Kleine Häuser, große Ideen

Beim Baumhaus-Workshop wurde gebaut, getüftelt und der Fantasie freier Lauf gelassen.
Dornbirn Am Freitagvormittag wird im Jugendhaus Vismut noch einmal kräftig gewerkelt. Es wird genagelt, gehämmert, geklebt und an letzten Details gefeilt. Kinder zwischen sieben und 14 Jahren arbeiten an ihren Baumhausmodellen, bevor diese am Ende des viertägigen Workshops präsentiert werden. Mittendrin Marion Kotula-Studer, die gemeinsam mit Elke Capelli die jungen Baumeister begleitet.

Jedes Modell ist anders
Was auf den Tischen entsteht, könnte unterschiedlicher kaum sein. Die neunjährige Anja hat sogar eigenes Baumaterial von zu Hause mitgebracht: Ein alter Parkettboden, der dort nicht mehr gebraucht wurde, wird in ihrem Modellhäuschen verarbeitet. Holz, Leim, Farben, Nägel, Schrauben, Äste und Bindfäden liegen bereit. Verarbeitet werden soll vor allem, was gefunden, übrig geblieben oder weiterverwendet werden kann.



Direkt daneben bauen die 14-jährigen Wieland und Pius an ihrer Konstruktion. Sie haben bereits ein großes Baumhausmodell im Garten gebaut. Das kleine Modell, an dem sie im Vismut arbeiten, soll später “im großen Baumhaus platziert” werden, verrät Pius. Der siebenjährige André wiederum hat sich für eine besonders detailreiche Variante entschieden. Kleine Elemente machen sein Modell zu einem ganz besonderen Entwurf.

“Bei uns haben aber alle Kunstwerke ihre Berechtigung”, sagt Kotula-Studer. Entscheidend sei nicht, dass am Ende alle dasselbe Ergebnis präsentieren: “Vielmehr geht es darum, dass Kinder und Jugendliche ihre Kreativität und Individualität ausleben können. Ein Kunstwerk soll auch Ausdruck der eigenen Persönlichkeit sein.”

Gemeinsam tüfteln
Genau das zeigt sich auch im Umgang miteinander. Während die einen noch an einer Konstruktion feilen, schauen andere neugierig zu, geben Tipps oder helfen beim nächsten Arbeitsschritt. “Ich habe die Gruppe die ganze Woche unglaublich kollegial erlebt, das ist wirklich schön zu sehen”, erzählt die Workshop-Leiterin. Für sie gehört auch dazu, dass die Kinder nicht nur mit ihren eigenen Ideen beschäftigt sind, sondern auch voneinander lernen.

Der Baumhaus-Workshop war Teil der Kinder-Künstler-Kurse im Dornbirner Familiensommer. Seit 1996 organisiert Kotula-Studer diese Angebote. Als sie damit begann, gab es in diesem Bereich noch kaum vergleichbare Möglichkeiten. Die Kurse wurden sofort angenommen und waren auf Anhieb stark nachgefragt. Heute reicht das Programm vom Malen und Zeichnen über Bauen, Drucken und Formen bis zu unterschiedlichen handwerklichen und künstlerischen Techniken. Dafür arbeitet Kotula-Studer seit Jahren auch mit Künstlerkollegen zusammen.


Kreativität ohne Druck
Kleine Gruppen, unterschiedliche Altersstufen und individuelle Ergebnisse gehören zum Konzept. Die Kinder sollen Techniken kennenlernen, mit verschiedenen Materialien experimentieren und Freude am eigenen Tun entwickeln. Leistungsdruck soll dabei keinen Platz haben. Auch beim Baumhausbau geht es deshalb weniger um Statik als um die Frage, was aus einer Idee entstehen kann, wenn Holz, Nägel und Fantasie zusammentreffen.
Nach vier Vormittagen wird sichtbar, wie unterschiedlich die Antworten ausfallen. Für Kotula-Studer ist das der eigentliche Erfolg des Workshops – neun Modelle, neun eigene Zugänge und neun kleine Welten, die aus den Vorstellungen der Kinder entstanden sind.
Die Kinder-Künstler-Kurse gehen unterdessen weiter. Für einige der noch angebotenen Ferienkurse gibt es Restplätze, zudem sind weitere spontane Kreativangebote für die Ferien und den Herbst geplant. Das aktuelle Programm ist auf kikueku.com zu finden. cth