Eifersucht, Gewalt und ein rätselhafter Treppensturz: Zeugin belastet Angeklagten

Junge Verlobte spricht von Unfall, Staatsanwältin klagt brutale Gewalt an.
Feldkirch Der 27-jährige türkische Arbeiter will keine Angaben machen. Er weiß: Wenn seine Verlobte nicht aussagt, stehen seine Chancen auf einen Freispruch nicht allzu schlecht. Richter Martin Mitteregger gibt zu bedenken, ob er dabei alle Umstände berücksichtigt. Zwar spricht die 31-jährige, zierliche Deutsche, die mit dem zweifach Vorbestraften wieder zusammen und sogar verlobt ist, von einem Treppensturz mit dem Wäschekorb. Zudem macht sie von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Doch es gibt eine unbeteiligte Zeugin und eine Krankengeschichte – und damit könnte die Causa doch noch ganz anders ausgehen.
Brutal zugerichtet
Der Mann wurde schon einmal verurteilt, weil er eine frühere Lebensgefährtin körperlich verletzt hatte. Offenbar wird er schnell eifersüchtig und neigt zu Gewalt. Im Verhandlungssaal hält das Paar Händchen, doch die Frau macht einen eingeschüchterten, sehr unsicheren Eindruck. „Mein Mandant bleibt dabei, er will keine Angaben machen“, erklärt Verteidigerin Emelle Eglenceoglu nach einem kurzen Vier-Augen-Gespräch mit dem Mann.
Der Vorfall ereignete sich im Mai dieses Jahres in Feldkirch. Sollten die ersten Angaben des Opfers zutreffen, zog der vor Eifersucht tobende Mann die junge Frau an den Haaren ins Zimmer, schlug ihr mehrfach mit der Faust ins Gesicht, stieß sie gegen Wände und zu Boden, würgte sie bis zur Bewusstlosigkeit und zerriss ihr T-Shirt. Blau-violettes Gesicht, beide Augen komplett zugeschwollen, Nasenbluten, ein blutiges Ohr, Prellungen am ganzen Körper und später auch noch ein beschädigtes Auto – so schilderte die Frau zunächst die Folgen des brutalen Ausrasters. „Meine Tochter war mindestens fünf Tage stationär im Spital. Sie sagte, sie sei die Treppe hinuntergestürzt, aber ich habe ihr das nicht so recht geglaubt“, gab die Mutter der Frau vor der Polizei an.
Glaubwürdige Zeugin
Durch Zufall gibt es eine zweite, völlig unbeteiligte Zeugin. Sie arbeitet in der Anmeldung des Bregenzer Spitals. Der 27-jährige Türke fand sich im Juni wegen Herzrasens in der Ambulanz ein. Seine Verlobte brachte ihn dorthin. Im Spital kam es offenbar erneut zu einer Eifersuchtsszene. Dem Mann war die Kleidung seiner Verlobten an jenem heißen Tag zu „freizügig. Laut Anklage drohte er ihr deshalb, sie später richtig zusammenzuschlagen und umzubringen. In einem unbeobachteten Moment rannte die Verlobte zur Anmeldung, bat zitternd um Einlass und versteckte sich in einer Nische. Die Krankenhausangestellte schildert: „Sie sagte völlig verängstigt und zitternd: ‚Er bringt mich um.‘ Ich wusste erst gar nicht, von was die junge Frau redet, war mir aber sicher, dass es nicht gespielt war. Sie hatte Angst, dass er hereinkommen könnte. Ich versicherte ihr, dass man von außen nicht ohne Weiteres hereinkomme. Sie zeigte mir auf ihrem Handy Fotos, die ihr Gesicht zeigten. Sie war kaum zu erkennen.“ Der Krankenhausangestellten erzählte die junge Deutsche auch, dass sie sich bereits im Mai während ihres stationären Aufenthalts einer Ärztin anvertraut habe. Nun holt Richter Martin Mitteregger die Krankengeschichte ein und versucht, diese Ärztin ausfindig zu machen. Danach wird sich zeigen, ob die Version vom „Treppensturz“ hält.