Kritik an Standort und Höhe: Dornbirner Moschee-Pläne schlagen Wellen

ÖVP lehnt ein Moschee- und Kulturzentrum in der Quellengasse ab. Die Stadt verweist auf klare Bedingungen.
Dornbirn Der Widerstand gegen den geplanten Neubau einer Moschee in der Dornbirner Quellengasse wächst. Die ÖVP Dornbirn erklärte am Mittwoch, dass es von ihr keine Zustimmung für das Projekt am geplanten Standort geben wird. „Wir sagen nicht: kleiner, niedriger oder anders planen. Wir sagen: nein zu diesem Standort“, teilten Vizebürgermeister und ÖVP-Klubobmann Alexander Juen und Parteiobmann Thomas Winsauer in einer Aussendung mit. Auch bei der Stadt selbst ist man wie berichtet mit dem bisherigen Entwurf nicht zufrieden. Bei dem Gespräch mit dem ATIB-Verein Dornbirn sei deutlich geworden, „dass die Vorstellungen über das Vorhaben mitunter weit auseinandergehen“, informierte die Stadt Dornbirn vor wenigen Tagen.

Der türkisch-islamische Kulturverein ATIB möchte in der Quellengasse ein Moschee- und Kulturzentrum für rund 400 Personen errichten. Der Turm soll mehr als 30 Meter in die Höhe ragen. „Diese Dimension zeigt, dass es hier nicht um Detailfragen der Planung geht. Ein Kultur- und Gebetszentrum dieser Größenordnung ist an diesem Standort falsch“, hält Juen fest. Die Quellengasse sei Wohngebiet, gleichzeitig befänden sich dort mit Feuerwehr und Wasserwerk wichtige Einrichtungen. Mehrere hundert Besucher, zusätzlicher Verkehr und Veranstaltungen seien damit nur schwer vereinbar.


Die Stadt Dornbirn betonte am Mittwoch: Das von ATIB vorgelegte Projekt für ein Moschee- und Kulturzentrum in der Quellengasse sei vom Stadtplanungsbeirat mehrfach klar negativ beurteilt worden. Auch Bürgermeister Markus Fäßler (SPÖ) habe gegenüber dem Verein unmissverständlich klargestellt, dass das Projekt in dieser Form nicht umgesetzt werden kann. “Das betrifft sowohl die architektonische Formensprache und Dimensionierung des Gebäudes als auch die vorgesehene Stele mit einer Höhe von rund 30 Metern.” Gleichzeitig habe der Bürgermeister eine mögliche Umsetzung an klare Bedingungen geknüpft. Gefordert werden unter anderem ein Architekturwettbewerb, ein projektbegleitendes Gremium mit Anrainern, Politik und Experten sowie ein erkennbarer gesellschaftlicher Mehrwert, etwa durch Sprachkurse, Bildungs- und Integrationsangebote. Wegen der zu erwartenden Auswirkungen auf Verkehr, Nachbarschaft, Städtebau und Ortsbild wäre außerdem eine Sonderwidmung notwendig. Die ÖVP würde darüber hinaus gerne wissen, wer die wesentlichen Entscheidungen trifft, wie religiöses Personal und Betrieb finanziert werden und welche Rolle übergeordnete oder ausländische Organisationen spielen.

In Dornbirn sollen Anlagen für mehr als 150 Besucher künftig nur noch auf entsprechend gewidmeten Flächen zulässig sein. Am Donnerstag (8. Oktober) steht in der Stadtvertretung der Beschluss einer Verordnung für publikumsintensive Veranstaltungsstätten auf der Tagesordnung. Für das ATIB-Projekt wäre anschließend eine eigene Sonderwidmung notwendig.
ATIB selbst war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Anfang August hatte Ramazan Kocaman, Obmann des türkisch-islamischen Kulturvereins, schriftlich versichert, dass das Projekt nach wie vor in Abstimmung mit den zuständigen Stellen sowie im offenen Austausch mit Gesellschaft und Politik weitergeführt werden soll. Ziel sei, “der Öffentlichkeit in weiterer Phase ein sorgfältig ausgearbeitetes und umfassend dargestelltes Projekt präsentieren zu können.“