Leben nach der Bibel ausgerichtet

Sarah und Michael Bührle ziehen ihre Bibel auch in Fragen des Alltags zurate.
Höchst. Sie wird in Friedrichshafen gerade zur Logopädin ausgebildet, er steht wochentags an der HSC-Fräse bei Blum in Höchst. Seit Juli sind Sarah (23) und Michael Bührle (26) verheiratet. Wie sich das anfühlt? „Wunderbar, so gut“, platzt Sarah heraus und wirft Michael einen begeisterten, verliebten Blick zu.
Dass er ab Jänner 2013 festes Mitglied der evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) wird, setzt dem Ganzen die Krone auf. Obwohl Sarah ihren Mann „nie gedrängt“ hat. Das betont sie.
Michael Bührle hält druckfrisch jene vier Fragen in der Hand, die er beim Übertritt in die EmK beantworten muss. Vertraut er allein der Gnade Jesu Christi? Will er ihm nachfolgen und dem Bösen entsagen? Erkennt er Altes und Neues Testament als Richtschnur an? Will er auch ein treues Kirchenmitglied werden?
Von Splittern und Balken
Er hat seine Antwort schon ausformuliert. „Uns ist einfach wichtig, dass wir, so gut es geht, nach der Bibel leben.“ Das heißt? „Dass man zum Beispiel nicht gleich über andere urteilt“, sagt Sarah. Und Michael führt den oft zitierten „Balken im eigenen Auge“ ins Treffen, den man so gern übersieht, während man über andere lästert.
Leicht ist das nicht. Seit Michael ernst macht mit dem Leben aus der Bibel, hat er sich verändert. Arbeitskollegen haben ihm attestiert, „dass man es schon merkt“. Nicht jeden freut das. „Man wird schon scheel angeschaut.“ Sarah und Michael begegnen immer wieder Menschen, „die nix davon halten“. Dann tanken sie unter ihresgleichen wieder auf.
Michael hat lange nachgedacht, ehe er sich im Oktober des Vorjahres bekehrt hat. „Auf dem Nachhauseweg vom Geschäft im Auto“ ist ihm das widerfahren. „Jetzt übergeb ich mein Leben Jesus“, hat er sich damals gedacht, „und dann schau ich, wie es sich weiterentwickelt.“ Der heutige Leiter der Pfadfindergruppe Mehrerau-Schalom hat es nicht bereut. In Sarahs langwieriger Krankheitsgeschichte – sie hätte nach einer Knieoperation beinahe ihr Bein verloren – war er ein treuer Begleiter. Beeindruckt hat er miterlebt, wie stark auch die Kirchengemeinde zu Sarah hielt.
Die Zeit ihrer Erkrankung hat sie in ihren religiösen Überzeugungen noch sicherer gemacht. Gott ist in Sarahs Augen „schlichtweg der Schöpfer, ganz klar der Vater der Menschheit“. Sie hat kein Problem damit, die Bibel wörtlich zu nehmen. „Alles, was passiert, kann ich durch die Bibel prüfen.“ Und auch Michael vertraut inzwischen der prophetischen Kraft des Alten und Neuen Testaments bedingungslos.
Evangelisch-methodistische Kirche
Zur evangelisch-methodistischen Kirche zählen in vielen Ländern Amerikas, Europas, Afrikas und Asiens derzeit rund zwölf Millionen Menschen. Die EmK ist eine bischöfliche Kirche. Sie steht auf dem Boden der Reformation und für ihre Theologie waren anglikanische, lutherische, herrnhutische und gemäßigt-calvinistische Einflüsse bestimmend. Die Anfänge der EmK reichen in Österreich bis 1870 zurück. Seit 1951 ist die Gemeinschaft staatlich anerkannt. Sie zählt 1500 Mitglieder. Die evangelisch-methodistische Kirche schreibt über sich selber: „Im Mittelpunkt des kirchlichen Lebens steht die Liebe Gottes, die in Jesus Christus zum Ausdruck kommt und allen Menschen gilt.“ Die methodistische Missionsarbeit ist in Österreich durch großes soziales Engagement geprägt. Die Methodisten taufen Kleinkinder, zu Mitgliedern werden Kinder aber erst später durch einen eigenständigen Beitritt. Es gibt, neben Pastoren, auch Pastorinnen.