Ernst machen mit Gott

Vorarlberg / 12.12.2012 • 20:39 Uhr
Miriam Alges Bibel ist schon ganz zerfleddert. Sie liest viel darin. Das schenkt ihr Frieden. Foto: VN/Matt
Miriam Alges Bibel ist schon ganz zerfleddert. Sie liest viel darin. Das schenkt ihr Frieden. Foto: VN/Matt

Miriam Alge hat sogar eine zweite Berufslaufbahn eingeschlagen, „weil Gott das so will“.

Lustenau. Wenn Miriam Alge (27) an jenen Tag im Jahr 2006 zurückdenkt, an dem sie zur Gänze im Taufbecken der Bregenzer Adventistenkirche untertauchte, vergleicht sie es mit einer „Verlobungsfeier“. Ihre Eltern nahmen teil. Ganz offiziell und vor allen setzte Miriam das Zeichen, dass sie „ernst machen will mit Gott“.

Die angehende Lehrerin wuchs katholisch auf, „so wie jeder in Vorarlberg“. Nachsatz: „Dass sich jemand wirklich mit seinem Glauben auseinandersetzt, ist selten.“

Ob Religion aus der Mode kommt oder boomt, hängt ihrer Ansicht nach vom Wohlstand einer Gesellschaft ab. „Man sucht nach Antworten, wenn eines einem nicht mehr so gut geht.“

Sie selber fand über eine Beziehung zur Kirche der „Siebenten-Tags-Adventisten“. Ihr damaliger Freund begann sich dafür zu interessieren. Er hat ihr „immer offen gelassen, was ich glauben will“. Aber während sie ihm dabei zusah, wie er sein Leben total neu ordnete, empfand sie Respekt. Das Ergebnis fand sie „total lässig“, obwohl sie heute nicht mehr zusammen sind.

Unvergleichbarer Friede

Miriams Leben hat „gravierende Veränderungen“ erfahren, „nachdem ich Gott näher kennengelernt habe“. Wenn sie Texte in der Bibel liest, flößt ihr das einen Frieden ein, „der höher ist als jeder Verstand“. Einen Perspektivenwechsel erwirkt die Lektüre, „sodass ich mich selber wertschätze und zu anderen liebevoll bin“. Wie aber erfährt sie den Gott, an den sie glaubt? „Wenn ich in der Natur bin, Musik höre, christliche Literatur lese . . .“ Dann kann sie Gott nahe sein.

Diese Nähe geht so weit, dass sie ihr einen neuen Beruf eingetragen hat. Eigentlich hat Miriam Alge Sozialarbeit an der Fachhochschule in Dornbirn studiert und bereits im Vorarlberger Kinderdorfs gearbeitet. Aber dann fragte sie Pastor Kurt Piesslinger, ob sie nicht Lust hätte, in der privaten Volksschule der Adventisten namens Elia zu arbeiten. „Nein“, dachte sich Miriam, „nein, wirklich nicht.“ Nicht schon wieder ein Studium! Noch einmal schlägt sie gespielt entrüstet die Hände vors Gesicht.

Später hat sie „darüber gebetet“. Am Ende schlug sie den Weg ein. Sie geht „dorthin, wo Gott mich haben will“. All das klingt so sicher. Hat sie nie Zweifel? Weshalb braucht dieser Gott, der doch auch in ihren Augen vollkommen und allmächtig ist, überhaupt unsere Zuneigung? Müsste ein vollkommener Gott nicht wunschlos sein? Miriam Alge ist sich sicher: „Gott kann, will aber nicht allein existieren.“ Er ist ihr ein Kompass fürs Leben. „Wenn ich um mich selber kreise, führt die Spirale nur nach unten.“ Miriam Alge verhehlt nicht, dass sie zwischen 17 und 19 „die Fühler in alle Richtungen ausgestreckt hat“. Bei ihrem Gott, der auch mit sich hadern lässt, ohne Blitze zu schleudern, ist sie geblieben. Auf die Zeit nach dem Tod „freue ich mich“: Wo sie doch sieht, dass es in unserer Welt an allen Ecken und Enden fehlt. „Drüben“ aber stellt sie sich eine Zeit vor, „in der keiner mehr hassen muss, niemand mehr verletzt wird oder krank ist“. Dass sich all das nicht beweisen, sondern nur erhoffen lässt, stört sie nicht: „Was ich bisher von Gott erfahren habe, macht so viel Sinn, dass ich ihm glaube, wenn er in der Bibel schreibt: Ich bereite etwas für Dich vor.“ ##Thomas Matt#1##

Adventisten

Als Adventisten (von lateinisch adventus „Ankunft“) wurden Anhänger einer christlichen Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts in den USA bezeichnet. Für sie spielte die Lehre von der nahen Wiederkunft Christi eine zentrale Rolle. Von der genauen Berechnung des Tages ist die Kirche heute abgekommen. Ihre Mitglieder engagieren sich stark im Sozialbereich mit dem Hilfswerk ADRA, im Bereich Gesundheit, weil ihnen der Mensch als lebendige Seele gilt, und in der Erziehung. Adventisten unterhalten u. a. die private Schule Elia in Lustenau.