“Mein Herz hat geblutet” – Die Geschichte hinter Altenrheins großer Airshow

Patrouille Suisse, Super Puma und historische Maschinen. Hinter der großen Airshow stehen Menschen, die alte Flugzeuge vor dem Verschrotten bewahrt haben und sie bis heute fliegen.
ST. GALLEN-ALTENRHEIN Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Am Flugplatz Altenrhein riecht es nach Öl, die Tore zum großen Hangar knarren in der Hitze, und ein alter Propeller heult. Hier, wo die Patrouille Suisse, der Super Puma, historische Maschinen und moderne Flugzeuge demnächst abheben, treffen wir Menschen mit Leidenschaft fürs Fliegen.

Ein Programm mit Geschichte
“Wir wollen eine kleine Geschichte erzählen”, sagt Martin Kopietz, der gemeinsam mit dem Team des Fliegermuseums das Flugprogramm organisiert. Diese Geschichte beginnt bei Flugzeugen aus den 1930er- und 1940er-Jahren und reicht bis zu jenen Jets, mit denen die Schweizer Luftwaffe heute auftritt. Langsame Propellermaschinen, historische Trainer, die PC-7, Helikopter und schliesslich die schnellen Jets sollen zeigen, wie rasant sich die Aviatik entwickelt hat.

Vom Flugzeug mit einem Triebwerk, das sinngemäß noch in einen VW-Käfer gepasst hätte, bis zum Jet, der annähernd Schallgeschwindigkeit erreicht: Für Kopietz liegt genau darin die Faszination. “Der technologische Sprung in der Luftfahrt war und ist immens.” Die Jubiläums-Show soll deshalb nicht laut und spektakulär sein, sondern möglichst viele Facetten zeigen. Vom Segelflieger, den man kaum hört, bis zum Tiger-Jet, der schon akustisch keinen Zweifel an seiner Präsenz lässt.

Geschichte, die fliegt
Auch die Rega und die Schweizer Luftwaffe zeigen Maschinen in einer Static-Ausstellung aus nächster Nähe. “Normalerweise sieht man die ganzen Rettungsschrauber nur umherfliegen, wenn es irgendwo brennt oder irgendwo klemmt”, sagt Kopietz. In Altenrhein können Besucherinnen und Besucher hingegen näher an die Technik herankommen und einen Eindruck davon gewinnen, wie viel Arbeit in solchen Fluggeräten steckt.

Für Paul Ruppeiner ist genau das die Aufgabe des Museums. Der 1951 geborene ehemalige Swissair- und Militärpilot gründete das Fliegermuseum mit, nachdem seine Hunter-Staffel Ende 1994 aufgelöst worden war. Er wusste, dass viele der Jets verschrottet werden sollten. “Mein Herz hat geblutet”, erzählt er. Gemeinsam mit anderen machte er sich daran, die Flugzeuge zu erhalten. Hinter den Flugzeugen stehen Clubs, die ihre Maschinen erhalten und damit auch einen Teil der Kosten des Museums tragen.

Sein persönlicher Favorit steht heute noch in der Halle: ein gelb-schwarzer Hawker Hunter im Tiger-Look. Der Jet war 1951 erstmals geflogen und prägte Ruppeiners Militärkarriere. Heute ist der auffällige Flieger ein Stück Schweizer Aviatikgeschichte und bei Airshows ein Publikumsmagnet.

Leidenschaft kennt keinen Feierabend
Ruppeiner ist längst mehr als Museumsgründer. Er lebt in Staad, nachdem er vom Zürichsee an den Bodensee gezogen ist, um näher am Flugplatz zu sein. Noch immer verbringt er viel Zeit im Museum, fliegt regelmässig und unterstützt die nächste Generation.

Martin Kopietz kennt diese Leidenschaft ebenfalls seit seiner Jugend. “Ich fliege, seit ich 14 bin”, sagt der Mediziner, der sein Hobby liebt. “Sobald man so ein Flugzeug alleine bewegt, weiß man, man ist auch alleine für sich verantwortlich.” Gerade diese frühe Selbstständigkeit habe ihn geprägt. “Du darfst zwar mit 14 nicht Moped fahren, dafür aber fliegen.”
Weniger Lärm, mehr Geschichte
Bewusst habe man sich gegen eine reine “Lärmshow” entschieden. Natürlich ziehen schnelle Jets und spektakuläre Manöver viele Blicke auf sich. Doch Altenrhein soll bei seinem 100-Jahr-Jubiläum auch zeigen, wie vielfältig Aviatik sein kann. Ein Segelflieger fliegt nahezu lautlos, historische Propellermaschinen erzählen von einer anderen technischen Epoche, moderne Militärjets stehen für das Heute. Dazwischen liegt ein Jahrhundert Entwicklung.

100 Jahre Flugplatz Altenrhein
Datum: 28.–30. August 2026
Wo: Flugplatz St. Gallen-Altenrhein
Höhepunkte: Patrouille Suisse, Super Puma, Flying Bulls und viel Geschichte
Tickets und Infos: 100jahreflugplatz.ch