Nachtarbeit für frisches Gemüse: “So extrem wie heuer war es noch nie”

Die wochenlange Hitze stellt Gemüsebauern wie Jürgen Meusburger vor besondere Herausforderungen.
Koblach In diesem Sommer war Schlaf bei Jürgen Meusburger (46) rar gesät. „Ich habe in den vergangenen zwei Monaten glaube ich nie länger als drei Stunden durchgeschlafen“, sagt er. Während andere im Bett liegen, ist der Landwirt draußen auf seinen Feldern. „Wir bewässern nur in der Nacht, weil es für die Pflanzen besser ist und wir möglichst wasserschonend arbeiten wollen. Sonst verdunstet gleich alles“, erläutert der Koblacher. Die Bewässerung eines Feldes dauert je nach Größe und Einstellung zwischen vier und acht Stunden. In dieser Zeit müssen die Anlagen auch immer wieder kontrolliert werden.


Jürgen Meusburger arbeitet seit 1997 im Familienbetrieb, seit 2010 führt er ihn in zweiter Generation. Die Meusburgers bewirtschaften rund 22 Hektar Ackerland. Auf den Feldern wachsen rund 40 verschiedene Gemüsesorten, dazu Kartoffeln. Der Großteil wird direkt im Hofladen vermarktet.



„So extrem wie heuer war es noch nie, vor allem, dass es so lange so heiß war. Das macht viele Sachen schwieriger“, berichtet der 46-Jährige. Dass die Kulturen die Trockenheit überstanden haben, ist kein Zufall. Die Familie hat in den vergangenen Jahren massiv in die Bewässerung investiert. „Zum Glück“, sagt Jürgen Meusburger. „Dadurch sind wir nicht ganz unvorbereitet in die Hitzewelle reingekommen. Das war schon ein riesiger Vorteil.“ Doch Wasser allein reicht nicht. Es kommt auch darauf an, wann bewässert wird und wie viel Wasser gegeben wird. Denn je länger ein Blatt nass bleibt, desto leichter können sich Pilzkrankheiten ausbreiten.


Die Hitze bringt noch weitere Probleme mit sich. „Bei über 30 Grad stehen die Kulturen, da wächst nichts mehr. Man hat auch Schwierigkeiten gesäte Kulturen überhaupt aus dem Boden zu bringen“, erklärt der Gemüsebauer. Gleichzeitig wachsen trockenheits- und hitzeresistente Unkräuter wie die Melde munter weiter und müssen vielfach von Hand gejätet werden. Außerdem wird laut Meusburger der Pflanzenschutz schwieriger. Derzeit machen ihm vor allem Erdflöhe, Thripse und Drahtwürmer zu schaffen: „Es gibt im Moment überhaupt kein Mittel, das über 25 Grad Wirkung zeigt.”


Jürgen Meusburger zeigt auf ein Feld, auf dem vor acht Wochen Karotten ausgesät wurden. „In dem Bereich kommt nur die Hälfte von dem, was kommen sollte. Das ist der Hitze geschuldet“, schildert er. Den Ausfall auf dem Feld schätzt er um ein Drittel höher ein als in einem normalen Jahr. Hinzu kommen Qualitätsprobleme. „Wenn sie nicht in der optimalen Saatstärke stehen, dann gibt es oft solche, die blöde Formen haben oder krumm werden. Dort wo sie in normaler Saatstärke stehen, brauchen sie länger, weil sie mehr Konkurrenz haben. Bis dahin sind die anderen oft schon verrissen.“




Die Felder werden in der Regel zweimal im Jahr bestellt und danach begrünt. Frühestens nach zwei Jahren kommt wieder dieselbe Kultur auf dieselbe Fläche. „Die Fruchtfolge ist bei uns eine ganz wichtige Sache, weil wir dadurch viel weniger mit Schädlingen zu kämpfen haben, viel weniger Pflanzenschutz brauchen und sich der Boden regenerieren kann.“ Jedes Jahr wird in jedem Bereich mindestens eine neue Sorte getestet. Bei der Auswahl spielt neben der Robustheit auch die Effizienz eine Rolle. Deswegen baut der Betrieb nur noch runden Randig an, weil er maschinell besser zu ernten ist. Das hat letztlich auch mit dem Preis zu tun. „Mir ist wichtig, dass es sich eine Familie mit drei Kindern leisten kann, bei mir einzukaufen. Darum haben wir auch geschaut, dass wir uns die Arbeitskraft im Laden ersparen und auf Selbstbedienung setzen”, unterstreicht Jürgen Meusburger.




