Zukunft für “Kultur am Bahnhof” ungewiss

VN / 12.10.2026 • 10:40 Uhr
Zum zweiten Mal in diesem Jahr wurde der Bahnhofsvorplatz zur Bühne.
Zum zweiten Mal in diesem Jahr wurde der Dornbirner Bahnhofsvorplatz zur Bühne. Laurence Feider

Am Freitag fand die vorerst letzte Ausgabe des Begegnungsformats statt.

Dornbirn Begegnungen schaffen, Berührungsängste abbauen und Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander ins Gespräch bringen: Das ist das Ziel von “Kultur am Bahnhof”. Martin Hagen, Obmann des Fördervereins für Jugendkultur und Offene Jugendarbeit, ist überzeugt: “Eine friedliche Koexistenz durch gemeinsame Akzeptanz ist möglich, wenn man will – wenn man anderen etwas Gutes unterstellt und nicht nur Misstrauen entgegenbringt.”

Wünschen sich eine Fortsetzung von „Kultur am Bahnhof“: Martin Hagen (Förderverein), Stefan Rainer (OJAD), Roman Zöhrer (Caravan) und Thomas Dietrich (koje).
Wünschen sich eine Fortsetzung von “Kultur am Bahnhof”: Martin Hagen (Förderverein), Stefan Rainer (OJAD), Roman Zöhrer (Caravan) und Thomas Dietrich (koje). Laurence Feider

Erfolgreiche Kooperation

2024 als Pilotprojekt gestartet, fand “Kultur am Bahnhof” auch heuer zweimal statt. “Bahnhöfe waren einst Sehnsuchtsorte. Wir möchten den Dornbirner Bahnhof mit Straßenkunst, kulturellen Angeboten und Begegnungsräumen beleben. Und es funktioniert – wir erleben lächelnde Menschen und Menschen, die miteinander ins Gespräch kommen”, so Martin Hagen. Hinter dem Format stehen neben dem Förderverein die OJAD, die koje und der Verein “Caravan mobile Kulturprojekte”, der für die künstlerischen Acts verantwortlich ist. Mitgetragen wird es von zahlreichen Partnern aus dem Kultur-, Sozial- und Jugendbereich.  

Artisten der Zirkushalle boten Zirkus zum Mitmachen an.
Artisten der Zirkushalle boten Zirkus zum Mitmachen an. Laurence Feider

Positive Stimmung

Auch diesmal bot sich den Passanten auf dem Bahnhofsvorplatz ein buntes Bild. Beim Mitmachzirkus der Zirkushalle Dornbirn waren alle Interessierten eingeladen, erste Jonglierversuche zu machen. Verpflegung gab es von Kaplan Bonetti, OJAD, Ex & Hopp und “Coffee with Cops”. Spannende Begegnungen gab es im “Büro für Arbajteri” des Stadtmuseums Dornbirn und der städtischen Stelle “Zusammenleben in Vielfalt”.

Zwischen zwei Bussen teilte diese Passantin ihre Erinnerungen mit dem „Büro für Arbajteri“.
Zwischen zwei Bussen teilte diese Passantin ihre Erinnerungen mit dem “Büro für Arbajteri”. Laurence Feider

60 Jahre nach dem Anwerbeabkommen zwischen Österreich und Jugoslawien stehen dabei die Lebensgeschichten jener Menschen im Mittelpunkt, die damals nach Vorarlberg kamen, um hier zu arbeiten. “Viele Menschen sind stehen geblieben und haben ihre ganz persönlichen Erinnerungen als frühere Gastarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien mit uns geteilt”, so Barbara Motter.

Die Artisten der Zirkushalle führten Interessierte in die Zirkuskunst ein.
Die Artisten der Zirkushalle führten Interessierte in die Zirkuskunst ein. Laurence Feider
Auch Tellerdrehen konnte ausprobiert werden.
Auch Tellerdrehen konnte ausprobiert werden. Laurence Feider

Das aha war mit einem Glücksrad vertreten und suchte das Gespräch mit den jugendlichen Bahnhofsnutzern. Ebenfalls vor Ort war die Jugendnotschlafstelle anker mit einem Info- und Mitmachstand. Für die musikalische Umrahmung sorgte erneut das Saxophonensemble “I Sax Blos” der Musikschule Dornbirn. Auch das Wetter spielte mit und verstärkte die positive Stimmung am Dornbirner Bahnhof, der in der öffentlichen Wahrnehmung häufig mit negativen Schlagzeilen verbunden ist.

Barbara Motter vom Stadtmuseum hielt die Erzählungen der früheren Gastarbeiter auf Papier fest.
Barbara Motter vom Stadtmuseum hielt die Erzählungen der früheren Gastarbeiter auf Papier fest. Laurence Feider

Förderung gewünscht

Ob es Kultur am Bahnhof auch im kommenden Jahr geben wird, ist noch nicht sicher. Finanziert wurde die Veranstaltungsreihe heuer privat über den Förderverein. Für eine Fortsetzung im kommenden Jahr wünschen sich die Organisatoren auch öffentliche Unterstützung. “Wir würden uns freuen, wenn es seitens der Stadt Dornbirn den sichtbaren Willen zur Fortsetzung dieser Veranstaltung gäbe, die jedes Mal ein Erfolg und ein schönes Beispiel für die Kooperation verschiedener Einrichtungen ist. Wir setzen auf Zusammenarbeit statt Ausgrenzung”, so Martin Hagen. Gerade für die Menschen im Bahnhofsumfeld sei es wichtig, einen “Ort des Ankommens und der beginnenden Beziehungen” zu schaffen. LCF

Beim aha drehten Jugendliche am Glücksrad und sprachen über Dinge, die ihnen wichtig sind.
Beim aha drehten Jugendliche am Glücksrad und sprachen über Dinge, die ihnen wichtig sind. Laurence Feider
Diese Zugfahrerinnen freuten sich über eine feine Gemüsesuppe von Kaplan Bonetti.
Diese Zugfahrerinnen freuten sich über eine feine Gemüsesuppe von Kaplan Bonetti. Laurence Feider
Wer genug Zeit hatte, nutzte die Gelegenheit für eine spontane Schachpartie.
Wer genug Zeit hatte, nutzte die Gelegenheit für eine spontane Schachpartie. Laurence Feider
Kultur am Bahnhof erreicht auch Menschen, die nicht gezielt eine Kulturveranstaltung besuchen.
Kultur am Bahnhof erreicht auch Menschen, die nicht gezielt eine Kulturveranstaltung besuchen. Laurence Feider