„Arbeit muss Sinn haben“

Für Caritas-Seelsorger Elmar Simma ist Erwerbsarbeit nur eine Seite der Medaille.
Feldkirch. Jeder Mensch braucht Arbeit. Stimmt das denn? Lange galt nur der als freier Mann, der seinen Lebensunterhalt eben nicht durch Arbeit verdienen musste. „Und im Schöpfungsbericht“, ergänzt Caritas-Seelsorger Elmar Simma, „wird der Mensch nachgerade zur Arbeit verurteilt.“ Das ist die eine Seite der Medaille. Die Pflicht, das „Muss“. Das lateinische Wort für „Muße“ lautet „negotium“, also „ohne Pflicht“.
Die andere Seite derselben Medaille findet Simma im schöpferischen Tun, und er ist überzeugt: „Jeder Mensch hat das Grundbedürfnis, sein Leben zu gestalten. Er will geliebt sein und anerkannt und schöpferisch tätig werden. Wieder zieht er das Buch Genesis der Bibel zum Beweis heran. An das Ende eines jeden Tages stellt es das Ergebnis: „Und es war gut so.“ Fast spürbar folgt hier eine wohlverdiente Ruhe der schöpferischen Tat.
Nichts tun geht nicht
Wenn also heute die Menschen davon träumen, mit einem Lottogewinn ihrem Alltag zu entfliehen, glaubt Simma, dass sie sich von ihren Verpflichtungen, vom Druck und Stress befreien wollen. Aber nicht vom Tun an sich. Denn „nur Nichtstun führte schnurstracks in öde Langeweile“.
Simma empfindet es als Grundübel unserer Gesellschaft, „dass wir Arbeit nur als Erwerbsarbeit gelten lassen“. Das degradiert die Arbeit als Mittel zum Zweck. In dieser engen Sicht geht es nur noch ums Geld. „Natürlich wollen wir uns nicht nur die Butter aufs Brot verdienen, sondern auch Marmelade dazu.“ Aber der Mensch braucht vor allem „eine sinnerfüllte Arbeit“.
Simma denkt an die Bauern, „als sie noch nicht wie Industriebetriebe produzieren mussten“. Das Säen und Ernten im Einklang mit der Natur, im Rhythmus der Jahreszeiten. Als Seelsorger erlebt er immer wieder, wie Menschen am Ende des Lebens die bange Frage stellen: „Welche Spuren werde ich hinterlassen?“ Was zählt ist, „was man zur Freude anderer geschaffen hat“. Aus diesem Blickwinkel zählt das Ehrenamt, das Pensionisten ausüben, gleichwertig zur Arbeit. „Da gäbe es so viel zu tun.“ Und Simma entwickelt daraus spielerisch eine Forderung, die in der aktuellen Wehrdienstdiskussion gerade recht kommt: „Ich wäre dafür, dass jeder junge Mensch acht Monate seiner Lebensarbeit für soziale Dienste an der Gemeinschaft verfügbar macht. Gegen geringes Entgeld, sozialversichert und auf die Pension anrechenbar.“ Diese Arbeit würde zur Teilhabe, und der Sinn stünde im Vordergrund.

Russ-Preis-Träger Elmar Simma
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