Streiflicht: So einer ist das also

Alle genießen die letzte Sommersonne. Ein massiger Mann aalt sich am Rand der Steinplatte. Volltätowiert, wuchtiger Kopf, die Haare seitlich abrasiert, Wikingerbart. Er schläft und grummelt. Sollte man Abstand halten? Ah, er bewegt sich! Ein tiefer Schnaufer. Er hebt den Kopf, blinzelt, dann wuzelt er sich einen Tschick. Bald steigen blaue Rauchwölkchen auf. Automatisch nimmt die Nase Witterung auf. Ist da mehr im Spiel als Tabak? Fehlanzeige! Später schnippen seine Finger den glosenden Rest zum Fuß der Laterne rüber. So einer ist das also!
Später richtet er sich auf. Ein riesiges Mannsbild. Andere Sonnenanbeter versinken noch tiefer in ihre Lektüre. Er streckt sich, gähnt, dann rollt er die Liegematte zusammen, streift ein T-Shirt über und geht in die Knie. Er zieht ein Papiertaschentuch aus dem Rucksack und sammelt fein säuberlich die Zigarettenkippen ein, um sie zu entsorgen. Im Weggehen wünscht er allen noch einen schönen Abend. So einer ist das also!
Das ist eben die Tragik der Bilder im Kopf und der gefühlten Wahrheiten. Sie passen so prima. Echte Begegnungen dagegen haben etwas Zerstörerisches. Sie machen die Vorurteile kaputt.