„Das ist wahnsinnig energieraubend“: Jana und Philipp Rautnig verlassen das Laguzstüble

Sieben Tage die Woche, kaum gemeinsame Ferien: Nach acht Jahren ziehen Jana und Philipp Rautnig im Laguzstüble einen Schlussstrich. Nun suchen sie einen Nachfolger für den Betrieb.
Raggal Im hintersten Marultal, auf der Alpe Laguz, empfangen Jana (44) und Philipp (49) Rautnig ihre Gäste. Seit acht Jahren betreiben sie das Laguzstüble. Es ist ihre letzte Saison, die am 25. September endet. „Jetzt ist es Zeit für etwas anderes“, sagt Jana.

Vor neun Jahren arbeitete Jana zunächst als Servicekraft im Laguzstüble, ehe sie den Betrieb ein Jahr später vom Vorpächter übernahm. „Das ist wahnsinnig energieraubend“, sagt sie. Deshalb wollen sie sich im kommenden Jahr eine familiäre Auszeit nehmen, denn momentan komme die Familie zu kurz. „Wir wollen wandern, Rad fahren, den Garten umbauen und Zeit mit unseren Kindern verbringen. Ich freue mich riesig auf die Auszeit“, sagt Jana. Während der Ferien muss das Paar immer arbeiten. Nur in den Herbstferien bleibt Zeit für gemeinsame Unternehmungen.

Im Sommer arbeiten sie durch. Die Sieben-Tage-Woche zehrt an ihren Kräften. Ende September müssen sie das Laguzstüble samt der Mitarbeiterwohnung winterfest machen. Das nimmt nochmals zwei bis drei Wochen in Anspruch. Vier Wochen Vorlaufzeit benötigen sie, um die Wintersaison im Restaurant Sunnegg in Damüls vorzubereiten. Bereits im Oktober treffen die Lebensmittel ein, noch bevor der erste Schnee fällt. Die Zwischensaison ist also ebenfalls arbeitsintensiv.

Das Paar hat zwei Töchter und lebt in Raggal. Jana stammt ursprünglich aus Oldenburg in Norddeutschland. 2005 lernte sie Philipp auf der Skipiste in Damüls kennen, nachdem sie mit ihrem Snowboard in ihn hineingefahren war. Philipp war 14 Jahre lang als Koch für das Red Bull Racing Team tätig und daher kaum zu Hause. Das Leben auf der Alpe ist zwar ein extremer Kontrast zu seinen Jahren in der Formel 1, fremd war es ihm jedoch nicht, da er auf der Alpe Klesenza aufgewachsen ist.


Philipp könnte sich vorstellen, das Sunnegg künftig auch im Sommer zu betreiben. Solche Entscheidungen müssten jedoch gut überlegt sein. „Der Sommer ist auf dem Vormarsch“, sagt er. Das zeige sich auch auf der Alpe Laguz: Das Laguzstüble werde von Bikern und Wanderern gleichermaßen besucht. Hinzu kommen Touristen, die mit dem Wanderbus hinauf- und wieder hinunterfahren und gemütlich einkehren wollen. Der Bus, der mehrmals täglich fährt, sei ein Mehrwert für den Gastronomiebetrieb, weil er auch Menschen auf die Alpe bringe, die den Aufstieg körperlich nicht schaffen würden.

Gestresste Gäste mit hohen Ansprüchen
Winter- und Sommertourismus könne man nicht miteinander vergleichen, meint Philipp. Viele Gäste im Laguzstüble seien gestresst. „Manche Gäste müssen wir darauf hinweisen, dass sie im Urlaub sind“, erzählt er. Zudem seien die Gäste anspruchsvoller geworden, ergänzt Jana. Ein Kaffee reiche nicht mehr aus, es müsse ein Latte Macchiato sein. Auch nach dem WLAN-Passwort fragen die Gäste, obwohl es auf der Alpe Laguz keinen Mobilfunkempfang gibt. Dieses geben die Rautnigs jedoch nur im Notfall weiter und nicht, damit Gäste kurz ein Bild online stellen können.

Für das Laguzstüble suchen sie einen „ganz tollen Nachfolger mit Gastronomieerfahrung, der es mit Herzblut weiterführt, denn es steckt bereits viel Herzblut drin“, wünscht sich Jana.

Laguzstüble</strong>
- Lage: Alpe Laguz unter der Roten Wand, Marul (Gemeinde Raggal)
- Sitzplätze: 35 Plätze in der Gaststube, 90 Plätze auf der Sonnenterrasse
- Pachtzeitraum: 1. Juni bis 25. September (reiner Sommerbetrieb)
- Wohnung: Wohnmöglichkeit direkt beim Betrieb vorhanden
- Ablöse: Für die vorhandene Ausstattung und Einrichtung ist eine Ablöse erwünscht
- Kontakt: Jana Rautnig, Tel. 0680 328 44 11