Der Gast als Freund, nicht als König

Landgespräche boten interessante Fakten und neue Ideen zum Thema Tourismus im Alpenraum.
Alberschwende Ein Gast muss nicht wie ein König behandelt werden, sondern soll sich als Freund willkommen fühlen. Das betonte Hittisaus Bürgermeister Gerhard Beer zu Beginn der 9. Hittisauer Landgespräche vor gut 350 Zuhörern. Seine Eltern hätten hochrangige kirchliche Vertreter aus aller Welt beherbergt. Auch im Betrieb seiner Frau werde Gastfreundschaft nicht als Behandlung eines Königs, sondern als Begegnung unter Freunden verstanden. Eine Haltung, die den Bregenzerwälder Zugang treffend beschreibt.
Der Tourismusökonom Thomas Bieger von der Universität St. Gallen zeigte, wie fließend die Grenzen zwischen Urlaub, Freizeit und Wohnen geworden sind. Weltweit sind jährlich rund 1,5 Milliarden Touristinnen und Touristen unterwegs. Viele Freizeitangebote und Teile der Infrastruktur für Einheimische werden erst durch den Tourismus finanzierbar. Die Herausforderung besteht darin, dessen wirtschaftlichen Beitrag zu sichern, ohne die Lebensqualität vor Ort aufs Spiel zu setzen.

Weniger Bestellwelt, mehr Unerwartetes
Der Schweizer Philosoph Ludwig Hasler plädierte dafür, Reisen nicht bloß als Abarbeiten einer Wunschliste zu verstehen. Gastgeberinnen und Gastgeber sollten nicht nur Erwartungen erfüllen, sondern Menschen für Neues begeistern – für Erfahrungen, nach denen sie gar nicht gesucht haben.
Lara Hagen vom Hotel Hirschen in Schwarzenberg setzt darauf, Gäste mit dem Dorf, seiner Kultur und dem Alltag der Menschen vertraut zu machen.

Weniger Rummel, mehr Wert
Der Südtiroler Hotelier Michil Costa warb für einen naturverträglichen, regenerativen Tourismus, der eine Region stärkt, statt sie bloß zu nutzen. Sein Ansatz: bewusst begrenzen, statt ständig auszubauen. In seinem Hotel verzichtet er etwa auf einen Wellnessbereich, Coca-Cola und abgefülltes Mineralwasser. Dafür legt er großen Wert auf seine Mitarbeitenden. Selbst die Livemusik gehört zum Konzept: Bevor die Musiker für die Gäste spielen, musizieren sie in der Küche für das Team.

Patrick Schreib von der Hochschwarzwald Tourismus GmbH stellte ebenfalls die Frage, ob wirklich überall immer mehr geboten werden müsse. Der Leitsatz “Hier ist nichts los – auch gut” steht für den Mut, Ruhe und Freiräume als Qualität zu begreifen. Robert Steiger von der Universität Innsbruck zeigte, wie Regionen auf den Klimawandel und sinkende Schneesicherheit reagieren können. Angelika Soyer aus dem Allgäu verdeutlichte, wie Urlaub auf dem Bauernhof Landwirtschaft und Kulturlandschaft stärkt.

Dass zukunftsfähiger Tourismus auch von jungen, engagierten Menschen lebt, zeigten Johanna Raid vom Stadthotel Kleiner Löwe in Bregenz, Lara Hagen (Hotel Hirschen Schwarzenberg) und Sarah Ranak vom Badhus Café und Unverpacktladen in Lingenau. Ihre unterschiedlichen Ansätze verdeutlichen, wie viel Kraft in eigenständigen Ideen und echter Begeisterung steckt. Kultur, Architektur, Handwerk und regionale Küche sind dabei keine touristische Dekoration, sondern Ausdruck eines lebendigen Lebensraums.
Die Landgespräche machten deutlich: Tourismus muss vom guten Leben vor Ort ausgehen. Denn ein Ort, an dem Einheimische nicht mehr gerne leben, verliert auf Dauer auch für Gäste an Anziehungskraft.
Raum für neue Ideen
Nach neun Ausgaben möchte Markus Faisst den Blick auch auf die Zukunft der Hittisauer Landgespräche richten. Er bedankt sich bei allen treuen Unterstützerinnen und Unterstützern und möchte die Weiterentwicklung des Formats gerne in jüngere Hände legen. Den Übergabeprozess will er weiterhin begleiten.







