Schummelzettel im Bus: Neues VVV-System sorgt bei Fahrern und Fahrgästen weiter für Verwirrung

Das neue Tarifsystem ist seit über zwei Monaten in Betrieb. Warum die versprochene Einfachheit im Bus offenbar noch immer nicht bei allen angekommen ist.
Schwarzach In den vergangenen Wochen gab es einiges an Kritik am neuen Tarifsystem des Vorarlberger Verkehrsverbundes (VVV). Während es in der Theorie einfacher wirkt, zeigt sich in der Praxis teilweise ein anderes Bild – sowohl beim Ticketkauf im Bus als auch im Alltag der Busfahrer.

Hintergrund zum neuen Tarifsystem:
Am 1. Juni trat die Tarifreform des VVV in Kraft. Sie sollte den öffentlichen Verkehr in Vorarlberg einfacher machen. In der Praxis teilt längst nicht jeder diese Ansicht. Außerdem gibt es nun neben nennenswerten Vergünstigungen auch starke Preiserhöhungen.
Verwirrung bei Fahrgästen
Ziel des VVV war es, ein einfacheres Tarifsystem zu schaffen. Während der Ticketkauf mit der Fairtiq-App scheinbar genauso gut funktioniert wie vorher und man auch bei der Bahn wie früher einfach den Ort eingeben kann, war die Umsetzung im Bus von Beginn an mangelhaft.
Anstatt wie vorher den Ort einzutippen, müssen Fahrgäste beim Fahrscheinautomaten im Bus nun die richtige Zone wählen. Der VVV hat schon zweimal nachgebessert: Zuerst wurde auf dem Bildschirm die – je nach Standort wechselnde – Lokalzone eingefügt. Und vor Kurzem wurde analog eine Karte mit den Regiozonen an den Automaten angebracht. Dennoch gibt es in der Praxis Fahrgäste, die vor dem Bildschirm stehen und nicht wissen, welche Zone sie wählen müssen.

Seitens des VVV heißt es, dass man mit dem Fahrscheinautomaten im Bus noch nicht ganz dort ist, wo man gerne wäre. Aber ein möglicher Nachbesserungsbedarf soll erst bei der Tarifevaluierung im Herbst geklärt werden. Denn eine weitergehende Veränderung der Benutzerführung würde einen tiefgreifenden Eingriff in das System erfordern.

Busfahrer
Grundsätzlich ist der Ticketautomat im Bus der am wenigsten genutzte Vertriebskanal. Im vergangenen Jahr wurden darüber zehn Prozent der Tickets – also rund 330.000 Einzel- und Tagestickets – verkauft. Doch nicht nur einige Busfahrgäste, sondern auch viele Busfahrer sind von der versprochenen Einfachheit noch nicht überzeugt. Auch sie mussten vorher die ersten Buchstaben eines Ortes und jetzt die Zonen eingeben.

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Über zwei Monate nach Einführung des neuen Tarifsystems sieht man noch Busfahrer, die einen Schummelzettel brauchen, um das richtige Ticket zu verkaufen. Manche machen das während der Fahrt, da sie einen Zeitplan einzuhalten haben.

“Bei der Schulung zum neuen Tarifsystem hieß es die ganze Zeit, dass jetzt alles einfacher sei. Aber es war vorher viel einfacher”, sagt ein Busfahrer. Er möchte anonym bleiben, da bei der Schulung verboten worden sei, mit Medien zu sprechen, und er Angst hat, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. “Ich kenne sogar Ticketkontrolleure, die sich bis heute nicht gut auskennen”, meint er.

Er kenne etwa drei Personen, die das neue System einfacher, und doppelt so viele, die es schwieriger finden. Auch bei einer nicht repräsentativen Umfrage in Bregenz und Feldkirch kam genau dieses Verhältnis heraus: drei Busfahrer finden es einfacher, sechs schwieriger und zwei Personen empfinden keinen Unterschied.

Vorteile seien etwa, dass weniger getippt werden muss und gewisse Funktionen wie die Gruppentickets einfacher zu handhaben sind. Aber auch von neutralen und positiven Stimmen hört man, dass sie teilweise noch einen Schummelzettel brauchen. Ihr Tenor bei der Momentaufnahme war: Es ist einfach, wenn man sich einige Zeit lang damit beschäftigt hat. Dies widerspricht in gewisser Hinsicht dem Reformziel, nämlich Gelegenheitsfahrer und neue Kunden speziell durch Einfachheit anzusprechen. Andererseits wird davon ausgegangen, dass Gelegenheitsfahrer hauptsächlich vom Wohnort, also vom immer selben Hauptstandort aus, abfahren und sich somit schneller eine Routine einspielt. Der VVV rechnet damit, dass Fahrgäste die Zonen nach einer gewissen Eingewöhnungsphase intuitiv wie T-Shirt-Größen benutzen werden können.