Ein moderner Kirchenbau mit historischen Elementen

50 Jahre neue Pfarrkirche in Klösterle nach Plänen von Clemens Holzmeister.
Klösterle Die von Clemens Holzmeister geplante Pfarrkirche zum hl. Johannes dem Täufer ist bereits der dritte Sakralbau mit diesem Patrozinium in Klösterle. Anstelle der 1332 geweihten Kirche erfolgte 1609 ein Neubau, der in einer Chronik festgehalten wurde. Der 1666 ergänzte Turm besteht bis heute. Die aus dem 17. Jahrhundert stammende Kirche war trotz vieler Instandsetzungsarbeiten baufällig geworden. Pfarrer Bernhard Manser, der ab 1967 in Klösterle, Langen und Stuben tätig war, befasste sich daher bald nach seinem Amtsantritt mit einem Um- oder Neubau. Ein Kostenvoranschlag ergab rasch, dass die zweite Variante zielführender sein würde.
Pfarrer Manser, der schon 1968–1970 die Errichtung des neuen Pfarrhofes in Klösterle verantwortet hatte, widmete sich mit seiner ganzen Schaffenskraft dem Kirchenneubau. Ziel war es, einen für das Ortszentrum repräsentativen Kirchenbau zu erhalten. Dafür wurde 1972 ein Kirchenbauausschuss gegründet. Vier ausgewählte Architekten wurden zur Einreichung von Entwürfen geladen. Der einzige Plan kam schließlich von dem zu diesem Zeitpunkt schon fast 90-jährigen Prof. Clemens Holzmeister.

Nach einigen Adaptierungen begannen im Juli 1974 die Bauarbeiten, die durch den folgenden, früh einsetzenden Winter verzögert wurden. Holzmeisters Konzept sah die Erhaltung des barocken Kirchturms und eine neue Ausrichtung der Kirche von West-Ost auf Süd-Nord vor. Die liturgischen Neuerungen des II. Vatikanischen Konzils wurden bei der Innengestaltung berücksichtigt. Das Inventar stammt größtenteils aus der Vorgängerkirche. Die Weihe der neuen Kirche erfolgte im Juli 1976 durch Diözesanbischof Bruno Wechner. Friedrich Achleitner würdigte den Bau mit folgenden Worten: “Die Kirche von Klösterle ist eine der letzten Neuplanungen Holzmeisters. Von seiner ersten Kirche in Batschuns bis hierher spannt sich ein weiter Bogen des ununterbrochenen Bemühens, aus der kirchlichen Baukultur des alpinen Raumes heraus Bauten zu entwickeln, die seiner Auffassung von Landschaft entsprechen und auch als solche verstanden werden.”
Clemens Holzmeister
Der bedeutende Architekt Clemens Holzmeister stammte aus Fulpmes im Tiroler Stubaital, wo er 1886 geboren wurde. Seine internationale Herkunft – sein Vater war als Sohn einer Auswandererfamilie in Brasilien geboren und nach Tirol zurückgekehrt – spiegelte sich in seinen beruflichen Stationen als Architekt. Nach seinem Studium in Wien arbeitete er als Lehrer in Innsbruck und in einem Architekturbüro mit Luis Trenker. Seinen Durchbruch erzielte er mit der Berufung als Professor an der Wiener Akademie für bildende Künste. Daneben entfaltete er eine vielfältige Tätigkeit, unter anderem für den neuen türkischen Staat in Ankara. Nach seiner Entlassung an der Wiener Akademie übersiedelte er nach Istanbul und war für einige Monate in Brasilien tätig. Später erfolgten die Rückkehr nach Österreich und ein vielfältiges Schaffen im öffentlichen Bereich. Holzmeister hat zahlreiche Schüler ausgebildet. In Vorarlberg plante er schon 1922 die Kirche von Batschuns. Später folgten die Kirche Mariahilf in Bregenz und jene von Klösterle. CHT
