Ablöse für den Präsidenten

Die zweite Generation des DS No7 steht bereit für den Einzug in die Élysée-Garage.
DS Vermutlich beschäftigen Emmanuel Macron momentan gewichtigere Probleme als die Aktualität seines Dienstwagens, der mit dem Marktstart des neuen DS No7 nun quasi auf Gebrauchtwagenstatus abgerutscht ist. Zugleich passiert bei der noch jungen Stellantis-Tochter DS damit erstmals ein Generationswechsel. Wer auf eine Neuauflage der von Beginn an markentypischen eleganten Opulenz hofft, wird allerdings enttäuscht. Blaupause für das heute gängige DS-Design ist der monolithische Kanten-Look des seit 2025 gebauten No8. Die vertikalen Lichteinheiten sind ziemlich dominant ausgeführt, die Flanken bis auf eine weit oben verlaufende Sicke glatt und bündig. Der Radstand hat gegenüber dem Vorgänger um satte sechzehn Zentimeter zugelegt, in der Länge bleibt davon ein Plus von neun Zentimetern. Auch drinnen sind die fetten DS-Jahre offenbar vorüber: Statt üppiger Lederbespannung mit Rhomben-Stick und darin eingelassenen Chromtasten herrscht nun reduzierte Kühle. Nicht unfesch, aber sowohl Innen- wie auch Außendesign könnten ebenso gut von einer der aufstrebenden Hightech-Marken mit Nobelanspruch aus China stammen. Bei den praktischen Komforttalenten lässt sich der DS No7 jedenfalls nicht lumpen: Ausstattungsabhängig bietet er etwa Nackenwärmer oder Sitze mit Wangenverstellung, Massage- und natürlich Heiz-/Kühlfunktion.

Vollelektrisch wird der DS No7 in den vorderradgetriebenen Varianten mit 230 PS und bis zu 539 km WLTP-Reichweite ab 49.499 Euro oder mit 245 PS und größerem Akku für maximal 734 Kilometer ab 53.999 Euro angeboten, mit 350 Allrad-PS und 678 Kilometern ab 57.999 Euro. Die Ansage von außerordentlichem Premiumkomfort inklusive proaktivem Fahrwerk und aufwendiger Geräuschdämmung hält der DS No7 bei den Testfahrten problemlos, das Reichweitenversprechen nach alter Stellantis-Tradition leider nicht: Im Test verlor die Restdistanzanzeige mindestens 60 Prozent mehr, als die tatsächlich zurückgelegte Strecke betrug – trotz gemächlicher Fahrweise bei idealen Temperaturen und ohne Autobahnpassagen. Real schafft das Basismodell also bestenfalls 335 Kilometer, die Long-Range-Variante dürfte im echten Leben unter 460 Kilometer Maximalreichweite bleiben.

Für private Nutzung mag das je nach Bedarf okay sein, ob es auch für die Überstellung in die Dienste des französischen Präsidenten reicht, ist fraglich – die dafür notwendigen und gewichtsintensiven Sicherheitsumbauten dürften die reduzierten Praxisreichweiten erneut halbieren. Vielleicht fasst Emmanuel Macron als Alternative ja tatsächlich den 1,2 Liter Dreizylinder-Mildhybrid mit eher gemächlichen 145 PS ins Auge. Für Normalbürger ist diese Variante jedenfalls ab 39.799 Euro erhältlich. PAB
Fahreindruck: “Außerordentlicher Komfort trifft agiles und auch dynamiktaugliches Handling. Bei den Reichweiten sind aber große Abstriche zu machen.”
Fakten und Daten
Motor/Antrieb: 1,2 Liter Turbo-Benzinmotor (Mild-Hybrid) mit 145 PS; 6-Gang-Automatik; Vorderradantrieb; E-Motor mit 230 PS, Nickel-Mangan-Kobalt-Akku mit 74 kWh; 245 PS, Nickel-Mangan-Kobalt-Akku mit 97 kWh; 1-Gang-Direktantrieb, Vorderradantrieb
2 E-Motoren mit 350 PS, Nickel-Mangan-Kobalt-Akku mit 97 kWh; 1-Gang-Direktantrieb, Allradantrieb; L/B/H 4660/1900/1625 mm; 1556–2252 kg
Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h 5,4–10,4 Sek., Höchstgeschwindigkeit 190–201 km/h, WLTP-Verbrauch/100 km 5,3–5,6 l / 16,1–17,6 kWh; 120–128 / 0 g CO2/km, elektrische Reichweite nach WLTP 539–734 km
Preis: ab 39.799 Euro (vollelektrisch ab 49.499 Euro)