Der ORF muss zeigen, warum es ihn braucht

VN / 22.10.2026 • 13:30 Uhr
Bei der VN-Kommentatorenreihe in St. Arbogast war am Mittwochabend Wolfgang Burtscher zu Gast.
Bei der VN-Kommentatorenreihe in St. Arbogast war am Mittwochabend Wolfgang Burtscher zu Gast. VN/Steurer

VN-Kommentator Burtscher sprach über die Bedeutung des ORF in einer sich ändernden Zeit.

Götzis Wie sieht die Zukunft des ORF aus? Welche Folgen haben die angekündigten Einsparungen, und wie erreicht der öffentlich-rechtliche Rundfunk künftig ein junges Publikum? Diese Fragen standen am Mittwochabend im Mittelpunkt der Vortragsreihe “VN-Kommentatoren im Gespräch”, zu der die VN und das Bildungshaus St. Arbogast eingeladen hatten. Zu Gast war Wolfgang Burtscher, langjähriger Journalist und ehemaliger ORF-Landesdirektor in Vorarlberg. Im Gespräch mit VN-Politikchef Michael Prock gab er Einblicke in die Herausforderungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und kritisierte die politische Kommunikation der Landesregierung.

VN-Kommentator Wolfgang Burtscher war zu Gast in St. Arbogast.
VN-Kommentator Wolfgang Burtscher war zu Gast in St. Arbogast. VN, Steurer

ORF muss schlanker werden

93 Millionen Euro weniger sollen dem ORF ab dem kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Für Burtscher ist klar, dass der Spardruck Veränderungen notwendig macht. Viele Strukturen seien über Jahrzehnte gewachsen und entsprächen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Der ORF müsse schlanker und effizienter werden. Veränderungen erwartet Burtscher ebenso im journalistischen Alltag. Redakteure werden verstärkt mehrere Arbeitsschritte selbst übernehmen müssen. Die Zukunft der Landesstudios sieht er dennoch gesichert. Gerade die regionale Berichterstattung sei ein entscheidender Vorteil gegenüber ausländischen Mitbewerbern. “Jeder zweite Bürger in Österreich schaut um 19 Uhr Bundesland heute an”, betonte er. Gleichzeitig müsse der ORF der Bevölkerung stärker vermitteln, weshalb es einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk brauche. Als Beispiel nannte Burtscher die Schweiz: Dort sei es gelungen, den Wert unabhängiger Berichterstattung sichtbar zu machen und damit Widerstand gegen eine Abschaffung der Gebührenfinanzierung zu mobilisieren.

Wolfgang Burtscher stellte sich den Fragen des Publikums und VN-Politikchef Michael Prock.
Wolfgang Burtscher stellte sich den Fragen des Publikums und VN-Politikchef Michael Prock. VN/Steurer

Junge Menschen erreichen

Eine zentrale Herausforderung ist der veränderte Medienkonsum junger Menschen. Nachrichten werden bei ihnen immer seltener zu fixen Sendezeiten im Fernsehen verfolgt. Der ORF muss deshalb dort präsent sein, wo sich die junge Generation informiert. Der neue ORF-Chef Clemens Pig plane dafür auch Formate, die ausschließlich über soziale Medien ausgespielt werden. Auch der seit Kurzem bestellten Landesdirektorin Julia Ortner traut Burtscher zu, diesen Wandel mitzugestalten. Als frühere Leiterin von ORF.at bringe sie viel Erfahrung aus der digitalen Medienwelt mit. Zudem begrüßte er, dass erstmals eine Frau an der Spitze des ORF steht.

Kritik an Politik und Desinformation

Die Frage nach politischen Einflüssen auf die Berichterstattung beschäftigte das Publikum. Während seiner eigenen Zeit als ORF-Chef sei er weitgehend von politischen Interventionen verschont geblieben. Eine Gefahr sieht Burtscher im unkritischen Konsum von Nachrichten über soziale Medien. Viele Menschen halten Inhalte, die sie dort lesen, vorschnell für wahr. Umso wichtiger sind verlässliche Medien und eine unabhängige journalistische Einordnung. Burtscher kritisierte die Kommunikation der Vorarlberger Landesregierung bei der Spitalsdiskussion und beim Naturschutz. Er wünscht sich Politiker, die Position beziehen und den Mut haben, notwendige Reformen anzupacken. Gleichzeitig ortet er auf Landes- und Bundesebene Nachwuchsprobleme in der Politik.

Wolfgang Burtscher sprach über den veränderten Medienkonsum und wie der ORF zukünftig auch junge Menschen erreichen müsse.
Wolfgang Burtscher sprach über den veränderten Medienkonsum und wie der ORF zukünftig auch junge Menschen erreichen müsse. VN/Steurer

Das VN-Kommentatorengespräch wurde erstmals aufgezeichnet. Dieses wird nächsten Donnerstag um 17 Uhr bei Ländle TV ausgestrahlt. Schon in drei Wochen gehen die Gespräche mit dem nächsten VN-Kommentator weiter. Am Freitag, 13. November, um 17 Uhr ist Christian Rainer zu Gast in St. Arbogast. BVS