Tunnel für die Skitourengeher

Silvretta-Stausee
ohne Eis: Projekt für wintersicheren Zugang ins Tourengebiet.
Bielerhöhe. Skitourengeher können aufatmen. Die Wiesbadener Hütte bzw. das Tourengebiet in der Silvretta werden auch nach dem Bau des Obervermuntwerks II erreichbar sein. Rund 1,5 Millionen Euro wollen sich die Illwerke VKW den wintersicheren Zugang dorthin kosten lassen. Herzstück des Projekts ist ein etwa 120 Meter langer Tunnel, der im Anschluss an die Staumauer errichtet werden soll. Dahinter wird der bestehende Wanderweg auf vier Meter verbreitert und durch eine sogenannte Berme gesichert. „Nach insgesamt 2,5 verbauten Kilometern dürfte der See wieder eine tragende Eisschicht aufweisen und damit begehbar sein“, zitiert Ing. Markus Burtscher die Experten des Eidgenössischen Instituts für Lawinen- und Schneeforschung in Davos.
Starke Wasserbewegungen
Sie wurden bemüht, um eine „vernünftige Lösung zu finden“, wie der Leiter der Abteilung Liegenschafts- und Gebäudemanagement betont. Nichts zu tun sei nie ein Thema gewesen. Man habe selbst Interesse daran, den Tourismus in der Silvretta weiterzuentwickeln. Zum Thema wurde es allerdings, als die Pläne für das Obervermuntwerk II auf den Tisch kamen. Derzeit ist der Silvrettastausee im Winter von einer durchgehenden Eisschicht bedeckt.
Eisfläche im hinteren Bereich
Nach Inbetriebnahme des Pumpspeicherwerks ist es damit vorbei, was mit den starken Pegelbewegungen des Wassers zusammenhängt. Die machen laut Markus Burtscher einige Meter aus. Das hat zur Folge, dass zumindest der vordere Bereich des Sees eisfrei bleibt. „Im hinteren Bereich kann sich weiterhin eine tragende Eisfläche aufbauen“, so Burtscher. Gasthaus- und Hüttenbetreiber auf der Silvretta sahen allerdings schon ihre Felle davonschwimmen. Sie starteten eine Unterschriftenaktion für den Erhalt einer wintersicheren Verbindung ins Skitourengebiet. Mit fachlicher Unterstützung aus der Schweiz wurde ausgelotet, welche Seite des Stausees eine gute Wintererschließung möglich macht. „Schließlich kam als sicherere Variante die rechte Seite heraus“, schildert Markus Burtscher den Entwicklungsprozess.
Einigung erreicht
Das nun vorliegende Tunnel- und Wegprojekt wurde sowohl von der Wildbach- und Lawinenverbauung als auch vom Landschaftsschutz positiv bewertet. Und es war Bestandteil der Umweltverträglichkeitsprüfung. Außerdem gab es Gespräche mit dem Deutschen Alpenverein (DAV) als Eigentümer der Wiesbadener Hütte. „Hier sind wir ebenfalls zu einer Einigung gekommen“, bestätigt Burtscher. Laut Schätzungen von Gutachtern reduziert sich die Erreichbarkeit der Hütte im Winter um gerade einmal zehn Prozent. Sollte dieser Wert höher sein, werde man die Sache neu prüfen. Mit der Realisierung des Vorhabens wird künftig auch die Mauerkrone des Stausees im Winter voll begehbar sein.
Ersatz für Langlaufloipen
Für die über den See führende Langlaufloipe soll im Bereich der Druckrohrleitungen Ersatz geschaffen werden. „Bei dieser Frage arbeiten wir mit Experten für den nordischen Skisport zusammen“, sagt Markus Burtscher.
Kaufen wollen die Illwerke VKW auch das Madlenerhaus, ebenfalls im Besitz des DAV. Man sei diesbezüglich auf gutem Weg. Während des Kraftwerkbaus soll es den rund 300 Arbeitern als Unterkunft dienen, danach als Berggasthaus weiterbestehen. Das alles kommt aber frühestens 2018 zum Tragen.
Schließlich kam als sicherere Variante die rechte Seite heraus.
Markus Burtscher
Tourismus-Frequenzen 2011
» Vermuntbahn Sommer: 17.000 Personen
» Vermuntbahn Winter: 51.000 Personen
» Silvretta-Hochalpenstraße: 115.000 Personen