Was Verbraucher wirklich wollen

88 Prozent der Konsumenten wünschen sich naturbelassene Lebensmittel.
Schwarzach. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion in Vorarlberg um die Probleme bei der Käsebereitung in einigen Sennereien sowie um Düngepraktiken, die bei vielen Landwirten auf Skepsis stoßen, können sich die Bauern nun ein Bild davon machen, was jene Menschen vom Bauernstand erwarten, die in den Geschäften an der Käsetheke ordern oder ins Kühlregal greifen.
Beim Stammtisch der VN, der vergangene Woche in Wolfurt stattfand, wurde von zahlreichen Bauernfunktionären und einigen Hühnerdung-Händlern nämlich doch die Meinung vertreten, dass überhaupt kein Anlass bestünde, auf den umstrittenen Dung zu verzichten. Und gebetsmühlenartig werden in offiziellen Stellungnahmen der Landwirtschaftskammer jene zitiert, die zwar einen Zusammenhang zwischen Hühnerdungpellets und Käsefehler bestreiten, aber in letzter Konsequenz doch die Untersuchungen abwarten wollen, wie z. B. die Herren der Bundesanstalt für Alpenländische Milchwirtschaft Rotholz. Die nachgereihten Funktionäre und Angestellten der Kammer hinken allerdings hinterher. Landwirtschaftskammer-Präsident Moosbrugger hat längst und ganz klar erklärt, dass die Vorarlberger Landwirtschaft auf Hühnerdung gut verzichten könne. Ein Statement, das die Marktforscher von KeyQuest mit Zahlen untermauern können.
In der Studie stand neben anderen Fragen das Thema der „gewünschten oder präferierten Form der Landwirtschaft der Österreicher“ im Mittelpunkt. Studienautor Johannes Mayr: „Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich, dass für die Österreicher vor allem eine möglichst umweltverträgliche und umweltschonende Landwirtschaft oberste Priorität hat. Vor die Wahl gestellt, sich für ein idealtypisches Modell entscheiden zu müssen, würden sich 88% der Österreicher für eine „Landwirtschaft entscheiden, die sich auf die Erzeugung naturbelassener Lebensmittel sowie möglichst umweltschonende Produktionsverfahren gleichermaßen fokussiert“.
Alternativmodell wenig beliebt
Das Alternativmodell, „eine Landwirtschaft, die durch Einsatz von Agrartechnik und Hilfsstoffen den Ertrag maximiert, um vor allem billige Lebensmittel zu produzieren“, ist dagegen nur für 7% die bevorzugte Variante. Das ist etwas mehr als der Bevölkerungsanteil der Bauern in Österreich.
Abgefragt wurde von den Meinungsforschern auch, ob die Konsumenten bereit sind, für Produkte aus einer umweltschonenden Landwirtschaft mehr zu bezahlen. Denn das wird von den Bauern vehement in Zweifel gezogen. Die Antwort ergab das Gegenteil: Demnach sind 77 % bereit, mehr für Produkte aus einer umweltschonenden Landwirtschaft zu bezahlen.
Genauso sensibel reagieren die Verbraucher aber auf Misstöne: Stellt sich heraus, dass ein Lebensmittel nicht den hohen Anforderungen entspricht, lassen sie die Finger davon. Arbeiterkammer-Konsumentenschützerin Karin Hinteregger in der Diskussion mit den Bauern: „Der Konsument stimmt am Verkaufsregal ab, da nützt es nichts, wenn man ihnen die Verantwortung für falsche Düngung und verdorbenen Käse zuschieben will.“
Wenn alles nach den Vorstellungen der Befragten läuft, dann sind sie auch bereit, Förderungen zu bezahlen: 69 Prozent der Österreicher sind dafür, die Biolandwirtschaft mit einer besonderen Förderung zu unterstützen. Das Ergebnis dieser Umfrage könnte für Vorarlbergs Agrarstrategen sein, die Ökoland-Strategie nach den Wünschen der Konsumenten auzurichten.
Der Konsument stimmt am Verkaufsregal ab.
Karin Hinteregger