Berglandwirtschaft ist absolut unverzichtbar

Der erste Herbst-Salonvortrag auf Falkenhorst holte die Alpwirtschaft vor den Vorhang.
Bludenz Nach der krankheitsbedingten Absage des für Oktober geplanten Starts in die Herbstsaison der Salonvorträge in der Villa Falkenhorst konnte letzte Woche die Vortragsreihe programmgemäß fortgeführt werden. Rike Stotten vom Institut für Soziologie an der Universität Innsbruck entführte die zahlreich erschienene Zuhörerschaft in die Welt der Alpwirtschaft.
In ihrem kurzen historischen Rückblick über die Geschichte der Berglandwirtschaft im Alpenraum, speziell hier in Vorarlberg, arbeitete die Referentin heraus, dass diese Art der Wirtschaft nicht allein als reine Produktionsform mit speziellen Produkten gesehen werden darf, sondern als eine seit vielen Generationen gepflegte Lebensform, in der das Soziale eine herausragende Bedeutung hat.
Für viele Bauernfamilien ist die Berglandwirtschaft nur ein Teil ihres Arbeitsfeldes, denn dieses erstreckt sich vom Tal über die Maisässe bis zu den Alpen, spielt sich also auf drei verschiedenen Ebenen ab. Das ist seit jeher eine enorme Herausforderung, nicht nur arbeitsmäßig, sondern auch finanziell, weil an allen drei Standorten entsprechende Rahmenbedingungen für die Produktion geschaffen werden müssen. Die heutigen Bergbauern und -bäuerinnen sind ständig auf der Suche nach Innovationen, um im beinharten Wettbewerb mithalten zu können. Das führt teilweise zu Spezialisierungen, bei denen mehr Wert auf Qualität statt auf Quantität gelegt wird, z. B. beim Sura Kees.
In ihren Ausführungen ging Rike Stotten dann genauer ein auf die wichtige Rolle der Berglandwirtschaft in der heutigen Zeit, wo die Auswirkungen des Klimawandels auch in diesem Wirtschaftszweig bereits deutlich spürbar sind. Es geht zum einen um den Erhalt der Biodiversität, zum anderen um den Beitrag zu Klima- und Landschaftsschutz. Vor diesem Hintergrund müssen Anstrengungen unternommen werden, die Identität zu sichern, das Wissen an die nächste Generation nicht nur weiterzugeben, sondern diese auch zu ermutigen, die anspruchsvolle Arbeit engagiert fortzuführen und durch Innovationen zukunftsfähig zu machen. Denn letztlich ist die Berglandwirtschaft für unser Land unverzichtbar, will man die auch für den Tourismus wichtige Alplandschaft nicht preisgeben.
In der eifrigen Diskussion in der zweiten Hälfte der Veranstaltung meldeten sich mehrere Insider zu Wort, die aus erster Hand über die vielfältige, aber eben auch sehr anspruchsvolle Arbeit auf den Alpen berichteten. Überdeutlich wurde dabei, dass es das Zusammenwirken von Politik und Bauernschaft dringend braucht und dass es wünschenswert wäre, wenn die manchmal überbordende Bürokratisierung etwas zurückgefahren werden könnte. Diese Beiträge der anwesenden Bergbauern und -bäuerinnen waren insgesamt eine sehr wertvolle Ergänzung zu den wissenschaftlich fundierten und teilweise auch durch Feldstudien gestützten Ausführungen von Rike Stotten.
Am 2. Dezember geht es um ein historisches Thema: Prof. Kurt Scharr referiert zum Thema „Verfolgung, Repression und Zwangsarbeit in der Sowjetunion der Stalin-Ära“.
