Schon wieder Wolfsalarm im Montafon

Zerfleischtes Schaf nahe der Alpe Lün bei Vandans gefunden. Gennachweis wird jedoch nicht einfach werden.
Vandans Die Entdeckung des fast schon aufgefressenen Tieres machte am Freitag ein Älpler der Alpe Lün im Relstal. “Noch am Vortag war das Schaf lebendig”, weiß Thomas Mayer, Jagdaufseher der Region. Der Wildbiologe des Landes, Hubert Schatz (61), spricht von einer “großen Wahrscheinlichkeit”, dass die Überreste des gefundenen Schafes das Resultat eines Wolfangriffs sind. “Doch”, schränkt Schatz ein, “der genetische Nachweis wird nicht einfach zu erbringen sein. Am toten Schaf könnten sich ja einige Nachnutzer, wie etwa Füchse, zu schaffen gemacht haben.”
Wölfe bereits dokumentiert
Dass Wölfe in der Gegend rund um die auf 1770 Meter hoch gelegene Alpe Lün herumziehen, kann Mayer belegen. “Es gibt aktuelle Aufnahmen von der Wildkamera, und ich habe auch schon eine Wolfslosung sichergestellt.” Gemeinsam mit einer Amtstierärztin war Mayer vor Ort, um das Geschehene zu dokumentieren.
Wölfe fallen regelmäßig aus der Schweiz, zumeist aus Graubünden, in das Rätikon-Gebiet ein. Allein in diesem Kanton gibt es aktuell elf Wolfsrudel mit über 100 Individuen.

Jungwölfe erlegt
Arno Puorger, Wolfsexperte des Amtes für Jagd und Fischerei in Graubünden, erklärt den Umgang mit dem Wolf in der Schweiz allgemein und dem Kanton Graubünden im Besonderen. “Der Bund regelt bei uns das Wolfsmanagement. Die Erlaubnis zur Entnahme von Wölfen erstreckt sich über einen Zeitraum von September bis Jänner. In diesem Zeitraum dürfen zwei Drittel des Wolfsnachwuchses erlegt werden. Das restliche dritte Drittel an Jungwölfen reicht aus, um die Population nicht nur stabil zu halten, sondern sie langsam anwachsen zu lassen. Dazu tragen aber auch Wölfe bei, die nicht aus der Schweiz stammen. Ziel bei der Wolfsregulierung ist, dass die durch den Beutegreifer verursachten Schäden nicht überhandnehmen.”

Herdenschutz “zumutbar”
Als Nicht-EU-Staat muss sich die Schweiz nicht an die EU-Richtlinien für den Umgang mit Wölfen halten. Im äußersten Fall können sogar ganze Rudel entnommen werden. Das passierte etwa beim Beverin-Rudel, das 2024 komplett ausgelöscht wurde. Grund: Die Wölfe dieses Rudels töteten nicht nur Schafe, sondern auch mehrere ausgewachsene Rinder und einen Esel.

Eine klare Linie vertritt die Schweiz in Sachen Herdenschutz. “Für Ziegen und Schafe ist Herdenschutz von Gesetzes wegen prinzipiell zumutbar. Die Behörde kann jedoch bei stichhaltiger Begründung Ausnahmen genehmigen, sodass nach einem ersten Angriff sogenannte Notfallmaßnahmen wie eine Verschiebung der Herde oder eine Abalpung ergriffen werden müssen”, erläutert Puorger. Kein Herdenschutz ist in der Schweiz für gealpte Rinder vorgeschrieben.
Zum Thema Wolf soll es noch im August einen Expertenaustausch zwischen Graubünden und Vorarlberg geben.