Punktlandung im Kampf gegen Lawinen

Weiteres Baulos eines Generationenprojekts an Höferspitze/Höferkamm wurde abgeschlossen.
Schröcken Kennen Sie Girsboden? Wenn nicht, ist das keine echte Bildungslücke, denn selbst in Schröcken ist diese Bezeichnung kaum mehr geläufig, obwohl die Walsersiedlung am Fuße des Hochtannbergs vor rund 400 Jahren so hieß. Damals – 1639 – bauten die um 1300 eingewanderten Walser eine Kirche in eben diesem Girsboden. Der Augsburger Weihbischof Sebastian Müller war zur Kirchenweihe angereist und soll den folgenschweren Ausspruch getan haben: “Wahrhaft schrecklich ist dieser Ort – und Schrecken soll er heißen!” Aus Schrecken wurde im Laufe der Zeit Schröcken.

Rechtzeitig abgeschlossen
Im Gegensatz zu den Älplern, die diesen Sommer in den Bergen über Hitze, Dürre und Wassermangel klagten, waren die Bautrupps der Wildbach- und Lawinenverbauung um jeden schönen, heißen Tag froh, denn in Regionen über 2000 m kann es witterungsmäßig schon im Spätsommer auch ganz anders aussehen. So aber war es möglich, das heuer auf dem Projektfeld am Höferkamm vorgesehene Baulos abzuschließen, bevor der Winter dieser Tage leise angeklopft hat. “Wir konnten diesen Abschnitt, auf dem bis dato rund 800 Laufmeter Stahlschneebrücken errichtet wurden, abschließen”, freut sich Gebietsbauleiter Thomas Frandl.

Schmankerl für Technikfreaks
“Wir haben heuer 60 Werke auf das aktuelle Baufeld im Bereich der Höferspitze geflogen, das, was wir uns für 2026 vorgenommen hatten.” In den vergangenen mehr als 20 Jahren wurden hier weit mehr als tausend Werke auf Höferspitze und Höfergrat geflogen – und diesmal gab es für Technikfreaks ein echtes Schmankerl, denn der Transport von der Passhöhe auf den Berg erfolgte mit einer Hubschrauber-Rarität.

Im Einsatz war eine Kaman K-Max K-1200 des US-amerikanischen Herstellers Rotex, die vor allem für den Holztransport aus unwegsamem Gelände eingesetzt wird. Das Spezielle bei diesem Fluggerät, von dem zwischen 1991 und 2023 nur etwa 50 Maschinen produziert wurden: Der K-1200 K-Max ist speziell für den Transport von großen Außenlasten entwickelt worden – und war somit ideal für den Transport am Hochtannberg.

Projekt für Generationen
Das Baulos 2026 ist nur ein kleines Puzzleteil in einer der größten Baumaßnahmen, die jemals in Vorarlberg umgesetzt wurden. Dass von den Lawinenstrichen an der Höferspitze große Gefahr ausgeht, war lange bekannt, trotzdem hatte dieses Projekt keine hohe Priorität. Das änderte sich am 6. Februar 2003, als eine Lawine ins Tal donnerte, zwei Häuser beschädigte und Schutzwald zerstörte. Jetzt wurde das Projekt vorgereiht, und bis 2014 wurden mit Investitionen von mehr als neun Millionen Euro mehr als 6000 Laufmeter Stahlschneebrücken und rund 300 Laufmeter Verwehungsverbauung installiert. Forstwirtschaftliche Begleitmaßnahmen laufen immer noch.

Man glaubte sich damit auf der sicheren Seite, doch wenige Jahre später befanden Experten, dass weitere technische und forstliche Maßnahmen erforderlich sind. Das vom Bundesministerium 2019 ausgearbeitete Generationenprojekt sieht im Rahmen des “Flächenwirtschaftlichen Projekts (FWP) Hochtannberg” neue, umfassende Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen vor. Der Umsetzungszeitraum dieser modernen Phase ist von 2021 bis 2050 angelegt und erfordert weitere – geschätzte – 9,94 Millionen Euro. Vorgesehen ist eine Kombination aus technischen und forstlich-biologischen Maßnahmen, um den nachhaltigen Schutz der Siedlungsgebiete von Schröcken sowie der L 200 gewährleisten zu können. Das Ziel ist, naturnahe, stabile Schutzwälder zu erhalten und zu schaffen. STP
