Anrainer nehmen Lustenauer Reichsstraße unter die Lupe

Drei besorgte Bürger haben die Reichsstraße analysiert und Gefahrenquellen aufgezeigt.
Lustenau “Wir müssen immer über die Reichsstraße, wenn wir ins Zentrum von Lustenau wollen. Die Straße ist jedoch ein heißes Eisen”, sagt Anrainer Marcel Grabher. Gemeinsam mit Rene Grabher und Stefan Walkner beobachtet er seit Jahren, wie der Verkehr auf der L203, der Reichsstraße, zunimmt und gefährliche Situationen entstehen. Heuer wurden innerhalb weniger Wochen zwei Radfahrer an unterschiedlichen Stellen der Reichsstraße tödlich verletzt. Ein weiterer E-Bike-Fahrer stürzte kurz darauf, nachdem ihn ein Lastwagen übersehen hatte. Für das Anrainer-Trio war das der Anlass, aktiv zu werden. “Wir wollen uns konstruktiv einbringen und die Reichsstraße entschärfen”, sagt Marcel Grabher.

Umfangreiche Analyse
Sie begannen, amtliche Unfallstatistiken auszuwerten. Entstanden ist ein mehr als 90-seitiges Dokument, in dem sie Gefahrenstellen, an denen Menschen zu Schaden kamen, entlang der Reichsstraße für den Zeitraum von 2013 bis 2026 erfasst haben. Die Statistik weist ausschließlich Unfälle mit Personenschäden auf. Beinahe-Unfälle oder reine Sachschäden finden sich darin nicht. Die drei Anrainer sehen sich durch die Zahlen in ihrer Wahrnehmung bestätigt. “Die analytische Aufbereitung der statistischen Daten hat uns recht gegeben und unser subjektives Empfinden bestätigt”, sagt Walkner. Sie betonen ausdrücklich, keine Verkehrsplaner zu sein. Sie wollen vielmehr mit offenen Augen auf die Situation schauen und Problemstellen aufzeigen.

Genauer hinsehen
Die Analyse beschränkt sich nicht auf reine Unfallzahlen, auch die Entwicklung der Straße haben sie untersucht. Ein Beispiel ist die Kreuzung beim Gasthof Linde. Dort wurde 2011 beim Zebrastreifen eine Mittelinsel errichtet, zusätzlich war der Übergang farblich auf der Fahrbahn markiert. Auf späteren Aufnahmen ist die Mittelinsel nicht mehr vorhanden, auch die farbliche Kennzeichnung fehlt.

Ein weiteres Beispiel entdeckten sie im Bereich Spar Feurstein. 2019 gab es dort beidseitig abgetrennte Radfahrstreifen mit einer Breite von rund 1,40 bis 1,50 Metern. Heute befinden sich dort nicht abgegrenzte Mehrzweckstreifen mit rund 1,15 Metern Breite. “Ein breiterer Radfahrstreifen hätte die tödlichen Unfälle nicht automatisch verhindert”, sagt Grabher, “aber die Radfahrer hätten mehr Platz gehabt, auszuweichen.” Für Walkner ist vor allem die objektive Grundlage entscheidend: “Uns war wichtig zu erfassen, dass es nicht unsere subjektive Meinung ist, dass der Radfahrstreifen zu schmal ist. Er ist tatsächlich zu schmal.”

Papier für Sicherheitsgipfel
Bei der Recherche haben sie die Richtlinien und Vorschriften für das Straßenbauwesen (RVS) herangezogen. An der Reichsstraße gibt es gleich mehrere Punkte, an denen die Vorgaben ihrer Meinung nach verletzt sind. Dass die L203 eine Landesstraße ist und Veränderungen nicht von der Gemeinde beschlossen werden können, ist den Anrainern bewusst. Ihr Papier haben sie deshalb bereits Bürgermeister Patrick Wiedl und Vizebürgermeister Martin Fitz vorgestellt. Beide haben zugesichert, die Unterlagen zum Sicherheitsgipfel Mitte September mitzunehmen, bei dem es unter anderem um eine Erhöhung der Sicherheit entlang der Reichsstraße geht.

“Wir haben Hoffnung, dass die Verkehrsplaner vielleicht noch eine bessere Lösung für die Sicherheit finden werden”, sagt Grabher. Um ihrem Anliegen eine dauerhafte Struktur zu geben, haben die drei zudem den Verein “Lebensraum L203 Lustenau” gegründet. Dieser ist überparteilich und unabhängig. Ihr Ziel ist es, die Reichsstraße für alle sicherer zu machen. BVS
