“Naturschutz ist auch Menschenschutz”, sagt Klima-Guide Silke Villotti

VN / 23.10.2026 • 12:17 Uhr
Klima Guide Silke Villotti spricht von niederschmetternden Einschnitten beim Naturschutz seitens der Landesregierung.
Klima-Guide Silke Villotti spricht von niederschmetternden Einschnitten beim Naturschutz seitens der Landesregierung. Bernadette von Sontagh

Lustenauer Expertin warnt vor Änderungen zulasten des Naturschutzes.

Lustenau. Mit Unverständnis blickt die Lustenauer Naturführerin und Klima-Guide Silke Villotti auf die geplanten Änderungen der Vorarlberger Landesregierung im Bereich Naturschutz. “Das ist sehr niederschmetternd”, sagt sie, während ihr Blick am Alten Rhein über eine geschützte Moorwiese wandert. Vieles von dem, was sie Menschen bei ihren Führungen über die Bedeutung intakter Naturräume vermittelt, sieht sie dadurch infrage gestellt. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und zunehmender Extremwetterereignisse braucht es laut Villotti mehr denn je intakte Ökosysteme. Dürren, Ernteausfälle und Starkregen stellen nicht nur die Natur und die Bevölkerung vor Herausforderungen, sondern haben auch wirtschaftliche Folgen. Für die Expertin ist deshalb klar: Naturschutz und wirtschaftliche Entwicklung hängen eng miteinander zusammen und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Naturschutz als Grundlage für die Entwicklung

“Eigentlich reden wir seit Jahren von grünen Städten und Flächen, die entsiegelt werden müssen, damit sie den Regen aufnehmen können”, sagt Villotti. Umso weniger kann sie nachvollziehen, wenn Bewilligungspflichten etwa beim Bau von Parkplätzen, beim Uferschutz oder bei der Entwässerung von Mooren abgeschwächt werden.

Moore sind wahre Klimaschutzmeister, sie speichern Kohlenstoff und verhindern, dass dieser freigesetzt wird.
Moore sind wahre Klimaschutzmeister, sie speichern Kohlenstoff und verhindern, dass dieser freigesetzt wird. Bernadette von Sontagh

Versiegelte Flächen können Regenwasser nicht aufnehmen. Starkregen begünstigt die Gefahr von Überschwemmungen. Gleichzeitig heizen sich Beton- und Asphaltflächen an heißen Tagen stark auf. Begrünte Flächen hingegen können Wasser speichern und zur Abkühlung beitragen. Auch die Landwirtschaft und der Naturschutz müssen stärker zusammengedacht werden. Der Schutz natürlicher Lebensräume sei kein Hindernis für eine zukunftsfähige Entwicklung, sondern eine wichtige Voraussetzung dafür.

Naturschutz darf keine Nebensache sein. Es betrifft uns alle, auch die Wirtschaft.
Naturschutz darf keine Nebensache sein. Er betrifft uns alle, auch die Wirtschaft. Bernadette von Sontagh

Moore sind Klimaschutzmeister

Moore machen weltweit nur drei Prozent der gesamten Oberfläche aus, speichern aber 30 Prozent des erdgebundenen Kohlenstoffs. “Sie sind wahre Klimaschutzweltmeister”, sagt Villotti. Wenn allerdings das Moor entwässert wird, wird aus dem Klimaschützer schnell ein Klimasünder, da der gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt wird. Das erhöht wiederum die Treibhausgase in der Luft.

Auch Gewässer und ihre Uferbereiche brauchen aus ihrer Sicht besonderen Schutz. Steigen die Wassertemperaturen, geraten zahlreiche Organismen unter Druck. Viele Arten können sich an die raschen Veränderungen nur schwer anpassen. Gehölze entlang der Ufer sorgen für Schatten und tragen dazu bei, die Erwärmung des Wassers zu begrenzen. “Eine Uferbeschattung ist essenziell”, betont Villotti. Statt den Uferschutz abzuschwächen, sollte dieser ihrer Ansicht nach vielmehr ausgeweitet werden.

Wissen als Grundlage für Entscheidungen

Klima-Guide Silke Villotti ist es ein Anliegen, den Menschen zu vermitteln, welche Zusammenhänge zwischen Natur, Klima und dem eigenen Lebensumfeld bestehen. Denn wer die Grundlagen des Klimawandels versteht, kann politische Entscheidungen und deren mögliche Folgen besser beurteilen. Ihr Anliegen ist deshalb klar: Naturschutz darf nicht als Nebensache betrachtet werden. Er betrifft alle und ist untrennbar mit dem Schutz des Menschen verbunden. BVS