Streiflicht: Das Pech hat einen Namen

Sie hat Zucker und etwas Milch in die Tasse gegeben und eine Praline bereitgelegt. Die Pause wird ihr guttun. Jetzt dampfend heißer Kaffee – nichts geht darüber! Doch die Maschine antwortet kurz und bündig: “Wassertank füllen”. Oder ihr Mahlwerk zerfetzt die letzte Bohne und dreht im kreischenden Leerlauf durch. Oder die Tropfschale läuft über. Irgendwas ist immer. Und vor allem: Immer trifft es sie.
“Warum nur?”, fährt es ihr durch den Kopf. Sie fühlt sich so einsam. Dabei reiht sie sich ein in das Heer der stillen Dulder: Ausgerechnet ihnen fährt der Bus vor der Nase weg. Das letzte Stück ihres Lieblingsgebäcks verschwindet im Mund eines anderen. Verzweifelt starren sie am Ort der Erleichterung auf die leere Papierrolle. Immer trifft es sie. In jedem Büro, in jeder Klasse, in jeder Familie: Überall hadert einer mit dem Schicksal, das ausgerechnet ihn zum Opfer macht.
Ob sie sich eines Tages zusammentun? Protestierend durch die Straßen ziehen? Irgendwann muss es doch genug sein! Schon greift die Hand zum Stift. Presst das Manifest der vom Schicksal Gebeutelten ins Papier. Wütend wird es sein. Umstürzend, gewaltig. Doch dann geht dem Kuli die Tinte aus.