlich kalt sein sollte, wartet man hinter der Bühne mit Handtüchern, Tee und Föhnen auf die Darsteller. Nur bei wirklich starkem Regen oder etwa einem Gewitter kann es zu einem Abbruch oder einer Verlegung der Aufführung ins Festspielhaus kommen. Auch diese Übersiedelung wird geprobt. Während es in diesem Jahr bisher noch keine Verlegung brauchte, gab es im vergangenen Jahr insgesamt zwei.
Trotz der Herausforderungen, die die Bühne der Bregenzer Festspiele mit sich bringt, sind Feichtinger und Petty sehr froh, Teil der Produktion zu sein. “Es ist wirklich etwas Besonderes”, betont Feichtinger.