Es wird nicht jeder satt

Der Überfluss an Nahrung vernebelt die Sinne für echten Mangel mitten unter uns.
Schwarzach. Der Mensch muss essen. Das Recht auf Nahrung steht als Menschenrecht im Sozialpakt der Vereinten Nationen verankert. Demnach müssten alle Menschen entweder Zugang zu Produktionsmitteln wie Boden, Saatgut und Wasser haben oder ein ausreichendes Einkommen, um Nahrung zu kaufen. Haben sie aber nicht. Nicht einmal in Vorarlberg.
Elmar Stüttler erzählt eine Geschichte. Er macht jetzt mit seinem Team der Initiative „Tischlein deck dich“ jede Woche 470 Familien satt. „Hinzu kommen etwa 300 Klienten der Caritas“, darunter viele Asylwerber. Insgesamt haben so an die 1800 Menschen zu essen, weil sich Elmar Stüttler weigert, Lebensmittel nahe am Ablaufdatum einfach wegzuwerfen. Elmar Stüttler also erzählt eine Geschichte.
Hoch überm Tal
Eine junge Frau hat ihn unlängst angerufen. Zögerlich, ein wenig unbeholfen. Sie lebt mit ihrem Mann und drei kleinen Kindern auf einem Bergbauernhof in 900 Metern Seehöhe. Der Hof gehört ihren Schwiegereltern. Sie bezahlen der jungen Familie 400 Euro im Monat. Die junge Frau hat lange gezögert, Elmar Stüttler anzurufen. Auf dem Gemeindeamt einen Bezugsschein für „Tischlein deck dich“ holen, wollte sie erst recht nicht. Sie schämte sich so. Aber jetzt hatte sie noch genau 20 Euro in der Tasche und deshalb griff sie an diesem 15. November 2012 zum Telefon.
Eine Freundin von ihr hat dann bei Elmar Stüttler Lebensmittel geholt und auf den Bergbauernhof gebracht. „Am Abend dieses Tages rief mich die Bäuerin an“, erzählt Stüttler. Sie saß nach eigenen Worten mit ihren Kindern inmitten aller Einkäufe auf dem Küchenboden und ihr Sohn machte sich daran, die ganze Pracht und Herrlichkeit zu zeichnen. „Das Bild schick ich Ihnen“, versprach die Frau, für die an diesem Tag „Weihnachten und Ostern“ zusammentrafen.
Elmar Stüttler und seine 250 Ehrenamtlichen können helfen, weil Lebensmittelketten ihnen Ware schenken. Um „ganz einfache Zusatzherde für Holzfeuerung“ wird er dieser Tage oft gebeten. Wer also so einen übrig hat, findet über Stüttler dankbare Abnehmer.

Ruß-Preis-Träger Elmar Stüttler
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