Alpe Derra, eine spezielle Älpler-Tradition

Bizau feierte die Heimkehr des Viehs von vier Alpen und lud zur “Büzoar Kilbe”.
Bizau Landwirtschaft hat in der Wälder Gemeinde Bizau einen hohen Stellenwert – 1908 gründeten 32 engagierte Bauern den Viehzuchtverein, 50 Jahre später lieferten 57 Betriebe Milch in die Sennerei, heute sind es noch knapp zwei Dutzend. Dementsprechend wichtig ist für Bizaus Bauern die Alpwirtschaft – und die damit verbundene Tradition, die heute noch mit dem Alptag und tags darauf mit der “Büzoar Kilbe” gepflegt wird.

Grund zum Feiern
Vier Bizauer Alpen – Derra, Breitenalp, Althornbach und Ostergunten – zogen am Samstag heim, und in der adaptierten Feuerwehrgarage hatte man allen Grund zum Feiern, denn der Alpsommer war Hitze und Wassernot zum Trotz insgesamt ein guter, davon zeugten auch Mojen, die heimkehrendes Alpvieh trug. “Es ist ein freudiges Ereignis, dass dieser nicht ganz einfache Sommer so gut überstanden wurde, und die Tiere in sehr gutem Zustand übergeben werden konnten”, so Michael Moosbrugger, seit 2009 Obmann des Viehzuchtvereins Bizau.

UNESCO-Kulturerbe
Unsere Landwirtschaft ist – speziell im Bregenzerwald – untrennbar mit der Dreistufen-Wirtschaft (Heimgut-Vorsäß-Hochalpe) verbunden. Diese jahrhundertealte Bewirtschaftungsform wurde 2011 nicht von ungefähr ins UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Ohne dieses Modell würde Landwirtschaft “nicht funktionieren”, denn die Alpung des Viehs ermöglicht es, dass viehhaltende Betriebe im Tal Futtervorräte für den Winter anlegen können.
Die Dreistufen-Wirtschaft reicht weit zurück, erste urkundliche Erwähnungen stammen aus dem 13. Jahrhundert, vor fast 800 Jahren schenkten Bauern Anteile der Alpe Wöster dem Reichsstift Weingarten. Aus dem Jahre 1383 stammt ein im Landesarchiv aufbewahrter “Verkaufsbrief”. Wiederum gut 100 Jahre später kamen Dornbirner Bauern ins Spiel: Sie kauften erste Anteile am Wöster, und seither ist die Alpe im Gemeindegebiet von Lech eine Dornbirner Alpe. Zwei Tage dauert der Auf- und Abtrieb jeweils, und nach einer Zwischenstation in den Vorsäßen Laubach, Nest und Hasengerach im Firstgebiet ist der Wöster-Alptag in Dornbirn auf den 26. September vorgesehen.
Ursprünglicher Alpweg
Nicht ganz so weit ist der Weg für die Derra-Älpler, und auch nicht ganz so “alt” wie die Wöster-Historie ist die Geschichte der Bizauer Alpe Derra im Gemeindegebiet von Mittelberg/Kleinwalsertal. Sie wurde 1428 erstmals urkundlich erwähnt und hat bis heute eine spezielle Tradition bewahrt: Der Viehweg auf die Alpe führt immer noch über die Schnepfegg. Ein Weg, den früher auch anderes Alpvieh nahm, weil es damals “hinter Bezau/Reuthe” entlang der Bregenzerache keine richtigen Wege gab.

Auftrieb auf der Straße
Bestoßen wird die Alpe Derra seit Längerem auf dem Straßenweg: Das Vieh – rund 130 Tiere – wird mit Transportern ins Kleinwalsertal gebracht und zieht dann im Laufe des Sommers von Lager zu Lager immer höher und näher ans 1868 m hohe Starzeljoch. Vom dritten Lager aus wurde jetzt heimgezogen – über das Starzeljoch hinunter über rund 1000 Höhenmeter nach Schoppernau, weiter nach Schnepfau und noch einmal hoch auf Schnepfegg und runter nach Bizau. Rund siebeneinhalb Stunden war die Herde unterwegs.

Goldenes Jubiläum
Die drei Alpen, die schon früher heimkehrten, warteten sehnsüchtig auf Derra und die Musik, denn da waren als Treiber auch die Brüder Klaus und Martin Berchtold dabei, die mit Alex Wilhelm die “Derra Musig” bilden. “1976 waren wir erstmals als Treiber dabei – wir feiern somit heuer goldenes Jubiläum”, meinten die Berchtold-Brüder stolz. STP
