Selbstfahrender Bus in Wolfurt: Das sagen die ersten Mitfahrer

VN / 20.10.2026 • 11:24 Uhr
Selbstfahrender Bus in Wolfurt: Das sagen die ersten Mitfahrer
Der 10-jährige Samuel Tissardi konnte es kaum erwarten, mit dem vollautomatisierten Bus zu fahren.Roland Paulitsch

Seltsam, wenn sich das Lenkrad von alleine dreht? Wann der Sicherheitsfahrer noch eingreifen muss und wie sich die Fahrt für Passagiere anfühlt.

Wolfurt “Es ist komisch, aber cool”, sagt der zehnjährige Samuel Tissardi am Montag zu dem selbstfahrenden ÖBB-Postbus, der seit Neuestem im Industriepark Wolfurt fährt. Er wartete schon sehnsüchtig darauf, endlich einmal mitfahren zu können. In dem vollautomatisierten E-Bus dreht sich das Lenkrad größtenteils von allein. Ein Sicherheitsfahrer wie Muhamed Dulic (32) ist allerdings noch unerlässlich.

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Interessierte Mitfahrer

“Er wirkt fast wie ein normaler Bus”, meint der Wolfurter Tissardi. “Er fährt langsam, aber das kann ich verstehen.” Auf Hauptstraßen erreicht der Bus eine Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h. An gewissen Stellen fährt er nur um die 10 km/h. Obwohl er hin und wieder ruckartig stehen bleibt, fühlt sich Tissardi sicher. “Ich finde es toll, dass die Technik schon so weit ist.”

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Vor allem den Bildschirm inmitten des Fahrzeuges findet Samuel Tissardi spannend: Darauf sind die Umgebung und der Bus in Echtzeit zu sehen. Roland Paulitsch

Auch Nico Hauser (24) aus Bregenz fühlt sich sicher und findet es sehr gut, dass nun ein Bus zu den Industriestandorten fährt. Der Doppelmayr-Mitarbeiter nutzt ihn unter anderem, um zu den Gastronomiebetrieben zu gelangen. Er hätte genauso wie Tissardi keine Bedenken, in Zukunft auch ohne Sicherheitsfahrer an Bord mitzufahren, sobald die Technik ausgereifter ist. Aktuell ist aufgrund der österreichischen Rechtslage noch ein menschlicher Mitarbeiter erforderlich. Der Busbetreiber Postbus geht davon aus, dass ab 2030 stufenweise ein fahrerloser Regelbetrieb möglich sein wird.

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Nico Hauser ist an Bord, um zu den Gastronomiebetrieben zu gelangen. VN

Sicherheitslenker  

Montag war der offizielle Start für Vorarlbergs ersten vollautomatisierten E-Bus im Regelbetrieb. Er fährt vom Wolfurter Bahnhof eine Runde über das Meusburger-Areal und die Kesselstraße, vorbei am Doppelmayr-Hauptquartier (HQ) und wieder zurück. An den Fahrplan kann er sich aktuell noch nicht halten. “Entweder müssen wir die Geschwindigkeit erhöhen oder die Haltestellenzeiten anpassen”, sagt Dulic.

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Bislang gab es innerhalb des Gewerbegebiets Wolfurt keine derartige Busverbindung.Roland Paulitsch
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Am ersten offiziellen Betriebstag konnte der Bus die vorgesehenen Fahrzeiten noch nicht einhalten. VN

Für ihn als Sicherheitsfahrer ist es ebenfalls der erste offizielle Tag. Er arbeitet seit neun Jahren als Busfahrer. Für den Einsatz im vollautomatisierten Bus absolvierte er eine zweitägige Schulung. Nicht nur aufgrund der Rechtslage, sondern auch aufgrund der Technik ist er als Sicherheitsfahrer zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht wegzudenken. Er muss dem Bus zum Beispiel helfen, wenn Hindernisse die vorgesehene Strecke versperren. Auch bei starkem Nebel am Morgen war sein Einsatz gefragt. Nicht, weil der Bus beinahe einen Unfall verursacht hätte, sondern weil er aus Vorsicht stehen geblieben ist.

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Muhamed Dulic ist seit neun Jahren Busfahrer und seit Neuestem auch Sicherheitsfahrer.Roland Paulitsch
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Aufgrund dieser Hindernisse kam der Bus nicht weiter. VN

Auch starker Regen und Schnee sind für die Technik aktuell noch eine Herausforderung. Laut Sanem Uytan (26) muss dafür die Software verbessert werden. Sie ist Spezialistin für autonome Fahrsysteme beim türkischen Hersteller Otokar und in der Anfangsphase ebenfalls vor Ort, um bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen.

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Spezialistin für autonome Fahrsysteme Sanem Uytan ist in der Anfangsphase noch mit an Bord.Roland Paulitsch

Ein weiterer Punkt, bei dem die Menschlichkeit des Sicherheitsfahrers noch von Vorteil ist: wenn ein Fahrgast zur Haltestelle eilt, um noch einzusteigen. Der Bus kann solche Situationen bislang nicht einordnen.

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Angst, dass solche Busse den Busfahrern Jobs wegnehmen, hat Muhamed Dulic aktuell nicht. Roland Paulitsch

Hintergründe

Laut Postbus ist der vollautomatisiert fahrende Bus derzeit um rund 80 Prozent teurer als ein vergleichbarer E-Bus. Genaue Kosten möchten die Zuständigen nicht bekannt geben. Das Fahrzeug soll von ÖBB-Postbus aus Eigenmitteln finanziert worden sein.

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Für ÖBB-Postbus stehen nicht die Kosten im Vordergrund, sondern die Möglichkeit, frühzeitig Erfahrungen mit dieser neuen Technologie für die Zukunft zu sammeln.Roland Paulitsch

Aktuell ist die Fahrt mit dem Bus für jeden kostenlos. Ziel ist es einerseits, die Technologie unter realen Bedingungen zu testen und Erkenntnisse für künftige Einsätze zu sammeln. Andererseits soll der Bus dauerhaft im Gewerbegebiet fahren. Dazu laufen aktuell Verhandlungen mit dem Vorarlberger Verkehrsverbund, um eine Beauftragung für den Betrieb der Linie zu erreichen.

Aktueller Busfahrplan:

Wann? Montag bis Freitag zwischen 4.55 und 8.25 Uhr sowie von 10.39 bis 17.09 Uhr und von 19.25 bis 23.09 Uhr. Ungefähr im 15- bis 20-Minuten-Takt.

Route? Wolfurt Bahnhaltestelle, Mobility-Hub, Meusburger-Areal, Kesselstraße, Steinerne Brücke, Doppelmayr-HQ, Senderstraße, Hauptpostamt.

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