„Den Erlöser angenommen“

Vorarlberg / 04.12.2012 • 21:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Seit sie sich intensiv mit der Bibel auseinandersetzt, „ist es, als hätte ich eine andere CD im Kopf.“ Foto: VN/Matt
Seit sie sich intensiv mit der Bibel auseinandersetzt, „ist es, als hätte ich eine andere CD im Kopf.“ Foto: VN/Matt

Monika Hofer fand in der Evangelikalen Kirche verschüttete Zugänge zu Gott wieder.

Lustenau. „Aber ich hab mich gebessert.“ Ein ansteckendes Lachen bemächtigt sich der ganzen Person, wenn Monika Hofer an die ersten Monate denkt, nachdem sie Jesus „als ihren Erlöser angenommen“ hatte. „Es fühlte sich an wie verliebt sein.“ Bibel und Gott – so lange hatte sie das nicht betroffen. Und jetzt verwickelte sie selbst den Polizisten, der während eines Festes spätnachts mit der Bitte um Ruhe vorbeischaute, in ein Gespräch über Gott. Und schindete so nebenbei noch eine unbeschwerte Stunde für die Gäste heraus. „Aber, ich habe mich gebessert.“

Kaum vorstellbar

Die 49-jährige diplomierte Europasekretärin hat eine Vorarlberger Bilderbuchjugend hinter sich. Gutes Elternhaus, katholisch. Erst im Privatgymnasium Riedenburg, dann auf die Akademie nach Wien. Da fehlte nix. Gott wäre beinah im Weg gewesen. „Dass der da vorn, über dem Altar, einen Durchblick in meinem Leben haben sollte, war mir unvorstellbar.“ Eine Freundin, die abends immer mal wieder über Gott sprach und unentwegt die Bibel zur Hand hatte, „hat mich mächtig aufgeregt“. Und doch auch angezogen. Sonst wäre Monika Hofer nicht eines Tages hingegangen zur Bibelstunde der „Internatio­nalen Vereinigung Christlicher Geschäftsleute“.

Nach und nach gab sie ihren Widerstand auf und begann das Buch der Bücher zu lesen. Sie unterstrich, was sie beeindruckte, setzte Fragezeichen hinter Unverständliches, „und was an voller Witz“ schien, erhielt einen Blitz als Warnzeichen. Tausende Seiten später hatte sich Monika Hofer darauf verständigt: „Gott gibt es.“ Zusatz: „Wie er das alles macht, kann ich mir nicht vorstellen.“

Direkte Abstammung

Kann sie das heute? Monika Hofer hat hinterfragt, „wie die Saurier wohl auf die Arche kamen“ und nachgerechnet, „wie lange die hochschwangere Maria unterwegs war auf dem Weg zur Volkszählung“. Sie glaubt daran, dass die Menschen sich bis zum allerersten Paar im Paradies zurückführen lassen. Das Leben an sich scheint ihr so wunderbar, dass sie nicht an die Ursprünge rühren mag.

„Gott und Mensch sollten ursprünglich im Paradies miteinander Gemeinschaft haben, aber der Mensch entschied sich anders.“ Jesus habe den Weg zurück geebnet, sagt Monika Hofer mit Bestimmtheit und zeichnet ein Kreuz derart auf ein Blatt Papier, dass der Querbalken eine Brücke bildet zwischen Gott und dem Menschen. „Der Mensch sehnt sich nach diesem Daheim“, dessen ist sie sich sicher.

Die Frage, welche Religion nun die richtige ist, scheint ihr dagegen irrelevant. Mit ihrer türkischen Nachbarin verbindet sie eine Freundschaft. Der Freien Evangelikalen Gemeinde in Dornbirn gehört sie an, lässt es aber ihren beiden Söhnen offen, auch hinzugehen. Am meisten wünschte sie sich, „dass wir offener und weniger eingefahren durchs Leben gehen“.

Evangelikale

Die Freie Evangelikale Gemeinde in Dornbirn (FEG) feierte 2011 ihren 20. Geburtstag. Die evangelikale Bewegung geht auf das 19. Jahrhundert zurück und zählt heute rund 600 Millionen Christen, wenn man die Pfingstler und die charismatische Bewegung dazuzählt. Gemeinsam ist ihnen allen eine sehr persönliche Beziehung zu Jesus Christus und zur Grundlage ihres Christentums.