Das machte der Hitzesommer mit Ernte und Alpen

Später Regen-Sonne-Mix lässt Gemüse- und Obstbauern sowie die letzten Alpen-Bewohner leicht durchatmen.
Schwarzach Viel Aufwand für einen noch respektablen Ertrag – so lässt sich die vorübergehende Bilanz von Obst- und Gemüsebauern bzw. Älplern nach dem Hitzesommer zusammenfassen.
“Es war schon eine große Herausforderung, verbunden mit einem enormen Aufwand”, zieht Harald Rammel (58), zuständig für Gemüsebau in der Landwirtschaftskammer, eine erste Bilanz. Konkret spricht Rammel von der Bewässerung der Felder. “Da mussten Wasserleitungen gelegt und Pumpen installiert werden. Es gab ja zwölf Wochen lang praktisch keinen Regen.” Dabei konnten nicht einmal alle Anbauflächen mithilfe von Technik bewässert werden. “Viel hängt bei solchen Trockenphasen natürlich auch von der Beschaffenheit der Böden ab.”

Fazit: Der bisherige Ernteertrag beim Gemüse liegt in Anbetracht der Umstände unter dem Durchschnitt. Andererseits, so Rammel: “Zu viel Wasser wäre noch schlimmer, weil da kannst du weniger Gegenmaßnahmen setzen.” Und: Die Erntesaison ist noch nicht vorbei. Noch geben die nun weniger gestressten Böden Salate, Kohlrabi oder Blattgemüse frei.
Die Äpfel haben Sonnenbrand
Nicht ganz unzufrieden zeigen sich auch Vertreter des heimischen Obstbaus. Simon Matt (28), Obstbauer in Schlins, steckt derzeit mitten in der Ernte seiner frühen Apfelsorten und berichtet: “Dank meiner Bewässerungsanlage, die wir seit sieben Jahren an unserem Hof haben, konnte ich meine Kulturen entsprechend gut bewässern.” Die Sorten Gala und Elstar stehen derzeit zum Pflücken an, die Sorten Pinova und Braeburn werden als Letztes Ende Oktober am Balottahof der Matts geerntet. Hitze und Dürre gingen dennoch nicht ganz folgenlos an den Früchten vorüber. “Zum Teil haben die Äpfel einen Sonnenbrand. Das ließ sich nicht verhindern”, erklärt Matt.

Futter zukaufen
Dass Wiesen und Weideflächen durch Hitze und Dürre stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist offensichtlich. “Es gab Flächen, die durch die Hitze praktisch zerstört wurden. Da muss man Gras neu ansäen, und bis das wieder nutzbar ist, wird es dauern”, berichtet Christian Meusburger, bei der Vorarlberger Landwirtschaftskammer für Pflanzenbau zuständig. Landwirte mussten zum Teil Futter zukaufen oder Tiere abstoßen.” Ein Vegetationsjahr lasse sich grundsätzlich nie voraussehen. Man müsse stets flexibel sein. “Aber dieser Sommer war vom Klima her schon einzigartig”, meint Meusburger.

Früher zurück von der Alpe
Wetter wie derzeit, mit einem guten Mix von Sonne und Regen, hätte man sich im abgelaufenen Sommer auch auf den Alpen gewünscht. “Einige Alpen, auf denen sich Jungvieh befindet, profitieren noch von den derzeitigen Verhältnissen”, berichtet Christoph Freuis (47), Geschäftsführer des Alpwirtschaftsvereines. Aufgrund der Trockenheit habe man viele Milchkühe zwei Wochen früher als geplant von der Alpe zurückholen müssen. Die Alpsaison beurteilt Freuis jedoch nicht nur negativ. “Die in den letzten Jahren verbesserte Wasserversorgung hat sich bezahlt gemacht. Zudem blieben wir von extremen Katastrophenereignissen verschont. Es gab kein Schlagwetter und keine schädliche Nässe. So können wir auch heuer noch authentisch Erntedank feiern.”

Stichwort Wetter: Das wird sich in den kommenden Tagen freundlich, aber wesentlich kühler gestalten. Bei Temperaturen um die 20 Grad wird teilweise auch Nebel für herbstliches Flair sorgen.