Lustenauer Moschee nimmt Gestalt an

Rohbau des Kulturzentrums in Lustenau soll in drei Monaten fertig sein.
Lustenau Noch ist es ein Rohbau. Doch zwischen Fensterbögen und Beton lässt sich bereits erkennen, was hier entstehen soll: ein Kulturzentrum mit Moschee, Restaurant, Geschäften, Arkadengang und Lichthöfen. Ein Ort zum Beten, aber ebenso ein Ort zum Begegnen soll es werden.
Der Dornbirner Architekt Kemal Cansız (32) steht vor dem Neubau und blickt auf das, was in den vergangenen Monaten entstanden ist. Die Bögen geben dem Gebäude bereits seine charakteristische Form. Ein überdachter Arkadengang führt durch das Erdgeschoss, Lichthöfe bringen Tageslicht ins Gebäude. “Wir öffnen das Gebäude für jeden, der vorbeikommen möchte”, sagt Cansız. Geplant ist ein öffentlicher Durchgang von der bestehenden Moschee bis zur Hauptstraße. Menschen sollen nicht nur durch das Gebäude gehen, sondern bleiben können. Unabhängig von ihrer Religion.

Eine Interaktionsfläche
Genau darin liegt die Idee des Architekten: Die neue Moschee soll nicht nur ein sakraler Raum sein, sondern Teil des öffentlichen Lebens. “Menschen kommen hier zusammen. Wir schaffen eine Interaktionsfläche”, sagt er. Islamische Architektur trifft dabei auf Vorarlberger Baukunst. Besonders deutlich wird das bei den geplanten Holzlamellen hinter den Fenstern. Sie dienen als Sonnenschutz und zur kontrollierten Belichtung, zugleich schützen sie die Privatsphäre. Das Holz ist in beiden architektonischen Traditionen verankert.

Raum-in-Raum-Konzept
Vom öffentlichen Erdgeschoss führt ein eigener Zugang in den Gebetsbereich. Nach einem kleinen Vorraum, in dem die Schuhe ausgezogen werden, öffnet sich der zweigeschossige Gebetsraum. Er ist nach Mekka ausgerichtet.

Die Männer beten im unteren Bereich, die Frauen auf einer galerieartigen Ebene darüber. Räumlich voneinander getrennt sind sie nicht. Cansız spricht von einem “Raum-in-Raum-Konzept”. Alle bleiben Teil desselben Gebetsraumes. Eine Holzkuppel bildet den oberen Abschluss. Die Kuppel versteht der Architekt nicht als aufgesetztes Symbol. Sie ergibt sich aus der Konstruktion und soll den Gebetsraum räumlich erweitern. Der Ort soll als Moschee wahrgenommen werden, aber gleichzeitig offen bleiben: “Wir versuchen, öffentlich für jeden zu sein und zugleich einen sakralen Raum zu schaffen, der eine gewisse Privatsphäre hat.”

Seit 2018 in Planung
Seit 2018 wird an dem Projekt geplant, und es wurde von Beginn an in Lustenau kontrovers diskutiert, unter anderem 2021 bei einer Podiumsdiskussion der Reihe “VN-Stammtisch” im Reichshofsaal. Die Gestaltung, vor allem die Höhe des Turmes, sowie die Verkehrsanbindung und das Parkraummanagement waren zentrale Punkte der Kritik. Der Turm ist mit nun 17,8 Metern Höhe gegenüber dem ursprünglichen Plan verkleinert worden.
Ein klassisches Bauvorhaben sei die Moschee nicht, sagt Cansız. Viele Anforderungen und Vorstellungen mussten zusammengebracht werden. Für den 32-Jährigen steht dabei nicht die Frage im Mittelpunkt, wie groß eine Kuppel oder wie markant ein Turm sein soll. Es gehe ihm um den Menschen. Architektur soll für ihn Räume schaffen, in denen Menschen sich wohlfühlen und miteinander in Beziehung treten können. “Ich hoffe, das ist mit der Moschee gelungen.”

Zwei Millionen Euro durch Spenden
Finanziert werde der Bau bislang ausschließlich durch Spenden. Mehr als zwei Millionen Euro sind bereits zusammengekommen. Vieles wird in Eigenleistung und ehrenamtlich gemacht. Neben dem Gebetsraum entstehen Seminarräume und eine Bibliothek. Im Untergeschoss sind drei Lichthöfe mit Gärten vorgesehen. Cansız ist auch mit dem Bau der Dornbirner Moschee betraut. BVS