Ist der Tourist auch ein Gast?

Land Gespräche Hittisau stellen die Frage, wie der Tourismus künftig gestaltet werden kann.
Hittisau Ist jemand Tourist oder Gast? Die Frage mag banal klingen. Der Unterschied, wie man einen Urlauber wahrnimmt, ist aber größer, als es scheint. Denn wenn ein Gast willkommen sein soll, stellt sich zwangsläufig die Frage, was man ihm bieten möchte und was davon auch den Menschen zugutekommt, die hier leben. Sind neue Wege, Bahnen, Freizeiteinrichtungen ausschließlich für Besucher da? Oder erhöhen sie ebenso die Lebensqualität der Einheimischen?

Es hat sich was geändert
Der Tourismus hat den Alpenraum maßgeblich geprägt. Er hat Arbeitsplätze geschaffen, Wohlstand gebracht. Trotzdem hat sich etwas verändert: Höhere Gästezahlen, mehr Verkehr, steigender Flächenverbrauch und der Ausbau von Infrastruktur stoßen zunehmend auf Skepsis. Die Frage lautet deshalb längst nicht mehr nur: Wie viel Tourismus verträgt eine Region? Sondern auch: Welchen Tourismus wollen wir überhaupt? Mit dieser Frage beschäftigen sich die 9. Land Gespräche Hittisau am Samstag, 17. Oktober, unter dem Titel “Noch Gast? Tourismus und Gesellschaft im Alpenraum”.

Keine einfachen Antworten
“Geht es in jedem Konflikt nur darum, wer wem dient, oder könnte auch eine Win-win-Situation daraus werden?”, stellt auch Markus Faißt, der die Land Gespräche gemeinsam mit Johann Steurer und Hermann Hagspiel mit viel Engagement initiiert hat, eine weitere Frage. Denn das Veranstaltungsformat will auch diesmal keine einfachen Antworten liefern. Vielmehr ist der Anspruch, unterschiedliche Interessen und Sichtweisen in einen Raum zu bringen: wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso wie Perspektiven von Menschen, die unmittelbar mit Tourismus leben und arbeiten.

Empirisch und praxisnah
Entsprechend breit ist das Spektrum der Vortragenden. Thomas Bieger, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Tourismus an der Universität St. Gallen, und Robert Steiger, Professor für Volkswirtschaftslehre in Innsbruck, der Südtiroler Hotelier Michil Costa, Patrick Schreib, Geschäftsführer der Hochschwarzwald Tourismus GmbH, oder Angelika Soyer, Vorsitzende von “Blauer Gockel – Mir Allgäuer”. Dazu kommen mit Lara Hagen (Hotel Hirschen, Schwarzenberg), Sarah Ranak (Badhus, Lingenau) sowie Johanna Raid (Stadthotel Kleiner Löwe, Bregenz) junge Stimmen aus der Region. Den Bogen zwischen den einzelnen Perspektiven spannt erneut der Philosoph Ludwig Hasler.

Für Gestalter und Kritische
Das Format ist dafür bewusst großzügig angelegt: Viereinhalb Stunden lang wird im Ritter-von-Bergmann-Saal in Hittisau diskutiert. Abseits des üblichen Veranstaltungstempos und ohne den Anspruch, am Ende eine einzige Lösung präsentieren zu müssen. Die Veranstaltung richtet sich an Menschen, die Tourismus gestalten, ebenso wie an jene, die ihm kritisch gegenüberstehen oder selbst unmittelbar davon betroffen sind. Einige Karten sind noch erhältlich.
Eine Anmeldung ist erforderlich und kann unter 05513-6209-250 oder tourismus@hittisau.at erfolgen.