Wenn jahrhundertealte Worte zu Musik werden

Gerda Poppas Uraufführung prägte die Rankweiler Basilikakonzerte.
Rankweil Ein außergewöhnliches Klangerlebnis erwartete die Besucher der Rankweiler Basilikakonzerte. Beim vorletzten Konzert des Jahres 2026 stand der Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi im Mittelpunkt. Anlass war dessen 800. Todestag. Besonders die Uraufführung des Werkes “Dein ist das Lob” der Vorarlberger Komponistin Gerda Poppa hinterließ bleibenden Eindruck.

Der Sonnengesang zählt zu den bedeutendsten Texten des Heiligen Franz von Assisi. Darin preist er die Schöpfung, die Verbundenheit des Menschen mit der Natur und die Geschwisterlichkeit aller Lebewesen. Diese zeitlosen Gedanken bildeten den roten Faden eines hervorragend besuchten Konzertabends, der musikalisch einiges zu bieten hatte.
Im Zentrum stand die vollständige Vertonung des “Canticum fratris solis” durch Gerda Poppa, die mit dem Kompositionspreis des Landes Vorarlberg ausgezeichnet wurde. Mit “Dein ist das Lob” schuf sie ein vielschichtiges Werk, das die jahrhundertealten Verse in eine eindringliche musikalische Sprache übersetzt.
Besonders bemerkenswert war das fein abgestimmte Zusammenspiel von Rhythmus, Harmonik und Klangfarben. Wiederkehrende Sekundreibungen verliehen der Komposition einen unverwechselbaren Charakter und sorgten für einen starken musikalischen Zusammenhalt. Wechselnde Dynamik und die differenzierte Verteilung der musikalischen Stimmen ließen die einzelnen Textpassagen lebendig werden.
Für die Uraufführung standen mit der Altistin Veronika Dünser, der Flötistin Anja Nowotny-Baldauf, Gerda Poppa an der Orgel und dem Frauenchor Memento unter der Leitung von Michael Fliri versierte Musikerinnen und Musiker auf der Bühne. Gemeinsam verliehen sie dem anspruchsvollen Werk Ausdruckskraft und emotionale Tiefe.
Auch das übrige Programm überzeugte mit musikalischer Vielfalt. Werke von Hermann Seidl, Cécile Chaminade und Ulrich Knörr setzten in unterschiedlichen Besetzungen weitere Akzente. Einen besonderen Rahmen bildete die selten aufgeführte “Messe modale” von Jehan Alain, die den Konzertabend eröffnete und beschloss.
Die Begeisterung des Publikums zeigte, wie eindrucksvoll die Verbindung von jahrhundertealter Spiritualität und zeitgenössischer Musik gelingen kann. Die Rankweiler Basilikakonzerte boten damit einen Abend, der noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. VN-TK