Private investieren wieder

VN / 13.09.2026 • 13:05 Uhr
Private investieren wieder
„Die Talsohle ist durchschritten“, bestätigt der Wohnbauexperte Wolfgang Amann: Mehr und mehr Vorarlbergerinnen und Vorarlberg bilden wieder Eigentum. Foto: VN/Steurer

Wohnbau: Nachfrage nach Förderungen und Krediten nimmt auch in Vorarlberg zu.

SCHWARZACH. „Man traut sich wieder drüber“, sagt Martina Hirsch, Geschäftsführerin von „Sparkassen Real“ im Land: Vor vier Jahren ist es im Wohnbau- und Immobiliensektor zu einem Einbruch gekommen. Erhöhte Zinsen schreckten ebenso viele Privathaushalte ab, sich auf langfristige Investitionen einzulassen wie die erhöhte Inflation. Mittlerweile ist es nicht nur zu einer Stabilisierung gekommen, laut Hirsch haben sich viele auch an die neuen Verhältnisse gewöhnt: Sie würden nicht mehr abschreckend wirken, man erkundige sich bei der Bank wieder nach einer Finanzierung.  

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Hirsch liefert damit eine Erklärung für die Entwicklung der Neukreditvergaben der Banken für Wohnbauzwecke; und zwar ausschließlich an private Haushalte: Heuer im Juni lagt das Volumen laut Nationalbank österreichweit zum ersten Mal seit über vier Jahren über zwei Milliarden Euro in einem Monat. Im mehrmonatigen Durchschnitt ist das Volumen wieder ungefähr doppelt so hoch wie am Tiefpunkt Ende 2023, Anfang 2024. Das ist noch immer weniger als zu Beginn der 2020er Jahre, es geht jedoch bergauf. Selbst wenn man berücksichtigt, dass es hier um nominelle Werte geht, die Geldentwertung also nicht einkalkuliert ist.

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„Man traut sich wieder drüber“, sagt Martina Hirsch, Geschäftsführerin von „Sparkassen Real“ im Land. Studio Huger

„Die Talsohle ist durchschritten“, bestätigt der Wohnbauexperte Wolfgang Amann. Das erkenne man unter anderem auch daran, dass es wieder mehr Baubewilligungen gebe, der Immobilienmarkt Fahrt aufgenommen habe und auch das Grunderwerbsteuer-Aufkommen steige, das das Finanzministerium verzeichnet.

Außerdem erkennt man es an der Entwicklung der Wohnbauförderungszusicherungen des Landes: Für Sanierungen war ihre Zahl von Jänner bis Juli 2023 und 2024 gerade einmal zweistellig. Das ist vorbei. Im vergangenen Jahr belief sie sich im Vergleichszeitraum auf 205 und heuer auf 235. Im Neubausektor gab es heuer mit 378 Zusicherungen zwar nicht ganz so viele wie in Folge einer vorübergehend erhöhten Förderung im vergangenen Jahr (445), aber ebenfalls viel mehr als 2023 (210) und 2024 (328).

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Auch bei den Banken im Land merkt man die Veränderungen: „Die Vorarlberger Raiffeisenbanken konnten heuer das Volumen der Wohnbaufinanzierungen im Vergleich zu 2024 um 57 Prozent steigern. Auch gegenüber dem Vorjahr beträgt das Plus 27 Prozent“, berichtet Marktvorstand Manfred Miglar: „Wir spüren damit einen deutlichen Schwung. Die Nachfrage der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger nach Wohnbaufinanzierungen ist merklich angezogen.“ Trotz anspruchsvoller gesamtwirtschaftlicher Lage scheine der Optimismus wieder Oberhand zu gewinnen.

Martina Hirsch beobachtet unterschiedliche Trends: Beim Bestand, also gebrauchten Wohnungen und Einfamilienhäusern, sei man auf dem Immobilienmarkt fast schon wieder auf dem Niveau vergangener Boomjahre. Es gebe beinahe so viele Transkationen wie damals. Beim Neubau bewege man sich dagegen weiterhin auf einem niedrigen Niveau.

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„Die Raiffeisenbanken konnten heuer das Volumen der Wohnbaufinanzierungen im Vergleich zu 2024 um 57 Prozent steigern”, so Marktvorstand Manfred Miglar. MARCEL HAGEN – STUDIO22.AT

Da könnte die Politik nachhelfen, ist Wolfgang Amann überzeugt: Eine Erklärung dafür, dass mehr Wohnbaukredite aufgenommen werden, ist seiner Einschätzung nach, dass die „Wohnbaumilliarde“ der letzten Regierung gewirkt hat. In diesem Zusammenhang ist etwa die Grundbucheintragungs- und die Pfandrechtspflegegebühr gestrichen worden. Allerdings nur befristet bis Ende Juni 2026: „Insofern wäre es ein Feedback an die Politik, solche Maßnahmen zu setzen“, sagt Amann: „Sie bringen etwas. Denkbar wäre zum Beispiel eine Streichung der Grunderwerbsteuer beim ersten Eigenheim.“

Wohnbaulandesrat Marco Tittler (ÖVP) drängt die Finanzmarktaufsicht, die Zügel bei Kreditvergaben zu lockern. Die sogenannte „KIM-Verordnung“ gilt zwar nicht mehr, Banken wird aber empfohlen, sich weiterhin daran zu halten. Ein Punkt ist etwa, dass Raten maximal 40 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens betragen sollen. Tittler fordert, Lebenssituationen junger Menschen stärker zu berücksichtigen; etwa auch, was erwartbare Erwerbs- und Verdienstverläufe betrifft.